Ihr Ratgeber zur Anamnese

Unser Anamnese-Ratgeber liefert Ihnen hilfreiche Informationen rund um das Thema. Bei Bedarf haben Sie auch die Möglichkeit sich einfach & schnell von einem Facharzt per Video beraten zu lassen.
Icon_62_Lexicon Created with Sketch.

Anamnese

Die Krankengeschichte des Patienten als Basis für die weitere Behandlung

Als Anamnese bezeichnen Mediziner das Erfassen der Krankheitsgeschichte und der Beschwerden des Patienten. Diese Informationen geben unverzichtbare Hinweise für die Diagnose und die weitere Behandlung.

Kurzfassung

  • Über die Anamnese sammeln und dokumentieren Ärzte medizinisch relevante Informationen über den Patienten.
  • Die Erstanamnese erfasst die medizinische Vorgeschichte, während die Fragen zu den Beschwerden zu jedem Besuch gehören.
  • Es ist sehr wichtig, dass Patienten alle Fragen vollständig und ehrlich beantworten, auch wenn es unangenehm oder peinlich erscheint.
  • Je nach Beschwerdebild und Fachrichtung erfasst die Anamnese verschiedene Bereiche.

Was heißt Anamnese?

Das Wort Anamnese stammt aus dem Griechischen und bedeutet Erinnerung. In der Medizin steht dieser Begriff für die Krankengeschichte des Patienten. Da dieses Vorwissen für die Diagnose und Behandlung einen hohen Stellenwert hat, umfasst die Abfrage sehr viele Bereiche.

Dazu gehören unter anderem:

  • Lebenslauf und Lebenssituation des Patienten
  • Bestimmte Erkrankungen bei blutsverwandten Familienmitgliedern (z. B. Diabetes Typ II bei den Eltern)
  • Vegetative Körperfunktionen wie Schlaf, Hunger, Durst, Atmung
  • Psychische Gesundheit
  • Chronische Erkrankungen (wie Morbus Crohn, Bluthochdruck oder Diabetes)
  • Schwere Erkrankungen in der Vergangenheit (z. B. Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall)
  • Akut bestehende Beschwerden (z. B. Erkältung oder Durchfall)
  • Operationen und Verletzungen in der Vorgeschichte
  • Medikamenteneinnahme (frei verkäuflich und verschreibungspflichtig)
  • Allergien und Unverträglichkeiten
  • Bei Frauen evtl. auch gynäkologische Anamnese zu Menstruationsblutung, Menopause, Schwangerschaften, Hautveränderungen oder Knoten in der Brust, Schmerzen im Unterbauch

Eigenanamnese und Fremdanamnese

Eine Eigenanamnese findet immer dann statt, wenn der Patient selbst Auskunft zu allen Fragestellungen geben kann. Die Schilderung des Patienten ist die sinnvollste Form der Erhebung der Krankengeschichte und Beschwerden.

Die Fremdanamnese kommt zum Einsatz, wenn der Patient nicht selbst antworten kann. Das ist unter anderem in folgenden Situationen der Fall:

  • Behandlung von Babys und Kleinkindern
  • Bei eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten und Sprachvermögen des Patienten (z. B. geistige Behinderung, Schlaganfall, fortgeschrittene Demenz)
  • Bewusstlosigkeit des Patienten

Besteht eine Sprachbarriere, ist eine Eigenanamnese mit Dolmetscher der Fremdanamnese vorzuziehen.

Anamnesebogen und Anamnesegespräch

Die meisten Fachkräfte in Arztpraxen und Krankenhäusern bitten Patienten, beim ersten Besuch einen Anamnesebogen auszufüllen. Die TeleClinic nutzt einen digitalen Fragebogen. Diese Form der Eigenanamnese den Vorteil, dass der Patient in Ruhe über die einzelnen Fragen nachdenken kann. Auch der behandelnde Arzt profitiert. Er liest den Bogen vor dem Gespräch und erkennt so, wo er eventuell noch einmal nachhaken muss.

Anamnese als Teil des Arzt-Patienten-Gesprächs

Bereits die Frage, was den Patienten in die Sprechstunde führt, gehört zur Anamnese. Erfahrene Mediziner klopfen große Teile der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden im lockeren Gespräch ab und leiten den Patienten gezielt in verschiedene Richtungen. So sammelt der Arzt wertvolle Informationen, gleichzeitig entspannt sich der Patient und gewinnt Vertrauen.

Warum ist die Anamnese unverzichtbar?

Anhand der Krankengeschichte sowie der aktuellen Beschwerden erhält der Arzt Hinweise für die weitere Diagnostik und die mögliche Behandlung. Je nach den gezogenen Rückschlüssen folgen unter anderem:

  • Körperliche Allgemeinuntersuchung
  • Blut- und/oder Urinuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung
  • Röntgen
  • EKG
  • EEG
  • Und vieles weitere mehr


Die mögliche Behandlung richtet sich ebenfalls nach den Erkenntnissen aus der Anamnese. Bei Zivilisationskrankheiten ist beispielsweise häufig eine Lebensstilveränderung effektiver als eine medikamentöse Therapie. Erfolgreich ist in jedem Fall die Behandlung, die der Patient akzeptiert.

Weiterhin haben unter anderem folgende Punkte Einfluss auf die weitere Behandlung:

  • Allergien und Unverträglichkeiten
  • Bereits bestehende Medikation
  • Andere Vorerkrankungen
  • Erfolg der bisherigen Behandlung

Anamnese in Notfallsituationen

Wenn ein Patient in kritischem Zustand in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert wird, geht es um Leben und Tod. Eine umfangreiche Anamnese würde zu lange dauern. Der Patient selbst kann kaum oder nicht antworten, Angehörige sind oft nicht anwesend oder nur unvollständig informiert. Daher beschränkt sich die Aufnahme der Krankenakte auf wenige Punkte nach dem SAMPLE®-Schema:

  • Symptoms (Symptome)
  • Allergies (Allergien)
  • Medication (Dauer- und Bedarfsmedikation, Medikation durch Rettungskräfte)
  • Past medical history (medizinische Vorgeschichte)
  • Last oral intake (letzte Nahrungsaufnahme)
  • Events prior to incident (dem Vorfall vorausgegangene Ereignisse)
  • Risk factors (Risikofaktoren, z. B. Alkoholmissbrauch, Rauchen, Kontakt zu infektiösen Personen, Schwangerschaft etc.)

Welche Risiken bestehen bei der Anamnese?

Eine unvollständige Krankengeschichte führt zu Fehldiagnosen und unnötiger Diagnostik (Untersuchungen). Außerdem besteht ein hohes Risiko der Verordnung ungeeigneter Medikamente. Ohne die nötigen Informationen verschreibt ein Arzt möglicherweise Wirkstoffe, für die Gegenanzeigen bestehen. Ebenso sind unerwünschte Wechselwirkungen möglich.

Für eine sinnvolle Anamnese sind folgende Gesichtspunkte wichtig:

  • Patienten sollten im eigenen Interesse nichts verschweigen.
  • Ärzte müssen bei unvollständigen und unklaren Angaben nachhaken.
  • Außer in Notsituationen muss der Anamnese die nötige Zeit gewidmet werden.

Fragen und Antworten

Muss der Patient den Anamnesebogen ausfüllen?

Ja. Patienten sind zur Mitwirkung verpflichtet. Der behandelnde Arzt muss sich ein Bild vom Patienten und seiner körperlichen Verfassung machen können. Daher sind alle relevanten Umstände offenzulegen.

Was passiert, wenn der Patient die Anamnese verweigert?

Ohne eine entsprechende Mitwirkung reduziert sich die Haftung des Arztes oder entfällt ganz. Außerdem kann der Mediziner die Behandlung ablehnen, sofern es sich nicht um einen Notfall handelt.

Wie oft findet die Anamnese statt?

Nach der Erstaufnahme der Krankengeschichte fragt der Arzt bei jedem Termin die wichtigsten Eckpunkte erneut ab.

Wie oft sollte ein Anamnesebogen ausgefüllt werden?

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine regelmäßige Aktualisierung der Angaben im Patientenfragebogen alle zwei Jahre. Bei älteren Patienten und vor größeren Eingriffen sind unter Umständen kürzere Intervalle sinnvoll.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/193264/Gesundheitsberufe-Fundierte-Anamnese
  • https://www.amboss.com/de/wissen/Anamnese
  • https://www.praktischarzt.de/untersuchungen/anamnese/
  • http://www.kzvbw.de/site/binaries/content/assets/offener-bereich/praxis/rundschreiben/vertrag_recht/patrg_faq-liste.pdf

Icon_03_DoctorMale Created with Sketch.

Dieser TeleClinic-Ratgeber wurde nach höchstem wissenschaftlichen Standard von unseren Medizinredakteuren verfasst. Die Artikel sollen Ihnen lediglich Erstinformation zu diversen Themen bieten und können keine ärztliche Diagnose ersetzen. Gerne beraten Sie unsere Fachärzte weiterführend in einem Online-Arztgespräch.

Inhaltsverzeichnis

Willkommen bei TeleClinic

Arztgespräch, Rezept und Krankschreibung in Minuten per App.