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Ratgeber zum Psychotherapeut

Etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland leidet schätzungsweise an einer psychischen Erkrankung. Aktuell ist rund jeder zehnte ausfallende Arbeitstag auf eine seelische Krankheit zurückzuführen, Tendenz steigend. Entsprechend stark nachgefragt sind die Sprechstunden bei Psychotherapeuten. Erfahren Sie hier mehr über die Psychotherapie und wie Sie einen geeigneten Therapeuten online finden.

Kurzfassung:

  • Ein Psychotherapeut führt Therapien nach einem der geläufigen wissenschaftlich anerkannten Verfahren durch. Dafür setzt er psychotherapeutische Behandlungsmethoden ein und/oder verordnet eine medikamentöse Therapie (z. B. Antidepressiva).
  • Man unterscheidet zwischen dem medizinischen und psychologischen Psychotherapeuten.
  • Die Tätigkeit des Psychotherapeuten ist nicht identisch mit dem Beruf des Psychiaters oder des Psychologen.

Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten – wer macht was?

Der Psychotherapeut behandelt psychische, psychosoziale oder psychosomatisch bedingte Verhaltensstörungen. So begleitet er beispielsweise Essstörungen und die Suchttherapie. Psychotherapeuten sind entweder in einem Angestelltenverhältnis oder freiberuflich tätig. Dabei unterscheidet man zwei Berufsgruppen:

  • Ärztliche Psychotherapeuten sind Mediziner, die Beschwerden der Patienten aus medizinischer Sicht behandeln und ggf. Medikamente verschreiben.
  • Psychologische Psychotherapeuten befassen sich mit den Ursachen einer Erkrankung und leiten entsprechende psychologische Therapien ein, um beispielsweise Verhaltensweisen zu ändern.

Beide Therapeuten dürfen Kinder, Jugendliche und Erwachsene behandeln. Darüber hinaus gibt es speziell für die Therapie von Kindern und Jugendlichen ausgebildete Pädagogen (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut).

Psychotherapeut, Psychiater oder Psychologe – wo sind die Unterschiede?

Geht es um die Psychotherapie, wissen Patienten oft nicht, wer der richtige Ansprechpartner ist: Psychotherapeut, Psychiater oder Psychologe? Denn umgangssprachlich werden die Berufe häufig synonym verwendet. Wussten Sie beispielsweise, dass ein Psychologe gar keine Psychotherapien durchführen und auch keine Medikamente verschreiben darf? Informieren Sie sich hier über die Unterschiede:

 

Psychotherapeut

Psychologe

Psychiater

Ausbildung

  • Erfolgreich abgeschlossenes Psychologie- oder Medizin-Studium mit mehrjähriger Therapeuten-Ausbildung (geregelt nach Psychotherapeutengesetz)

Fachärzte, die keine zusätzliche Ausbildung benötigen:

  • Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
  • Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Erfolgreich abgeschlossenes Psychologie-Studium (Bachelor oder Master)
  • Erfolgreich abgeschlossenes Medizin-Studium mit mehrjähriger Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Handlungsspielraum

  • Ist nach Approbation Arzt
  • Ist berechtigt, Therapien wie Psychoanalyse, Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie durchzuführen
  • Behandelt entweder psychotherapeutisch und/oder mithilfe von Medikamenten
  • Kein Arzt
  • Darf keine Therapien durchführen oder Medikamente verschreiben
  • Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Auch als ärztlicher Psychotherapeut zugelassen (Beantragung bei Krankenkasse erforderlich)
  • Behandelt entweder psychotherapeutisch und/oder mithilfe von Medikamenten

Tätigkeitsbereich

  • Behandelt hauptsächlich psychische Störungen, die sich mithilfe von Gesprächen und speziellen Übungen therapieren lassen
  • Diagnostik und psychologische Beratung
  • Oft als Experte in der Wirtschaft oder im Gesundheitswesen tätig
  • Befasst sich mit der Entwicklung, dem Verlauf und der Behandlung psychischer Erkrankungen aus medizinischer Sicht

Psychotherapeutische Sprechstunde – kurzfristige Ersteinschätzung möglich:
Seit April 2017 sorgt die psychotherapeutische Sprechstunde dafür, dass Sie auch vergleichsweise kurzfristig ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten erhalten. Hier wird abgeklärt, ob ein Verdacht auf eine psychische Erkrankung vorliegt und ob Sie eine Psychotherapie benötigen. Eventuell macht der Psychotherapeut alternative Vorschläge, etwa Präventionsangebote, oder er verweist auf Beratungsstellen.

Drei wissenschaftlich anerkannte Ansätze der Psychotherapie

Der Austausch zwischen Psychotherapeut und Patient steht im Fokus der Psychotherapie. Dazu kommen Einzel- und/oder Gruppengespräche zum Einsatz. In Deutschland sind drei Richtlinienverfahren der Psychotherapie anerkannt, die von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden:

1. Analytische Psychotherapie (auch Psychoanalyse genannt)

Die Psychoanalyse nach Sigmund Freud ist die wohl bekannteste Methode: Der Patient spricht über seine Vergangenheit, um innere Konflikte, Ängste und Prozesse aufzudecken. Dabei liegt der Patient in der Regel auf der Couch. Die Psychotherapie kann mehrere Jahre andauern und erfordert oft mehrere Sitzungen pro Woche.

Hilfe zur Selbsthilfe: Die Psychotherapie ermöglicht ein vertieftes emotionales Verständnis der eigenen Persönlichkeit. Nur so ist eine dauerhafte Veränderung möglich.

2. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie das analytische Pendant. Dabei sitzt der Patient dem Therapeuten gegenüber. Im Vergleich zur analytischen Therapie ist der Behandlungszeitraum wesentlich kürzer. Dabei wird von einem oder mehreren zeitlich begrenzten Konflikten ausgegangen, denen der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten in ein bis zwei Gesprächsstunden wöchentlich auf den Grund geht.

3. Verhaltenstherapie

Ungünstiges Verhalten ist erlernt und kann auch wieder geändert werden – so das Credo der Verhaltenstherapie. Ein Beispiel ist die Therapie von Zwangsstörungen (z. B. Essstörung). Der Therapeut übt mit dem Patienten mittels geeigneter Methoden andere Verhaltensmuster ein. Die Konfrontationstherapie gehört ebenfalls zu den Verhaltenstherapien.

Die Systemische/Familientherapie bald vielleicht auch Kassenleistung: Die Systemische Therapie für Erwachsene soll zukünftig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden – für Kinder und Jugendliche steht der Antrag noch aus. Die Therapie geht davon aus, dass Umweltbedingungen das Verhalten des Patienten beeinflussen – zum Beispiel die Familienumstände. Noch 2019 soll das Verfahren in die offiziellen Psychotherapie-Richtlinien aufgenommen werden.

Die ersten Sitzungen und der Ablauf

Bevor der Psychotherapeut eine Therapie anordnet bzw. entscheidet, ob der Patient psychisch krank ist, führt er mit ihm mehrere Gespräche.

  • Bis zu sechs Termine à 25 Minuten oder mehrere dieser 25-Minuten-Einheiten zusammengelegt sind möglich.
  • Bei Kindern und Jugendlichen sind bis zu zehn Termine à 25 Minuten machbar. Dabei entscheiden die Eltern mit dem Therapeuten, welche Behandlung infrage kommt. Alternativ dürfen die Erziehungsberechtigten insgesamt 100 Minuten Beratungszeit beanspruchen.

Dauer der Psychotherapie

Hat der Psychotherapeut die psychische Erkrankung diagnostiziert, verordnet er die folgenden Therapiemaßnahmen:

Therapieform

Stunden insgesamt

Sitzungen pro Woche

Analytische Einzelpsychotherapie

160 bis 240 (max. 300 bei Sonderfällen)

2-3, phasenweise auch 4 möglich

Analytische Gruppenpsychotherapie

80 bis 150

1-2

Tiefenpsychologisch fundierte Einzel-Psychotherapie

50 bis 80 (max. 100 bei Sonderfällen)

1-2

Tiefenpsychologisch fundierte Gruppenpsychotherapie

40 bis 80

Wie schnell erhalte ich einen Termin beim Psychotherapeuten?

Die Wartezeit auf eine psychotherapeutische Akutbehandlung darf laut Termin- und Servicegesetz zwei Wochen nicht überschreiten. Dafür müssen die Patienten zuvor eine psychotherapeutische Sprechstunde aufgesucht haben. In einigen Regionen sind die Wartezeiten auf einen Termin für eine reguläre Sprechstunde leider immer noch sehr lang – teils bis zu 20 Wochen (z. B. in Nordrhein-Westfalen).

Wichtige Fragen & Antworten

Ist eine Psychotherapie eine Kassenleistung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für die Psychotherapie. Für die Sprechstunde eines Psychotherapeuten benötigen Sie keine Überweisung von Ihrem Hausarzt.

Darf ein Psychotherapeut krankschreiben?

Bisher dürfen Psychotherapeuten keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen.

Wie finde ich einen passenden Psychotherapeuten?

Von den Krankenkassen zugelassene Psychotherapeuten finden Sie bei der Deutschen Psychologen-Akademie, der Bundestherapeutenkammer oder der regional organisierten Kassenärztlichen Vereinigungen.

Was mache ich, wenn ich mit dem Therapeuten unzufrieden bin?

Eine psychologische Therapie fußt auf Vertrauen und einer guten zwischenmenschlichen Beziehung. Stellen Sie fest, dass Sie mit Ihrem Psychotherapeuten keine gemeinsame Basis finden, haben Sie das Recht, einen anderen Psychotherapeuten aufzusuchen oder sich vermitteln zu lassen.

Quellen:

  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Psychotherapie?nid=100645
  • https://www.bptk.de/zehn-prozent-der-betrieblichen-fehltage-durch-psychische-erkrankungen/
  • https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/burn-out-patienten-warten-immer-noch-viel-zu-lange-auf-ihre-psychotherapie/21164240.html?ticket=ST-381556-YAmOvDzlGw3OFQ4LkHaz-ap1
  • https://www.bptk.de/wp-content/uploads/2019/0½0180514_bptk_patientenbroschuere_wege_zur_psychotherapie_web1-1.pdf
  • https://www.kbv.de/html/1150_33826.php
  • https://www.dgsf.org/service/was-heisst-systemisch/familientherapie-systemische_therapie.html
  • https://www.apotheken-umschau.de/Therapien/So-finden-Sie-einen-Psychotherapeuten-517679.html