Ihr Ratgeber zu Arthrose

Weltweit ist die Arthrose die häufigste Gelenkerkrankung bei erwachsenen Menschen. Mit steigendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken zu. Unter dem Gelenkverschleiß leiden in Deutschland Schätzungen zufolge knapp 10 Prozent der Bevölkerung. Bisher ist die Arthrose nicht heilbar, die Entstehungsmechanismen sind nicht genau geklärt.

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Arthrose-Ratgeber

Kurzfassung

  • Arthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, der Körper baut Knorpel ab.
  • Meist sind Knie, Hüfte, Hände oder Zehen betroffen. In vielen Fällen gehören Übergewicht und Bewegungsmangel zu den entscheidenden Ursachen.
  • Eine Ernährungsumstellung mit Gewichtsreduktion und Bewegung sind hilfreiche Therapieformen, ebenfalls als Prävention.

Definition

Arthrose, Osteoarthrose genannt, ist eine chronische Gelenkerkrankung. Sie geht auf verschleißbedingte Prozesse zurück. Kennzeichnend ist ein Knorpelverlust. Die Arthrose ist bisher nicht heilbar.

Die Beschwerden lassen sich im Rahmen einer Therapie allerdings in der Regel recht gut in den Griff bekommen. Im fortgeschrittenen Stadium kann ein künstliches Gelenk nötig sein, eine frühzeitige Behandlung kann die Notwendigkeit herauszögern.

Ursachen der Arthrose

Knorpel sitzt als schützende Schicht auf den Knochenenden, die zusammen ein Gelenk bilden. Der Knorpel wird durch Gelenkflüssigkeit ernährt und dient als Stoßdämpfer. Wenn sich der Knorpel abnutzt, reibt mit der Zeit Knochen auf Knochen, der Verschleiß führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Es werden äußere (exogene) und innere (endogene) Risikofaktoren unterschieden:

  • Fehlstellung (z. B. X-Beine)
  • Unfall
  • Vererbung
  • Mechanische Belastung – häufige Tätigkeit in hockender oder kniender Stellung (zum Beispiel zeigen Bodenleger eine erhöhte Gonarthrose-Rate)
  • Übergewicht mit BMI > 30 (das übermäßige Bauchfett fördert Entzündungen im Körper und das Übergewicht belastet die tragenden Gelenke zusätzlich)

Heute gilt die Arthrose vorwiegend als chronische Entzündungskrankheit. Folge der Entzündungen ist der Knorpelabbau und damit das Auftreten von Schmerzen.

Bei Arthrose wird aus Knorpel Knochen

Nach der Ansicht von Medizinern entsteht die Arthrose nicht nur durch mechanischen Verschleiß, viel mehr zerstören die Knorpelzellen selbst die Knorpelsubstanz.

Die Knorpelzellen sterben ab oder verwandeln sich in Knochenzellen, wodurch Knorpel zu Knochen umgebaut wird. Die Ursache für das Verhalten des Knorpels ist weiterhin nicht vollständig erforscht. Ein Grund scheinen Botenstoffe im Gelenk zu sein.

Symptome

Erste Anzeichen sind Steifheitsgefühle. Teilweise treten Schwellungen am Gelenk auf. Typisch sind belastungsbedingte Schmerzen. Die betroffenen Gelenke schmerzen mal stärker, mal weniger stark, anfangs meist beim Anlaufen, später unabhängig von Belastung. Die Gelenke lassen sich im Krankheitsverlauf immer schlechter bewegen und die Schmerzen treten dauernd auf.

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Diagnose

Der behandelnde Arzt tastet die Gelenke ab, prüft die Funktion und erfragt im Rahmen einer Anamnese, wann und wo die Schmerzen auftreten. Die bildgebenden Verfahren CT (Computertomografie) bzw. MRT (Magnetresonanztomografie) zeigen mögliche Risse im Knorpel und Veränderungen im Gelenkspalt auf.

Wie erfolgt die Therapie?

Das Ziel der Therapie ist die Linderung der klinischen Symptome. Das therapeutische Spektrum umfasst:

  • Orthopädische Hilfsmittel wie Pufferabsätze zur Achskorrektur und Knieorthesen
  • Ernährungstherapie, gegebenenfalls mit Gewichtsreduktion
  • Krankengymnastik und Physiotherapie: Ultraschall, Elektrotherapie, Muskelstimulation, Akupunktur, Kälte- und Wärmetherapie, Stretching
  • Medikamentöse Therapie: Antizytokine Opioide, Analgetika/Antiphlogistika, SYSADOA („systematic slow acting drugs in osteoarthritis“)
  • Operative Intervention, zum Beispiel durch künstlichen Gelenkersatz (Endoprothese)

Die Beratung der Patienten gilt als wichtigster Aspekt für den Erfolg der Therapie. Besonders vielversprechend sind eine Ernährungsumstellung und maßvolle Bewegung. Die Ernährungstherapie hat zwei Ziele: die Entzündung zu hemmen und die Gelenke durch Gewichtsreduktion zu entlasten. Moderate Bewegung versorgt die Gelenke und somit den Knorpel mit Nährstoffen. Gleichzeitig wird die Muskulatur gestärkt.

Wie ernähre ich mich bei Arthrose richtig?

Ärzte empfehlen eine anti-entzündliche Ernährung, die Spurenelemente und Vitalstoffe liefert und den Körper entlastet. Sie spielt in der Therapie eine immer wichtigere Rolle. Studien haben gezeigt, dass eine hauptsächlich vegetarische Ernährung die Symptome bessern kann. Empfohlen ist:

  • Viel Gemüse, Obst und ballaststoffreiche Lebensmitteln wie Getreide. Vollwertige Ernährung versorgt Gelenke und Knorpel mit notwendigen Bau- und Schutzstoffen.
  • Fisch; die Omega-3-Säuren wirken Entzündungen entgegen.
  • Milch ist gut für die Knochengesundheit, Studien zufolge können zumindest Frauen durch den Konsum fettarmer Milchprodukte den Gelenkverschleiß verzögern.

Folgende Nahrungsmittel sollten reduziert werden:

  • Lebensmittel und Getränke mit viel Zucker, dieser fördert im Körper entzündliche Vorgänge und verschlimmert die Gelenkschmerzen.
  • Fleisch nur 1 x im Monat. Es enthält Fettsäure, die entzündliche Vorgänge fördert.
  • Gehärtete Fette und gesättigte Fettsäuren wie zum Beispiel Butter, diese enthalten entzündungsfördernde Arachidonsäure.
  • Alkohol steht im Verdacht, Entzündungen eher zu fördern als zu hemmen.

Welcher Sport ist bei Arthrose empfohlen?

Schonen ist schädlich, auch für Arthrose-Patienten. Ohne Bewegung wird der Knorpel rau und verschleißt. Mediziner legen Betroffenen tägliches moderates Training von 30 bis 40 Minuten ans Herz.

Kraftsport ist empfohlen, das gezielte Training stärkt die Muskulatur und erhält so die Beweglichkeit. Weiter geeignet sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik und Radfahren.

Welche Sportarten sind bei Arthrose nicht empfohlen?

Sportarten mit abrupten Richtungswechseln und hohen mechanischen Belastungen sind nicht empfohlen. Dazu gehören Squash, Tennis, Fußball, Handball und Volleyball.

Wie beuge ich Arthrose vor?

Bewegungsmangel und Übergewicht führen zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen, der ungesunde Lebensstil schadet dem Herz-Kreislauf-System und den Gelenken. Die Arthrose gilt als eine Folge. Abnehmen und Bewegen gelten insofern als beste Prävention.

Übermäßige Belastung kann die Krankheit ebenfalls verursachen. Daher müssen Leistungssportler und Arbeiter mit hohen mechanischen Belastungen versuchen, übertriebene Anstrengungen zu vermeiden.

Wie verhalte ich mich im Alltag richtig?

Die folgende Tabelle zeigt Tipps für den Alltag auf.

Empfehlenswert Zu vermeiden

Bei Gelenkschmerzen frühzeitig den Arzt aufsuchen

Schmerzen ignorieren

Unterschiedliche, abwechslungsreiche Bewegungsabläufe

Überbelastungen im Sport oder bei der Arbeit

Regelmäßig Haltung ändern und zwischen Stehen, Gehen und Sitzen wechseln

Lange in einer Haltung verharren

Passendes Schuhwerk, ggf. mit Einlagen

Zu enge oder kleine Schuhe

Fragen und Antworten

Wie häufig ist Arthrose in der Bevölkerung?

Mehr als 60 Prozent der älteren Menschen leiden unter Anzeichen einer Arthrose. Meist treten erste Beschwerden zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. In Deutschland sind bis zu 8 Millionen Menschen betroffen.

Den größten Anteil macht die Hüftarthrose (Gonarthrose) aus. Es klagen allerdings nur etwa 15 Prozent der Betroffenen, bei denen eine Gonarthrose bereits per Röntgenbild als gesichert festgestellt wurde, über Knieschmerzen.

Zu welchem Arzt mit Arthrose?

Bei Gelenkschmerzen ist zunächst der Hausarzt der erste Ansprechpartner. In der Regel wird er Sie zum Orthopäden überweisen.

Erfolgt bei Arthrose eine Krankschreibung?

Die Arthrose ist ein fortlaufender Prozess. Starke Schmerzen und eine intensive Bewegungseinschränkung können zur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit führen, die eine Krankschreibung notwendig macht. Ist das betroffene Gelenk durch den Beruf einer Dauerüberbelastung ausgesetzt, kann eine langfristige Krankschreibung erfolgen. Der letzte Ausweg sind eine Operation oder ein beruflicher Neuanfang.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/67922/Epidemiologie-Aetiologie-Diagnostik-und-Therapie-der-Gonarthrose
  • https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Arthrose-erkennen-und-behandeln,arthrose148.html
  • https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Arthrose-Ursachen-und-Entstehung,arthrose166.html
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/168060/Praevention-und-Therapie-der-Arthrose-Raus-aus-dem-Teufelskreis-Abnehmen-und-bewegen