Ihr Ratgeber zu Chlamydien

Chlamydien sind sexuell übertragbare Bakterien, die bei Männern und Frauen eine gefährliche Geschlechtskrankheit auslösen können. Lesen Sie hier, wie sich eine Chlamydien-Infektion vermeiden und behandeln lässt!

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Chlamydien-Ratgeber

Kurzfassung

  • Die Chlamydien-Infektion zählt weltweit zu den am häufigsten auftretenden Geschlechtskrankheiten.
  • Betroffene bemerken eine Infektion mit Chlamydien aufgrund fehlender Beschwerden in der Regel nicht.
  • Unbehandelt kann eine Chlamydien-Infektion bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen.
  • Für junge Frauen und Schwangere bezahlen die Krankenkassen Tests im Rahmen eines Chlamydien-Screenings.
  • Chlamydien-Infektionen sind mit Antibiotika gut behandelbar.

Definition

Chlamydien ist die umgangssprachliche Bezeichnung von Bakterien, die zur Familie der Chlamydiaceae gehören. Mit dem Begriff Chlamydien-Infektion ist in der Regel eine Infektion der Geschlechtsorgane oder Harnwege mit dem Bakterium Chlamydia Trachomatis Serotyp D-K gemeint.

Als Serotyp gelten die verschiedenen Variationen innerhalb einer Untergruppe von Bakterien oder Viren. Sie lassen sich mithilfe serologischer Tests unterscheiden. Neben dem Chlamydia Trachomatis können die Chlamydiaceae Psittaci und Pneumoniae Erkrankungen beim Menschen auslösen.

Ursachen für Chlamydien

Chlamydien dringen vor allem über die Schleimhäute in den menschlichen Organismus ein. Das die Geschlechtskrankheit auslösende Bakterium Chlamydia Trachomatis Serotyp D-K gelangt über die Schleimhäute der Harnwege oder Geschlechtsorgane in den Körper. Außerdem kann es zu einer Ansteckung über die Schleimhäute des Analbereichs, des Rachens, der Augen oder der Atemwege kommen.

Ungeschützter Geschlechtsverkehr stellt bei Erwachsenen die häufigste Ansteckungsform dar. Darüber hinaus kann eine Infizierung oral oder als Schmierinfektion erfolgen, aber auch perinatal (während der Geburt) erfolgen.

Die Chlamydien-Bakterien vermehren sich im Inneren der befallenen Zellen und breiten sich schnell aus. Die Inkubationszeit von der Ansteckung bis zum Krankheitsausbruch dauert regelmäßig zwischen einer und drei Wochen, kann sich jedoch bis zu sechs Wochen ausdehnen.

Symptome

Oft verläuft eine Chlamydien-Infektion vollkommen asymptomatisch oder löst lediglich leichte Beschwerden aus. Bei Frauen zeigen sich in bis zu 80 Prozent der Fälle keine Symptome. Bei Männern beträgt diese Rate bis zu 50 Prozent.

Falls Beschwerden auftreten, zeigen sie sich bei Frauen in Form von:

  • Ausfluss, häufig mit unangenehmem Geruch
  • Jucken und Brennen beim Wasserlassen
  • Fieber und starken Schmerzen im Unterbauch
  • Zwischenblutungen
  • Blutigem Ausfluss beim oder nach dem Geschlechtsverkehr

Eine erhöhte Temperatur und Unterleibschmerzen deuten auf die Ausbreitung der Chlamydien im Bereich von Gebärmutterhals, Eierstöcken oder Eileiter hin.

Bei Männern kann sich eine Chlamydien-Infektion in den folgenden Symptomen manifestieren:

  • Entzündung der Harnröhre mit Eiterbildung und Ausfluss aus dem Penis
  • Brennen, Jucken oder ziehende Schmerzen beim Wasserlassen

Geraten die Chlamydien bei bestimmten Sexualpraktiken beziehungsweise durch mangelnde Hygiene in andere Körperbereiche, können sie diese Beschwerden bei Männern und Frauen verursachen:

  • Bindehautentzündung der Augen
  • Rachenentzündung
  • Entzündung des Enddarms

Mütter können während der Geburt ihr Kind mit Chlamydien anstecken. Dann besteht die Gefahr, dass die Bakterien beim Neugeborenen eine Lungenentzündung oder eine Bindehautentzündung auslösen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung im Geburtskanal liegt zwischen 60 und 70 Prozent.

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Verlauf einer Chlamydien-Infektion

Unerkannt und unbehandelt kann eine Chlamydien-Infektion schwere Erkrankungen bewirken.

Bei Frauen handelt es sich dabei vor allem um:

  • Verklebung der Eileiter und Sterilität (Unfruchtbarkeit)
  • Eileiter- und Bauchhöhlenschwangerschaften
  • Frühgeburten

Außerdem treten durch Chlamydien vermehrt Schwangerschaftskomplikationen auf wie:

  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Zu geringes Geburtsgewicht des Säuglings

Eine Chlamydien-Infektion kann bei Männern diese Langzeitfolgen haben:

  • Entzündung von Nebenhoden
  • Prostata-Entzündung

Eine Nebenhoden-Entzündung bewirkt regelmäßig starke Schmerzen.

Noch nicht abschließend geklärt ist die Frage, ob Chlamydien-Infektionen auch bei Männern Sterilität auslösen können.

Darüber hinaus ist bei Erkrankten beiderlei Geschlechts die Entwicklung einer reaktiven Arthritis (akute Gelenkentzündung) möglich. Kommt es zur Ausbildung der sogenannten Reiter-Trias, leiden Betroffene zusätzlich unter einer Bindehaut- und einer Harnröhrenentzündung. Eine Sehnenscheidenentzündung kann ebenfalls durch eine Chlamydien-Infektion ausgelöst werden.

Diagnose

Die Feststellung einer Infektion mit Bakterien Chlamydia Trachomatis Serotyp D-K erfolgt bevorzugt durch den direkten Nachweis des Erregers. Bei der Frau nimmt der Gynäkologe einen Abstrich am Gebärmutterhals vor. Der Urologe führt bei Männern einen Abstrich an der Harnröhre durch. Außerdem werden Urin- und gegebenenfalls Blutproben untersucht.

Im Labor erfolgt die molekularbiologische Analyse der Proben. Es wird dabei festgestellt, ob darin das genetische Material des Bakteriums Chlamydia Trachomatis Serotyp D-K nachweisbar ist.

Darüber hinaus lässt sich eine Chlamydien-Infektion durch die Identifizierung von entsprechenden Antikörpern nachweisen. Es ist zu berücksichtigen, dass die Reaktion des Immunsystems auf das Eindringen des Bakteriums erst einige Wochen nach der Infektion erfolgt. Gynäkologen veranlassen eine Blutuntersuchung auf Chlamydia Trachomatis Serotyp D-K oft im Rahmen der Suche nach Ursachen für eine Unfruchtbarkeit.

Chlamydien-Diagnose bei Frauen im gebärfähigen Alter

Junge Frauen unter 25 Jahren haben Anspruch auf eine jährliche Chlamydien-Vorsorgeuntersuchung als Kassenleistung. Die Untersuchung im Rahmen dieses Chlamydien-Screenings wird mithilfe einer Urinprobe durchgeführt.

Das Chlamydien-Screening bildet ebenfalls einen Teil der Mutterschaftsvorsorge, um eine Übertragung der Krankheit auf das Kind während der Geburt zu verhindern.

Behandlung

Eine Chlamydien-Infektion lässt sich mit Antibiotika wirksam behandeln. Dabei kommen vor allem Wirkstoffe aus den folgenden Gruppen zur Anwendung:

Der Arzt verabreicht die Antibiotika entweder als Einzelgabe oder als mehrfach über einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen einzunehmende Dosen. Um Rezidive (Rückfälle) auszuschließen, kann auch eine noch längere Therapiedauer angezeigt sein.

Damit es nicht zum sogenannten Ping-Pong-Effekt der wechselseitigen Ansteckung kommt, ist eine Behandlung des Partners erforderlich. Dabei ist die Therapie aller Geschlechtspartner empfehlenswert, mit denen Betroffene in den letzten 60 Tagen Verkehr hatten.

Prävention

Um eine Infektion zuverlässig zu vermeiden, sollten Sie beim Geschlechtsverkehr mit neuen Partnern zunächst Kondome verwenden. Dies gilt ebenso für Anal- und Oralverkehr. Erst wenn bei beiden Sexualpartnern eine Chlamydien-Infektion ausgeschlossen ist, ist ungeschützter Verkehr wieder unriskant.

Wann zum Arzt?

Eine Chlamydien-Infektion kann gravierende Folgen haben. Aus diesem Grund sollten Sie Ihren Gynäkologen beziehungsweise Urologen sofort aufsuchen, wenn Sie eine Ansteckung vermuten. Sexuell aktive Menschen mit wechselnden Partnern sollten sich regelmäßig untersuchen lassen.

Fragen und Antworten

Warum kann eine Chlamydien-Infektion das Risiko erhöhen, sich mit dem HIV anzustecken?

Die entzündeten Schleimhäute erleichtern es den HIV-Erregern, in den Körpern einzudringen.

Wie hoch schätzen Experten die Anzahl der jährlichen Neuinfektionen hierzulande ein?

Nach seriösen Schätzungen stecken sich jedes Jahr in Deutschland ungefähr 300.000 Menschen neu mit dieser Geschlechtskrankheit an.

Bewirkt eine Infektion mit Chlamydien ein höheres Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken?

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft existieren keine gesicherten Belege dafür, dass eine Chlamydien-Infektion dieses Krebsrisiko erhöht.

Quellen

  • https://www.apotheken-umschau.de/Geschlechtskrankheiten/Chlamydien-Unerkannte-Gefahr-106659.html
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60198/Chlamydien-Infektionen-bei-MSM-moeglicherweise-haeufiger
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/153139/Sexuell-uebertragbare-Infektionen-Ein-Unglueck-kommt-selten-allein
  • https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html;jsessionid=0169D84EA3246CD6CCE0B743F1C6BCD1.1_cid363#doc2382764bodyText2
  • https://www.aidshilfe.de/chlamydien
  • https://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Reihe_Koerper_und_Sexualtitaet/chlamydien.pdf