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Ratgeber zur Dysphagie

Wie sich eine Dysphagie (Schluckstörung) äußert, welche Ursachen verantwortlich sind und wie sich die Krankheit behandeln lässt, erfahren Sie hier.

Rund 2.000 Mal pro Tag erfolgt der Transport von Speisen, Getränken und Speichel per Schluckvorgang vom Mund in den Magen. Bei mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland verhindert eine Dysphagie diese halbreflektorische Fähigkeit. Die Schluckstörung kann lebensbedrohlich werden, beispielsweise, wenn das Druckgefühl im Hals die Nahrungsaufnahme verhindert. Daher ist eine exakte Diagnose der Ursachen für die Dysphagie erforderlich.

Kurzfassung

  • Dysphagie ist eine Störung im Schluckablauf.
  • Ursache der Schluckstörung können Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Erkrankungen der Verdauungsorgane sowie neurologische oder psychosomatische Leiden sein.
  • Zur Diagnose und bedarfsgerechten Behandlung ist meistens die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte notwendig.
  • Die mögliche Behandlung reicht vom Training des Schluckreflexes über eine Therapie mit Medikamenten bis hin zu chirurgischen Eingriffen.

Definition

An dem komplexen Prozess des Schluckens sind 56 Muskelpaare und neben der zentralen Steuerung mindestens fünf Hirnnerven beteiligt. Eine Dysphagie (aus dem Griechischen dys = falsch, krankhaft, von der Norm abweichend und phagein = essen) ist eine Schluckstörung zwischen den Lippen und dem Mageneingang.

Mediziner differenzieren die Krankheit je nach Ort der Schluckstörung. Denn der Schluckvorgang ist in drei Phasen unterteilt:

  • Die orale Phase beschreibt den Zeitraum der Nahrungsaufnahme und -zerkleinerung beziehungsweise der Aufnahme von Flüssigkeiten bis zum Auslösen des Schluckreflexes.
  • In der pharyngealen Phase werden feste oder flüssige Substanzen mithilfe von reflexgesteuerten Bewegungsketten durch den Rachen in die Speiseröhre befördert.
  • Die ösophageale Phase leitet die Substanzen in peristaltischen Wellen (also durch fortlaufendes Zusammenziehen einzelner Abschnitte) in den Magen weiter.

Symptome

Aus Störungen in den verschiedenen Phasen des Schluckvorgangs ergeben sich die unterschiedlichen Krankheitsbilder der sogenannten oropharyngealen Dysphagie und der ösophagealen Dysphagie:

Gestörter SchluckvorgangSymptom

Orale und pharyngeale Phase

  • Ausfluss von Speichel und Nahrung aus dem Mund
  • Verharren von Speisen und Flüssigkeiten im Mund
  • Steckenbleiben von Speisebrei (Bolus) und Flüssigkeiten im Hals
  • Eingeschränkte oder fehlende Kehlkopfhebung
  • Hustenreiz und Räuspern
  • Gurgelnde, belegte Stimme

Ösophageale Phase

  • Druckgefühl und Brennen hinter dem Brustbein
  • Schmerzen in der Herzgegend
  • Sodbrennen

Ursachen

Am weitesten verbreitet ist die neurogene Dysphagie (Schluckstörungen durch Nerven- und Muskelerkrankungen) mit den Ursachen

  • Schlaganfall
  • Demenz
  • Parkinson (Erkrankung des zentralen Nervensystems)
  • ALS (amyotrophe Lateralsklerose: unheilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems)
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • MS (multiple Sklerose: Autoimmunerkrankung von Gehirn und Rückenmark)

Eine progressive Dysphagie weist auf Speiseröhrenkrebs hin.

Für die Presbyphagie sind altersbedingte Verschleißerscheinungen wie Zahnverlust, reduzierte Speichelproduktion, Verlangsamung aller Schluckphasen sowie der Abbau von Muskelmasse im Mund, Rachen und der Speiseröhre verantwortlich.

Eine Odynophagie (schmerzhafter Schluckakt) verursachen Entzündungen, Geschwüre oder Verletzungen der Speiseröhre.

Die Aphagie (Verlust des Schluckreflexes) tritt infolge schmerzhafter Veränderungen in der Speiseröhre sowie im Mund- und Rachenraum (Kau- oder Schluckmuskeln) auf.

Diagnose

Zur Überprüfung des Schluckvorgangs beziehungsweise vorhandenen Störungen nutzen Ärzte verschiedene Untersuchungsmethoden für eine Diagnose:

MethodeAusführung

Neurologische Untersuchung

  • Abtasten der Schilddrüse
  • Untersuchung von Mundhöhle und Rachen
  • Überprüfung der Zungen- und Kaubewegungen
  • Test des Schluckreflexes
  • Prüfung des Räusper- und Hustenreizes sowie des Sprechvermögens

Video-Schluckendoskopie (FEES)

  • Untersuchung des Schluckvorgangs und der Schlucktechnik mit einem flexiblen Schlauch (Endoskop)

Radiologische Untersuchung

  • Röntgendarstellungen des Schluckaktes mit Speisebrei in verschiedenen Konsistenzen (fest, flüssig, krümelig)

Dynamische Echtzeit-Magnetresonanztomografie

  • Abbildung der Schlucksteuerung vom Mund bis zum Zwerchfell mithilfe eines starken Magnetfelds

Stroboskopie

  • Untersuchung des Nasen-Rachen-Raums mit einem starren oder flexiblen Schlauch (Endoskop)

24-Stunden-pH-Metrie

  • Messung der Säurekonzentration in der Speiseröhre mit einer Sonde

Manometrie

  • Überprüfung des Schluckablaufs und der Druckverhältnisse in der Speiseröhre mit einer Sonde

Wichtig: Da es vielfältige Ursachen für eine Dysphagie geben kann, sind in Fällen ohne eindeutigen Befund zusätzliche Untersuchungen durch Fachärzte unterschiedlicher Disziplinen hilfreich.

Behandlung

Bei der Behandlung einer Dysphagie geht es unabhängig vom jeweiligen Auslöser stets um die Optimierung der Schluckfunktion. Dazu tragen ursachen- und funktionsorientierte Methoden bei, zum Beispiel

  • Gezielte Anregung der Bewegungen von Lippen, der Zunge, der Kaumuskulatur, des Gaumens und des Rachens
  • Aufrechte Oberkörperhaltung beim Essen und Trinken
  • Anpassung der Ernährung an die jeweils aktuelle Schluckkapazität
  • Protonenpumpenhemmer (Medikamente zur verringerten Magensäureproduktion) gegen Schluckauf
  • Medikamente für verringerten Speichelfluss
  • Mukolytika (Schleimlöser) zur Verflüssigung von übermäßigem Schleim im Mund-Rachen-Raum
  • Chirurgische Eingriffe wie ein Luftröhrenschnitt und das Verlegen einer Kanüle zum künstlichen Luftröhrenverschluss
  • Operative Entfernung von Divertikeln (Ausstülpungen der Speiseröhre) oder Tumoren (Krebsgeschwüre)

Fragen und Antworten

Welche Fachärzte behandeln Dysphagie?

Die vielfältigen Ursachen und Auswirkungen von Schluckstörungen erfordern in der Diagnose und Behandlung eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte. Insbesondere bei neurogenen Dysphagien ist die Kombination unterschiedlicher Therapien erfolgversprechend.

  • Neurologen behandeln durch Nerven- oder Muskelerkrankungen bedingte Schluckstörungen.
  • Hals-Nasen-Ohren-Ärzte kümmern sich um Erkrankungen des Rachens (Pharynx) und des Kehlkopfes (Larynx).
  • Gastroenterologen werden bei Schluckproblemen mit Ursachen in der Speiseröhre und dem Magen tätig.
  • Pneumologen (Lungenfachärzte) und Kardiologen (Herzspezialisten) untersuchen Ursachen im Brustraum.
  • Internisten (Fachärzte für Innere Medizin) kommen bei Erkrankungen des Immunsystems zum Einsatz.
  • Endokrinologen (Spezialisten für Erkrankungen von Hormondrüsen) sind für Schilddrüsenkrankheiten die geeigneten Experten.
  • Zahnärzte und Kieferchirurgen greifen bei Ursachen durch Zahn- oder Kiefer-Erkrankungen ein.
  • Hautärzte werden bei Krankheiten der Mundschleimhaut tätig.
  • Logopäden (Schluck- und Stimmtherapeuten) trainieren mit einer zielgerichteten Therapie die betroffene Muskulatur für den Schluckvorgang.
  • Psychologen leisten Alltagshilfe bei der Bewältigung von den Folgen einer Dysphagie.

Wann wird Dysphagie lebensbedrohlich?

Ein gestörter Schluckvorgang kann fatale Folgen haben. Vor allem nach einem Schlaganfall, bei Demenz oder ALS kann Dysphagie lebensbedrohlich werden:

  • Der gestörte Schluckreflex führt häufig zu Mangelernährung (Malnutrition). Mit dem Gewichtsverlust gehen eine verschlechterte Immunabwehr und der Verlust von Muskelmasse einher. Das verstärkt die Dysphagie, da sich auch die Muskulatur für den Schluckakt abbaut.
  • Durch mangelnde Flüssigkeitsaufnahme aus Angst vor Schluckstörungen droht eine Dehydratation (Austrocknung).
  • Bei einer Aspiration (umgangssprachlich: Verschlucken) dringen Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel in die Luftröhre ein. Bleibt durch Dysphagie der Hustenreiz aus, kann die sogenannte stille Aspiration eine Lungenentzündung verursachen.

Welche Hilfsmittel erleichtern den Umgang mit Dysphagie?

Für anhaltende Komplikationen im Schluckvorgang gibt es lebenserhaltende Hilfsmittel:

  • Pürierte Speisen und nährstoffhaltige Getränke beugen einer Mangelernährung vor.
  • Spezielle Trinkbecher und Bestecke verhindern die Aspiration.
  • Eine Sonde durch die Bauchhaut leitet bei anhaltenden Schluckstörungen wichtige Nährstoffe und Medikamente direkt in den Magen.

Quellen

  • https://www.apotheken-umschau.de/schluckstoerungen
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/43719/Zertifizierte-Medizinische-Fortbildung-Leitsymptom-Dysphagie
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/157485/Dysphagie-Wenn-Schlucken-eine-Tortur-ist
  • https://www.aerztekammer-bw.de/20buerger/30patientenratgeber/a_f/dysphagie.html