Ihr Ratgeber zum Ermüdungsbruch

Ermüdungsbrüche sind erstmals 1855 im Krimkrieg durch schmerzhafte Schwellungen vor allem am Vorderfuß aufgefallen und wurden als Marschfraktur bezeichnet. Ursache der Schmerzen waren Brüche der Mittelfußknochen, die durch lange Märsche überlastet waren und dann gebrochen sind.

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Ratgeber zu Ermüdungsbrüchen

Kurzfassung

  • Ermüdungsbrüche entstehen, wenn Knochen über längere Zeit überbeansprucht werden.
  • Man unterscheidet zwischen Stressfrakturen und Insuffizienzfrakturen.
  • Die Frakturen entstehen schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg.
  • Symptome sind Schmerzen bei Druck und Belastung, Schwellungen und Rötungen.
  • Behandelt werden Ermüdungsbrüche meist konservativ.

Definition

Ein Ermüdungsbruch ist eine Fraktur eines Knochens, die nicht durch eine akute Verletzung, sondern durch eine Überlastung der Knochen über einen längeren Zeitraum entsteht. Sie entwickeln sich meist schleichend und kündigen sich schon im Frühstadium durch Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an. Diese Symptome werden jedoch meist nicht als Warnsignal erkannt und ignoriert.

Wer ist davon betroffen?

Von Ermüdungsbrüchen kann theoretisch jeder betroffen sein. Folgende Personengruppen sind jedoch besonders anfällig

  • Kinder, deren Knochen in der Wachstumsphase etwas instabiler sind
  • Hobbysportler, die entweder länger keinen Sport gemacht haben oder ihr Trainingspensum  erhöhen
  • Personen mit Knochenkrankheiten betroffen

Frauen trifft es aufgrund ihres Hormonhaushalts häufiger.  

Welche Knochen sind betroffen?

Ermüdungsbrüche sind an vielen verschiedenen Stellen möglich. In 85% der Fälle sind aber die unteren Gliedmaßen, besonders der Mittelfußknochen, das Fersenbein, das Schienbein, der Schenkelhals und der Oberschenkelknochen, betroffen.

Ursachen und Risikofaktoren

Ermüdungsbrüche entstehen generell dann, wenn das Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und -abbau gestört ist.

Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Ermüdungsbrüchen:

  • Die Stressfraktur ist ein Ermüdungsbruch gesunder Knochen
  • Die Insuffizienzfraktur ist ein Ermüdungsbruch erkrankter Knochen

Ursachen einer Stressfraktur können genetisch- oder entwicklungsbedingte Fehlstellungen, aber auch Fehlbelastungen, zum Beispiel aufgrund von einem falschen Laufstil oder falschem Schuhwerk sein. Auch Überlastung durch Erhöhung der Trainingsintensität und des Umfangs, durch repetitive Bewegungen oder durch exzessiv betriebenen Ausdauersport kann zur Schädigung der Knochensubstanz führen. Knochen, Sehnen und Bänder brauchen meist länger um sich an die neue, stärkere Belastung anzupassen als Muskeln, Ausdauer und Kreislauf.

Sogenannte Insuffizienzfrakturen entstehen, wenn die Knochen durch eine Krankheit vorbelastet und damit instabiler sind. Ursachen sind zum Beispiel:

  • Knochenentzündungen
  • Osteonekrosen (Teil des Knochens stirbt aufgrund von mangelnder Durchblutung ab)
  • Osteoporose (Abnahme der Knochendichte)
  • Vitamin-D-Stoffwechselstörung (Rachitis)
  • Rheumatoide Arthritis (entzündliche Erkrankung der Gelenke)
  • Knochentumore und Metastasen

Verlauf und Symptome

Im Gegensatz zu akuten Frakturen, die durch eine Gewalteinwirkung von außen auf den gesunden Knochen entstehen, entwickeln sich Ermüdungsbrüche eher schleichend.

Zu Beginn machen sich Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Moment der Belastung bemerkbar. Es kann zu Ödemen (Wassereinlagerungen) und Schäden an den Knochenbälkchen im inneren des Knochens kommen. Der Körper ist also nicht mehr in der Lage den entstandenen Schaden schnell genug auszugleichen. In diesem Stadium wird der Ermüdungsbruch oft mit Prellungen, Stauchungen, Verletzungen der Knochenhaut oder Sehnenscheidenentzündung verwechselt.

Wenn der betroffene Knochen weiterhin belastet wird, schreitet der Abbau des Knochens so weit voran, dass es zu einem Bruch der stabilen Knochenrinde (Kortikalis) und damit zu einer Fraktur des Knochens kommt. Diese äußert sich durch starke Schmerzen während der Belastung bis zur Belastungsunfähigkeit.

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Diagnose und Behandlung

Oftmal wird ein Ermüdungsbruch erst sehr spät diagnostiziert, da die Symptome erst nach und nach zunehmen und denen rheumatischer Beschwerden stark ähneln. Diese bildgebenden Verfahren können eine Diagnose ermöglichen:

  • Röntgen
  • Kernspintomographie
  • CT (Computertomographie) (eher selten aufgrund der starken Strahlenbelastung)
  • MRT (Magnetresonaztomographie) (frühzeitige aussagekräftige Diagnose möglich)
  • DVT (Volumentomographie)

Die Behandlung von Ermüdungsbrüchen erfolgt meist konservativ, eine Operation ist meist nicht notwendig, da sich die Bruchstücke normalerweise nicht verschieben.

Das betroffene Gelenk oder der Knochen wird für vier bis sechs Wochen komplett entlastet und ruhiggestellt. Um das Gelenk so gut wie möglich zu unterstützen wird meist ein Gips oder eine Schiene (am Fuß mit versteifter Sohle) abgelegt. Nach den ein bis zwei Monaten ist eine Belastung wieder erlaubt, diese sollte jedoch langsam und vorsichtig erhöht werden. Auf Schmerzmittel sollte dabei so gut wie möglich verzichtet werden, da Schmerzen als Warnsignal, wann die Belastung zu hoch ist, fungieren.

Um den Wiederaufbau des Knochens anzuregen sind Wärmebehandlungen sinnvoll, da Wärme den Stoffwechsel in den Knochen stimuliert. Gleichzeitig wird aber auch die Durchblutung angeregt und kann eventuell Schmerzen an der betroffenen Stelle verursachen.

Eine volle Belastung ist erst nach vier bis sechs Monaten wieder möglich, da sich der Knochen erst dann wieder vollständig aufgebaut hat und somit stabil genug ist. Bis dahin sollte die Belastung langsam und vorsichtig erhöht werden. Achten Sie dabei unbedingt auf Ihr Körpergefühl und die Signale die Ihr Körper Ihnen sendet.

Wann zum Arzt?

Oft treten schon früh Symptome von Ermüdungsbrüchen auf, die aber oft unterschätzt oder missinterpretiert werden. Wenn Sie unspezifische oder ziehende Schmerzen in einem stark belasteten Gelenk oder einem Knochen bemerken, suchen Sie Ihren Hausarzt auf. Dieser kann Sie dann zur Sicherstellung der Diagnose zu einem Orthopäden weiterleiten.

Quellen

  • https://www.apotheken-umschau.de/Knochen/Ermuedungsbrueche-Ueberlastete-Knochen-439203.html
  • https://gelenk-doktor.de/fuss/fuss-stressfraktur-marschfraktur.html
  • https://www.onmeda.de/krankheiten/ermuedungsbruch-ursachen-3486-3.html
  • https://www.beobachter.ch/gesundheit/krankheit/ermudungsbruch-ermudungsfraktur