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Ratgeber Gastritis

Welche Symptome für eine Gastritis typisch sind, wie die Krankheit entsteht und welche Behandlung helfen kann, lesen Sie hier.

Eine Gastritis gehört in Deutschland zu einer der am häufigsten dokumentierten Diagnosen bei Magenbeschwerden. Das Risiko einer Erkrankung steigt mit dem Alter an. Laut dem Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) leidet annähernd die Hälfte aller über 50-Jährigen an einer chronischen Gastritis. Erfahren Sie hier alles über die Gastritis und wann eine Krankschreibung angezeigt ist.

Kurzfassung

  • Gastritis bezeichnet eine Entzündung der Magenschleimhaut.
  • Mediziner unterscheiden zwischen akuter und chronischer Gastritis in unterschiedlichen Erscheinungsformen.
  • Frühzeitige Diagnose und Gegenmaßnahmen verhindern den Fortschritt der Krankheit.
  • Die Entzündung klingt bei angemessener Behandlung meist rasch ab.

Definition

Gastritis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung der Magenschleimhaut. Defekte im Schutzmantel der Magenwand oder eine Überproduktion von Magensäure erzeugen einen direkten Kontakt der Säure mit der Magenschleimhaut. Dies schädigt die Schleimhautzellen und verursacht eine Entzündung.

Im Wesentlichen unterscheiden Mediziner zwei Formen:

  • Eine akute Gastritis tritt plötzlich mit gravierenden Beschwerden auf.
  • Die chronische Gastritis entwickelt sich über einen langen Zeitraum von bis zu 20 Jahren und verursacht häufig kaum spürbare Beschwerden.

Verbreitung

Etwa jeder Fünfte in Deutschland erkrankt gelegentlich an einer akuten Gastritis mit vorübergehenden Beschwerden. Die chronische Gastritis ist in den verschiedenen Erscheinungsformen unterschiedlich stark verbreitet:

BezeichnungDefinitionHäufigkeit (in Bezug auf alle Magenschleimhautentzündungen)

Typ-A-Gastritis

  • Autoimmune Erkrankung
  • Entzündungsreaktion gegen eigene Gewebebestandteile

3 bis 6 Prozent

Typ-B-Gastritis

  • Bakterielle Erkrankung
  • Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori

80 bis 90 Prozent

Typ-C-Gastritis

  • Chemisch-toxische Erkrankung
  • Reizung durch Giftstoffe

7 bis 15 Prozent

Typ-D-Gastritis/Sonderformen

Folgewirkung anderer Krankheiten wie

  • Morbus Crohn (chronische Entzündung des Darms)
  • Morbus Mènètrier (signifikante Verdickung der Magenschleimhaut mit auffälliger Faltenbildung)
  • Morbus Boeck/Sarkoidose (knötchenförmige Gewebeveränderungen in den Organen)

Selten

Symptome

Eine Magenschleimhautentzündung macht sich überwiegend direkt nach den Mahlzeiten bemerkbar. Für die Gastritis sind folgende Merkmale charakteristisch:

FormSymptom

Akute Gastritis

  • Starke Magen- und Rückenschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Druckempfindlichkeit des Magens
  • Saures Aufstoßen mit unangenehmem Geschmack im Mund
  • Appetitlosigkeit

Chronische Gastritis

  • Unspezifische Schmerzen im Oberbauch
  • Völlegefühl nach Mahlzeiten
  • Mundgeruch

Wichtig: Chronische Formen der Gastritis entwickeln sich schleichend und bleiben oft unbemerkt. Damit die Krankheit nicht fortschreitet, ist bereits bei ersten Anzeichen eine ärztliche Untersuchung ratsam.

Ursachen

Je nach ihrer Erscheinungsform hat die Gastritis unterschiedliche Ursachen.

Akute Gastritis

Eine akute Gastritis entsteht in der Regel durch

  • Regelmäßige oder hoch dosierte Einnahme von sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (z. B. Acetylsalicylsäure, Kortison, Zytostatika)
  • Übermäßigen Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Koffein
  • Scharfe Speisen
  • Nahrungsmittelallergien
  • Stress
  • Körperliche Belastungen (z. B. Operationen, Verbrennungen, Verletzungen)
  • Leistungssport

Chronische Gastritis

Für eine chronische Gastritis vom Typ A sind die Ursachen bislang ungeklärt. Bekannt ist lediglich: Die Autoimmunerkrankung ist eine Folge von körpereigenen Abwehrstoffen gegen das eigene Gewebe.

Bei der Typ-B-Gastritis nistet sich das spiralförmige Bakterium Helicobacter pylori in der obersten Zellschicht der Magenschleimhaut ein und beeinträchtigt den natürlichen Regulierungsprozess der Magensäureherstellung. Die Erreger gelangen über eine orale Aufnahme in den Magen, zum Beispiel durch verunreinigtes Trinkwasser oder mit Bakterien infizierte Lebensmittel.

Die Typ-C-Gastritis entsteht durch Giftstoffe wie

  • Nikotin
  • Alkohol
  • Koffeinhaltige Getränke
  • Nicht-steroidale Antirheumatika

Diagnose

Zur Diagnose einer Gastritis wenden Ärzte verschiedene Untersuchungsmethoden an.

  • Anamnese: Die Befragung zu aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Lebens- und Essgewohnheiten sowie der Einnahme von Medikamenten klärt die Vorgeschichte des Patienten und hilft bei der Ursachenforschung für die Symptome.
  • Palpation: Das Abtasten des Oberbauchs weist bei auftretenden Schmerzen dieser körperlichen Untersuchung auf eine Gastritis hin.
  • Sonografie: Die Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs schließt andere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts aus.
  • Gastroskopie: Bei der Magenspiegelung zeigt ein dünner, flexibler Schlauch mit Lichtquelle und Optik (Endoskop) Details wie Entzündungen, Verengungen oder Geschwülste in der Speiseröhre, dem Magen und im Zwölffingerdarm.
  • Biopsie: Die Entnahme von Gewebeproben auffälliger Magenabschnitte erfolgt im Zuge der Magenspiegelung und ermöglicht unter anderem das Erkennen von Magengeschwüren oder bösartigen Tumorerkrankungen.
  • Hämogramm: Bei Blutuntersuchungen geben die Blutwerte präzisen Aufschluss über Entzündungen und Krankheitserreger im Körper.

Der Nachweis des bakteriellen Erregers Helicobacter pylori erfolgt mit speziellen Tests wie

  • Blut- und Stuhluntersuchungen
  • C13-Harnstoff-Atemtest (Untersuchung der Atemluft auf markierte Kohlenstoffatome in oral zugeführtem Harnstoff)
  • Überprüfung der Biopsie auf Helicobacter-Bakterien

Wichtig: Die geeigneten Fachärzte bei Gastritis sind Gastroenterologen. Sie analysieren die Symptome und Ursachen für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Behandlung

Die Gastritis hat vielfältige Ursachen und Auswirkungen. Die unterschiedlichen Erscheinungsformen einer Magenschleimhautentzündung erfordern eine spezifische Behandlung.

Akute Gastritis und Typ-C-Gastritis

Eine akute Gastritis klingt gewöhnlich von allein wieder ab. Hilfreich ist dabei der Verzicht auf Auslöser wie nicht-steroidale Antirheumatika, Nikotin, Koffein, Alkohol und Stress. Das Gleiche gilt für die chronische Gastritis vom Typ C. Zusätzlich fördern folgende Maßnahmen die Genesung:

  • Einige Tage Schonkost (z. B. Tee, Zwieback, Haferschleim) mit gleichzeitiger Bettruhe
  • Tees oder Tropfen mit Pflanzenwirkstoffen (z. B. Kamillenblüten, Galantwurzel, Schafgarbenkraut oder Süßholzwurzel)
  • Wärmflaschen zur Linderung der Schmerzen

Zum Abklingen hartnäckiger Symptome können Medikamente beitragen:

MedikamentengruppeWirkungAnwendung

Antazida

  • Neutralisierung der Magensäure

Kurzfristig nach Eintreten der Beschwerden

Protonenpumpenhemmer

  • Hemmung der Magensäureproduktion

Vorübergehend bei starken Beschwerden

H2-Blocker

  • Verringerung der Magensäureproduktion
  • Regeneration der Magenschleimhaut

Kurzzeitig zur Nacht

Prokinetika

  • Anregende Wirkung auf die Magenbewegung zur Entkrampfung

Kurzfristig bei akuten Beschwerden

Typ-A-Gastritis und Typ-B-Gastritis

  • Eine mögliche Folge von Typ-A-Gastritis ist Blutarmut. Daher erhalten Patienten häufig Vitamin B12-Spritzen.
  • Zur Bekämpfung der bakteriellen Typ-B-Gastritis kommt eine Kombination verschiedener Antibiotika und magensäurehemmender Medikamente zum Einsatz (Eradikationstherapie).

Fragen und Antworten

Wann ist ärztliche Hilfe notwendig?

Probleme im Magen-Darm-Trakt können sich bei unterschiedlichen Ursachen mit ähnlichen Symptomen äußern.

  • Bei wiederkehrenden oder mehr als drei Wochen anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Untersuchung stets empfehlenswert.
  • Symptome wie Blut im Erbrochenen oder blutiger Stuhlgang deuten auf eine Magenblutung infolge der Gastritis hin. In diesen Fällen ist eine ärztliche Behandlung unabdingbar.

Wie gefährlich kann Gastritis werden?

Magenschleimhautentzündungen verlaufen bei geeigneter Behandlung in der Regel ohne schwerwiegende Folgen. Aus einer Gastritis kann sich jedoch ein Magengeschwür mit Magenblutungen oder einem Magendurchbruch entwickeln. Zudem kann eine anhaltende Reizung die Schleimhautzellen umwandeln. Auf diese Weise entsteht ein andersartiges Gewebe und das Risiko für Magenkrebs steigt.

Wie lange können Ärzte bei Gastritis eine Krankschreibung verordnen?

Magenprobleme beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit. Bei einer Krankschreibung von bis zu sechs Wochen besteht Anspruch auf das volle Gehalt. Behandelnde Ärzte berücksichtigen die Schwere der Krankheitssymptome und die Belastung am Arbeitsplatz.

  • Bei einer akuten Gastritis genügt eine Krankschreibung für wenige Tage.
  • Eine chronische Gastritis erfordert Krankschreibungen über mehrere Wochen.
  • Komplikationen wie blutende Magengeschwüre und möglicherweise operative Eingriffe mit stationärer Behandlung im Krankenhaus decken per Krankschreibung den gesamten Aufenthalt ab.

Quellen

  • https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Gastritis-133-02-16.pdf
  • https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=197046&s=Gastritis
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/683/Die-morphologische-Entwicklung-der-atrophischen-Gastritis
  • https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/gastritis
  • https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/gastritis.pdf?__blob=publicationFile