Ihr Ratgeber zu Geruchsverlust

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Ratgeber zu Geruchsverlust

Wie entsteht ein Geruchsverlust und auf welche Krankheiten deutet das Symptom hin? Informieren Sie sich hier.

Einen vorübergehenden Geruchsverlust bemerken viele Menschen im Zuge einer Erkältung, eines grippalen Infekts oder einer Grippe. Auch Patienten des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 berichten teilweise über Geschmacks- und Geruchsverluste. Die Beschwerden klingen häufig mit Heilung der entsprechenden Krankheiten ab. Es kann jedoch auch zu einem dauerhaften Geruchsverlust kommen.

Kurzfassung

  • Jährlich tritt bei schätzungsweise 50.000 Menschen in Deutschland ein Geschmacks- und/oder Geruchsverlust auf.
  • Ursachen können Viruserkrankungen sein.
  • Auch bei Parkinson- und Demenzpatienten kann der Verlust des Geruchs ein frühes Symptom sein.

Definition

Der Duft von Kaffee, frischen Blumen oder aufgeschnittenen Zitrusfrüchten kann die Lebensgeister wecken. Wer unter Geruchsverlust leidet, nimmt diesen jedoch nicht mehr wahr.

Der Oberbegriff für Riechstörungen lautet Dysosmie. Es werden verschiedene Formen unterschieden:

  • Vollständiger Geruchsverlust (Anosmie)
  • Verminderter Geruchssinn (Hyposmie)
  • Falsche Geruchswahrnehmung (Parosmie)
  • Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen (Hyperosmie)


Mit einer Anosmie ist oftmals ein Geschmacksverlust verbunden. Die Nase ist maßgeblich an der Wahrnehmung von Aromen beteiligt. Erst wenn die entsprechenden Moleküle beim Kauen von der Mundhöhle zur Nase gelangen, wird der Geschmack einer Mahlzeit vollständig erfasst.

Wie funktioniert der Geruchssinn?

Im Geruchsepithel, dem so genannten Dach der Nase, sitzen ca. 30 Millionen Riechzellen. Diese sind mit feinsten Härchen (den Zilien oder Flimmerhärchen) ausgestattet. Erreichen Duftstoffe die Zilien, werden die Informationen über Fasern des Riechnervs an das Gehirn weitergeleitet. Verarbeitet wird die Information vom Riechkolben (Bulbus Olfactorius).

Der Mensch ist so in der Lage, über 10.000 verschiedene Gerüche zu unterscheiden.

Frauen haben einen ausgeprägteren Geruchssinn als Männer.

Ursachen

Zum einen kann ein möglicher Grund für einen Geruchsverlust unmittelbar in der Nase liegen. Zum anderen werden Riechsignale nicht oder nicht vollständig an das Gehirn weitergegeben. Die folgende Tabelle stellt typische Krankheiten und Beschwerden beider Möglichkeiten vor:

Mechanische / sinunasale Ursachen (direkt in der Nase)

Sensorische / sensorineurale Ursachen (Fehlleitung der Riechsignale)

Nasennebenhöhlenentzündungen

Zerstörung der Riechzellen nach starker Erkältung

Nasenpolypen

Viruserkrankungen

Schiefe Nasenscheidewand

Medikamenteneinnahme (v. a. von Antibiotika)

Geschwollene Schleimhäute aufgrund von Allergien

Rauchen

Schädel-Hirn-Trauma nach Unfall

Neurodegenerative Erkrankungen (Parkinson, Demenz)

Hirntumore

In seltenen Fällen ist ein fehlender Geruchssinn angeboren.

Abhängig von der Ursache, kehrt die Fähigkeit zu riechen in vielen Fällen zurück. Das ist nach Abklingen einer Erkältung, der Entfernung von Nasenpolypen und Abschwellen der Schleimhäute aufgrund von Allergien häufig der Fall. Auch wenn das Rauchen eingestellt wird, erholen sich üblicherweise nach einiger Zeit die Riechsinne.

Anders verhält es sich bei einem Schädel-Hirn-Trauma: Nimmt das Riechzentrum Schaden, bleibt es bei vier von fünf Betroffenen bei einer dauerhaften Einschränkung.

Bei einer Virusinfektion wie Sars-CoV-2 oder Influenza liegt der Grund für den Geruchsverlust nicht an einer verstopften Nase. Viren greifen die Geruchsnerven an. Wie lange die Störung etwa bei einem Befall mit dem neuartigen Coronavirus anhält, ist bislang nicht erforscht. Andere Viruserkrankungen weisen darauf hin, dass der Verlust bis zu einige Monate anhalten kann. In manchen Fällen tritt er auch als eines der ersten Symptome auf.

Behandlungsoptionen: Was tun gegen Geruchsverlust?

Störungen des Geruchssinns, die auf Medikamente oder Allergien zurückgehen, lassen sich einfach behandeln: Nach Absetzen der Arznei beziehungsweise Behandlung der allergischen Symptome kehrt die Riechfähigkeit üblicherweise zurück. Nasenpolypen lassen sich operieren, eine schiefe Nasenscheidewand begradigen.

Ein gezieltes Riechtraining kann ebenfalls helfen. Betroffene schnuppern über einen Zeitraum von sechs Monaten jeden Morgen gezielt an vier verschiedenen Riechstiften. Diese mit einem bestimmten Duftöl gefüllten Filzstifte werden für circa drei Sekunden unter beide Nasenlöcher gehalten. Der Nutzen ist belegt, der Grund kaum: Es wird angenommen, dass Riechzellen nachwachsen und das Gehirn wieder lernt, die Geruchssignale zu verarbeiten.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Bei Wahrnehmung einer Störung des Geruchssinns ohne erkennbarer Ursache (beispielsweise eine verstopfte Nase) sollte ein Arztbesuch erfolgen.

Besteht der Verdacht einer Infektion mit Sars-CoV-2, ist zunächst ein Anruf bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt zu empfehlen. Alternativ sollten die Handlungsanweisungen der jeweiligen Gemeinde oder Kommune befolgt werden.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Wer einen plötzlichen Geruchsverlust bemerkt, sollte einen HNO-Spezialisten aufsuchen. Für die Erstellung der Diagnose nimmt er eine Nasenspiegelung, eine Rhinoskopie vor. Mithilfe eines Endoskops stellt er zudem fest, ob sich Veränderungen an der Nasenschleimhaut beobachten lassen.

Ein Riechtest gibt Aufschluss über die Art und Schwere der Dysosmie. Dabei sollen starke Gerüche wie beispielsweise Teer, Fisch oder Kaffee erkannt und unterschieden werden. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, zu prüfen, welche Duftstoffkonzentration sich noch wahrnehmen lässt.

Kann der Arzt eine unmittelbare Ursache in der Nase ausschließen, stellt er mit einer Computertomografie fest, ob es sich um eine sensorineurale Riechstörung handelt.

Fragen und Antworten

Welche Folgen kann eine Dysosmie haben?

Die oftmals mit dem Geruchsverlust einhergehende Störung des Geschmackssinns kann für Betroffene einen großen Verlust an Lebensqualität bedeuten. Nicht zuletzt hat der Geruchssinn eine Warnfunktion: Kann Rauch oder Gasgeruch nicht mehr wahrgenommen werden, kann dies in bestimmten Situationen Lebensgefahr bedeuten.

Betroffene erkennen oftmals auch verdorbene Lebensmittel nicht rechtzeitig. Sie leiden daher häufiger unter Lebensmittelvergiftungen.

Tritt ein Geruchsverlust im höheren Alter häufiger auf?

Tatsächlich ist ein schwindender Geruchssinn eine Folge des Alterungsprozesses. Bereits ab circa 40 Jahren kann die Fähigkeit schwinden. Etwa jeder zweite Mensch über 80 Jahren berichtet von einem teilweisen oder vollständigen Geruchsverlust, ohne vorliegende Erkrankung.

Quellen

  • https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/hno/forschung/interdisziplinaeres-zentrum-fuer-riechen-und-schmecken/downloads/downloads/Patienteninformationen_08.pdf
  • https://www.apotheken-umschau.de/Nase/Anosmie-Nicht-mehr-riechen-koennen-302191.html
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/78152/Morbus-Parkinson-Geruchsverlust-geht-Diagnose-um-bis-zu-zehn-Jahre-voraus
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/133861/Riechstoerungen
  • https://science.orf.at/stories/3200444/
  • https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-342013/vom-guten-riecher-verlassen/
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Dieser TeleClinic-Ratgeber wurde nach höchstem wissenschaftlichen Standard von unseren Medizinredakteuren verfasst. Die Artikel sollen Ihnen lediglich Erstinformation zu diversen Themen bieten und können keine ärztliche Diagnose ersetzen. Gerne beraten Sie unsere Fachärzte weiterführend in einem Online-Arztgespräch.

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