Ihr Ratgeber zu Geschlechtskrankheiten

An sexuell übertragbaren Krankheiten stecken sich in Deutschland seit Jahren wieder mehr Männer und Frauen an. In ganz Europa stellen Experten eine Zunahme fest, am weitesten verbreitet sind Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis. Der Grund: Die Bevölkerung glaubt, dass Geschlechtskrankheiten praktisch verschwunden seien. Safer Sex wird daher immer wichtiger.

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Ratgeber zu Geschlechtskrankheiten

Kurzfassung

  • Geschlechtskrankheiten breiten sich in Deutschland und Europa wieder vermehrt aus.
  • Oft zeigen Infizierte keine Symptome und stecken ihre Geschlechtspartner unwissentlich an.
  • Chlamydien sind in Deutschland und weltweit am weitesten verbreitet.
  • Safer Sex mit Kondomen senkt das Infektionsrisiko signifikant, jedoch nicht zu 100 Prozent.
  • Die meisten Geschlechtskrankheiten können effektiv mit verschreibungspflichtigen Medikamenten behandelt werden.

Definition

STD und STI stehen für Geschlechtskrankheiten

Die Übertragung einer Geschlechtskrankheit erfolgt hauptsächlich durch vaginalen, oralen oder analen Geschlechtsverkehr. Es wird von sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD für sexually transmitted diseases) und sexuell übertragbaren Infektionen (STI für sexually transmitted infections) gesprochen.

Ein Problem ist, dass infizierte Personen ihren Partner anstecken können, ohne dass sie selbst Symptome der Krankheit zeigen. Daher wird der Begriff STI inzwischen häufiger für Geschlechtskrankheiten verwendet als STD, um die Risiken einer Infektion ohne Symptome zu verdeutlichen.

Häufige STI

  • Zu den verbreitetsten STI zählen Chlamydien, Gonorrhoe und Syphilis.
  • Chlamydia trachomatis ist mit weltweit etwa 131 Millionen Infizierten der häufigste STI-Erreger.
  • Ebenfalls häufige STI sind Hepatitis B, Herpes genitalis, HIV-Infektionen und Humane Papillomaviren (HP-Viren).
  • Auch ist die Übertragung von Filzläusen und Krätze (Scabies) per sexuellem Kontakt möglich.
  • Seltener kommen in Deutschland Geschlechtskrankheiten wie weicher Schanker (Ulcus Molle) oder Venerisches Granulom (Lymphogranuloma venereum) vor.

Wichtig: In Deutschland ist die Chlamydien-Inketion am weitesten verbreitet. Experten gehen von bis zu 250.000 Infektionen jährlich aus, 2017 war es ein Viertel mehr als 2016.

Status quo der drei am weitesten verbreiteten STI

  • Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Clamydien-Infektionen häufig übersehen, bei Frauen verläuft die Erkrankung oft sehr milde. Nicht behandelte Infektionen können jedoch bei Frauen zu chronischen Unterbauchentzündungen führen, bei Frauen und Männern kann Unfruchtbarkeit die Folge sein.
  • Bei Gonorrhoe steigt die Resistenz gegen die Medikamente.
  • Die Behandlung der Syphilis ist in einigen Ländern aufgrund eines Mangels an Depot-Penicillinen unzureichend.

Ursachen sexuell übertragbarer Infektionen

Verursacher von Geschlechtskrankheiten können Bakterien, Pilze, Viren, Arthropoden (Gliederfüßler), Protozoen (Einzeller) und Parasiten sein. Durch sexuellen Kontakt ist die Übertragung dieser Krankheitserreger möglich.

Die Tabelle zeigt die Ursachen für die häufigsten Geschlechtskrankheiten.

Über Viren

  • Feigwarzen
  • Genitaler Herpes simplex
  • Infektion mit HIV
  • Molluscum contagiosum

Über Bakterien

  • Chlamydien
  • Weicher Schanker
  • Gonorrhoe
  • Granuloma inguinale
  • Syphilis
  • Venerische Lymphknotenentzündung

Über Gliederfüßler

  • Krätze
  • Filzläuse

Über Parasiten

  • Trichomoniasis

Übertragung

In den meisten Fällen erfolgt die Übertragung einer Geschlechtskrankheit von einer infizierten Person durch Vaginal-, Oral- oder Analverkehr. Eine Übertragung ist allerdings auch ohne genitale Penetration möglich. Weitere Übertragungswege sind unter anderem:

  • Küssen
  • Eine von der Mutter zum Kind bei der Geburt übertragene Infektion
  • Stillen
  • Medizinische Instrumente wie Spritzen

Eine STI erhöht das Risiko für eine HIV-Infektionen

Die Infektion mit einer Geschlechtskrankheit hat ein deutlich höheres Risiko für eine HIV-Infektion zur Folge. Ein Grund: Die Übertragung von HIV ist leichter möglich, wenn sich im Genitalbereich entzündliche Stellen befinden.

Die häufigsten Symptome im Überblick

In vielen Fällen bleibt die Erkrankung leider oft unbemerkt und dadurch unbehandelt. In der Folge wird der Partner oder die Partnerin angesteckt und die Krankheit weiter verbreitet. Mögliche Symptome sind:

  • Vaginaler oder urethraler (Harnröhre) Ausfluss
  • Schmerzlose oder schmerzhafte genitale Geschwüre
  • Eine Schwellung im Leistenbereich
  • Eine Schwellung am Hodensack
  • Schmerzen im Unterbauchbereich

Ohne Behandlung können sich die Erreger über das Blut weiter ausbreiten, innere Organe infizieren und sogar lebensgefährliche Probleme verursachen, wie:

  • AIDS aufgrund einer HIV-Infektion
  • Hirninfektion durch Syphilis
  • Mund-, Rachen- oder Gebärmutterhalskrebs infolge einer HPV-Infektion

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Diagnose von Geschlechtskrankheiten

Der Arzt nimmt eine Urin- oder Blutprobe oder eine Probe des Ausflusses aus dem Penis oder der Vagina und lässt diese im Labor untersuchen. Die Vermutung einer Erkrankung erfolgt bei entsprechenden Symptomen.

Therapie

Ziel der Therapie ist eine möglichst schnelle Heilung oder Reduktion der Infektion. Die Infektkette soll durchbrochen und Folgeansteckungen sollen ausgeschlossen werden. Daher hat die Behandlung des Partners bzw. der Partnerin ebenfalls eine große Bedeutung.

Die meisten Geschlechtskrankheiten werden mit antiviralen und antibakteriellen Medikamenten effektiv behandelt. Für die verschreibungspflichtigen Arzneimittel muss ein Arzt ein Rezept ausstellen.

  • Chlamydien: Die Infektion wird mit Antibiotika behandelt.
  • Gonorrhoe: Durch eine schnelle Behandlung ist die Heilung häufig möglich. Derzeit ist eine Kombination aus Azithromycin und Cephalosporin das bevorzugte Mittel der Wahl, die Behandlung gestaltet sich jedoch aufgrund zunehmender Resistenzen schwieriger.
  • Syphilis: Eine einmalige intramuskuläre Penicillin-Injektion kann eine frische Infektion kurieren. Fortgeschrittene Infektionen werden in der Regel mit drei Injektionen im Wochenabstand behandelt.

Prävention

Wie kann ich mich vor Geschlechtskrankheiten schützen?

Laut einer Faustregel ist das Risiko einer Erkrankung ab drei Sexpartnern pro Jahr erhöht. Da Geschlechtskrankheiten hauptsächlich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden, kann die regelmäßige Verwendung von Kondomen das Risiko einer Infektion oder Erkrankung und die Verbreitung signifikant senken.

Hat ein Partner eine Infektion, lässt sich eine mögliche Ansteckung nicht zu 100 Prozent ausschließen. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nur bei völliger sexueller Abstinenz, und wenn Sie nicht in den Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Infizierten kommen – zum Beispiel durch Küssen oder medizinische Instrumente.

Partnerwechsel steigern das Risiko einer Infektion. Für gesunde Menschen in monogamen Beziehungen gibt es durch Geschlechtsverkehr kein Ansteckungsrisiko. Impfstoffe existieren gegen Hepatitis A und B und eine HPV-Infektion.

Häufige Fragen zu Geschlechtskrankheiten

Geschlechtskrankheiten: Welcher Arzt ist der richtige?

Die Venerologie ist das Teilgebiet der Medizin, das sich mit den sexuell übertragbaren Krankheiten auseinandersetzt. Für die meisten Geschlechtskrankheiten ist der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten zuständig, zusätzlich sind Urologen und Gynäkologen die Ansprechpartner.

Gibt es einen STI-Selbsttest?

Im Ausland gibt es bereits die Möglichkeit, sich einen Selbsttest ohne Arztkontakt nach Hause schicken zu lassen. Daheim wird die Probe selbst entnommen und ins Labor geschickt. Die Deutsche STI-Gesellschaft fordert, dass STI-Schnelltests für die Heimanwendung zugänglich sein sollen. In Deutschland werden die Tests in Pilotprojekten ausprobiert.

Brauche ich eine Krankschreibung?

Eine Krankschreibung hängt von den Symptomen und damit verbundenen Beschwerden ab.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Geschlechtskrankheiten?nid=97482
  • https://www.dstig.de/was-sind-stdsti.html
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97649/Experten-mahnen-mehr-Aufklaerung-ueber-Geschlechtskrankheiten-an
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/173430/Klinik-Diagnostik-und-Therapie-sexuell-uebertragbarer-Infektionen
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/70287/WHO-Neue-Leitlinie-zu-Gonorrhoe-Syphilis-und-Chlamydien-Infektionen
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65244/Chlamydien-Infektion-Einmalgabe-von-Azithromycin-mit-hoher-Effektivitaet
  • https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/infektionen/sexuell-%C3%BCbertragbare-krankheiten-stds/%C3%BCberblick-%C3%BCber-geschlechtskrankheiten