Ihr Ratgeber zu Haarausfall

Wenn im Alter das Kopfhaar langsam lichter wird, steckt vor allem bei Männern häufig genetische Disposition dahinter. Bei Frauen ist der Verlust an Kopfhaar seltener, unspezifischer und psychisch belastend. Haarausfall kann auch ein Alarmsignal sein. Ein urplötzlich einsetzender und heftiger Verlauf speziell bei jüngeren Menschen ist häufig ein Symptom für eine zugrunde liegende Krankheit, Mangelerscheinungen oder Nebenwirkung medizinischer Behandlungen. Ein rechtzeitiger Besuch beim Arzt kann Klarheit schaffen und gegebenenfalls Therapiemöglichkeiten aufzeigen.

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Haarausfall

Kurzfassung

  • Krankhafter Haarausfall liegt beim Verlust von mehr als 100 Haaren täglich vor.
  • Er äußert sich in verschiedenen Ausprägungen und kann temporär oder irreversibel sein.
  • Die Diagnose erfolgt durch Haar-, Haut- oder Blutuntersuchungen.
  • Je nach Art des Haarausfalls gibt es teils medikamentöse Therapiemethoden.

Definition

Das menschliche Kopfhaar wächst permanent nach. Ältere Haare sterben ab und werden durch neue ersetzt. Diese entsprießen der Haarwurzel. Ein Haarausfall im krankhaften Sinne besteht, wenn der Haarverlust stärker als die Norm ausfällt. Dies sind bis zu 100 Haare am Tag. Unmittelbar nach einer Haarwäsche können es etwas mehr sein.

Wenn die betroffenen Kopfhaare mitsamt der Wurzel ausgehen, wachsen sie nicht nach. Das Haar wird schütter oder es entstehen kahle Hautpartien. Der übergeordnete Fachbegriff für übermäßigen Haarausfall lautet „Effluvium“.

Ursachen

Haarausfall kann durch hormonelle Veränderungen, primäre Krankheiten oder als Nebenwirkung von medizinischen Maßnahmen auftreten. Ärzte unterscheiden zwischen körpereigenen und externen Auslösern.

Neben Ursachen wie Wirkstoffunverträglichkeiten bei Medikamenteneinnahme können ebenso psychische Faktoren und Mängel durch eine unausgewogene Ernährung Risiken bergen. Außerdem kann Haarausfall mechanisch bedingt sein.

Risikofaktoren

Die Wahrscheinlichkeit, an altersbedingtem Haarausfall zu erkranken, liegt mit 80 Prozent bei Männern höher als bei Frauen (50 Prozent). Die Veranlagung ist erblich.

Oft betroffen sind Personen, die mit Zytostatika (Krebsmedikamenten) und Bestrahlungen behandelt werden. Solche Medikamente hemmen das Zellwachstum, also auch das der Haare. Eine mangelnde Hygiene und Überstrapazierung schaden gesunden Haaren ebenfalls. Dazu gehören aggressive Seifen oder zu straffe Zöpfe.

Symptome

Die Erkrankung bemerken Sie vor allem bei der Haarpflege, wenn beim Waschen oder Kämmen auffällig viele Haare ausgehen. Mit der Zeit wird das Haar schütter, die Kopfhaut scheint deutlich hervor. Partiell kann völlige Kahlheit eintreten. Es gibt unterschiedliche Spielkarten des Haarverlustes:

FachbegriffSymptomAuslöser

Androgenetischer Haarausfall (Alopecia androgenetica)

vermehrter Haarausfall, der sich nach und nach ausbreitet

hormonelle Veränderungen im Alter, seltener bei jungen Männern oder Frauen vor den Wechseljahren

„Kreisrunder Haarausfall“ (Alopecia areata)

scharf begrenzter Haarausfall der Kopf- oder Bartbehaarung, seltener bei Körperbehaarung

Autoimmunerkrankung oder Hautinfekte, bei denen die Bereiche rund um die Haarfollikel sich entzünden

Diffuser Haarausfall (Alopezie)

betrifft das gesamte Haupthaar; Frauen sind häufiger betroffen als Männer

verschiedene Ursachen, unter anderem hormonelle oder medikamentöse Auslöser sowie Primärerkrankungen:

  • Schwangerschaft
  • Vitamin-Unterversorgung
  • Nebenwirkungen von Medikamenten wie Betablockern, Cholesterinsenkern oder Krebsmitteln
  • Diabetes
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • psychische Belastung (Stress, Depression)
  • u. v. m.

Vernarbender Haarausfall (Alopecia cicatricalis)

Haarlosigkeit nach Schädigung der Kopfhaut

Spätfolge von Hauterkrankungen durch Viren, Pilze, Krebs oder Unfälle wie Verbrennungen oder Verätzungen

Die Symptome der Krankheit Haarausfall sind bei allen Ausprägungen ähnlich. Eine genaue Ermittlung der Ursache und der probaten Behandlungsmöglichkeiten erfolgt durch den Arzt.

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Verlauf

Eine Haarausfall-Erkrankung kann endgültig oder reversibel sein. In beiden Fällen setzt der Haarverlust meist schleichend ein und steigert sich, bis der Auslöser entweder beseitigt wird und abklingt oder von selbst zum Erliegen kommt.

  • Reversibler Haarausfall: Die Haare fallen zwar aus, die Haarfollikel werden dabei aber nicht dauerhaft geschädigt. Das Haarwachstum ist lediglich gehemmt. Reversibles Effluvium hat vielseitige Ursachen. Sind diese Auslöser nur temporärer Natur und klingen nach einer Weile ab, wachsen die Haare bald wieder normal nach.
    Der Haarausfall beginnt unspezifisch und schleichend, wird daher meist erst mit Verzögerung bemerkt. In der Regel ist das gesamte Haupthaar betroffen, die Schädigung nicht lokal begrenzt. Es gibt allerdings ebenso Spontanheilungen von kreisrundem Haarausfall. Hier entscheidet der Verlauf der Grunderkrankung über die Regeneration der Haare.
  • Irreversibler Haarverlust wie das androgenetische Effluvium beginnt bei Männern ausgehend von „Geheimratsecken“ oder am Hinterkopf. Bei Frauen wird das Haar vom Mittelscheitel aus lichter.

Diagnose

Der richtige Ansprechpartner bei Haarausfall ist zunächst Ihr Hausarzt, der Ihnen gegebenenfalls eine Überweisung zum Dermatologen oder Endokrinologen ausstellt. Um der Ursache der Erkrankung auf die Spur zu kommen, stehen dem Mediziner verschiedene Methoden zur Verfügung.

Der Arzt wird zunächst in einem Patientengespräch abklären, welche Ursachen für den Haarausfall infrage kommen. Weitere Diagnoseschritte sind neben der Erfassung des täglichen Haarverlustes durch simples Zählen:

  • Untersuchung der Konsistenz der Haare und deren Verankerung in der Kopfhaut
  • Kontrolle der Kopfhaut auf Entzündungen
  • Analyse der Blutwerte
  • Trichogramm, die mikroskopische oder computergestützte Haarwurzel-Untersuchung
  • Kopfhaut-Biopsie einer Gewebeprobe der Haut mitsamt Haaren

Behandlung

Je nach Art des diagnostizierten Krankheitsbildes kann der Arzt verschiedene Therapien einleiten:

  • Bei androgenetischem Haarausfall regen äußerlich anzuwendende Tinkturen mit den Wirkstoffen Minoxidil oder Alfatradiol oder Hormonpräparate das Haarwachstum wieder an.
  • Diffuser Haarausfall kann ebenfalls mit diesen Mitteln gelindert werden. Zusätzlich sollten Mangelerscheinungen über Nahrungsumstellung oder Nahrungsergänzungsmittel behoben und die Primärkrankheit behandelt werden.
  • Kreisrunder Haarausfall als entzündliche Krankheit wird mit Kortison behandelt. Alternativ verspricht eine medikamentöse Autoimmuntherapie Erfolg.

Prävention

Grundsätzlich begegnen Sie nicht-genetisch oder durch Primärerkrankungen bedingtem Haarausfall mit einer ausgewogenen Ernährung. Förderlich für das Haarwachstum sind Inhaltsstoffe wie:

  • Eisen
  • Biotin
  • Kalzium
  • L-Cystin
  • Thiaminnitrat
  • Extrakte aus Birkenblättern und Hirse

Versuchen Sie zudem, Risikofaktoren wie Stress oder UV-Strahlung zu vermeiden. Gewohnheiten wie Rauchen oder häufiges Haarefärben können Haarausfall begünstigen. Spezial-Shampoos mit Koffein oder Birken-Extrakt kräftigen die Haare.

Wann muss ich mit Haarausfall zum Arzt?

Wenn Sie bemerken, dass Sie in auffälligem Maß Haare verlieren oder sich Stellen an Kopfhaut und Bart lichten, sollten Sie vom Arzt die Ursache abklären lassen. Früh bemerkt, lassen sich viele Formen des Haarausfalls therapieren und grundlegende, verborgene Erkrankungen behandeln.

FAQ

Kann ich bei Haarausfall eine Krankschreibung bekommen?

Eine Krankschreibung aufgrund des Haarausfalls selbst ist nicht üblich. Wenn das Effluvium sich als Symptom einer Primärerkrankung äußert, ist eine Krankschreibung wegen dieser fallweise denkbar.

Warum entsteht in der Schwangerschaft Haarausfall?

Die Schwankungen im Hormonhaushalt von Schwangerem können sich auf die Versorgung der Haarfollikel auswirken und zu temporärem Haarausfall führen. Aus ebendiesem Grund ist Haarausfall eine häufige Nebenwirkung der „Pille“.

Wie wird Haarausfall vererbt?

Früher war die Auffassung verbreitet, dass Haarverlust nur väterlicherseits vererbt wird. Neuere Forschungen belegen das Gegenteil. Viele der für die Disposition zum Haarausfall zuständigen Gene liegen auf den X-Chromosomen und werden somit von beiden Elternteilen weitergegeben.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/179396/Diagnostik-und-Therapie-von-Haar-und-Kopfhauterkrankungen
  • http://www.gesundheitspark.de/sp_179_81_339-definition-zu-haarausfall.htm
  • https://www.haarausfallwissen.de/faq/haarausfall-welcher-arzt/
  • http://www.vitanet.de/krankheiten-symptome/haarausfall/diagnose
  • https://krank.de/symptome/haarausfall/
  • https://www.gesundheit.de/krankheiten/haut-und-haare/haarausfall/haarausfall-bei-frauen