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Ratgeber zum Karpaltunnelsyndrom

Welche Symptome für ein Karpaltunnelsyndrom charakteristisch sind, welche Ursachen die Krankheit hat und wie sie behandelt wird, lesen Sie hier.

Bei einem Karpaltunnelsyndrom wird es dem Mittelhandnerv im Handgelenk zu eng und verursacht Schmerzen. Bei Frauen treten die Beschwerden drei- bis viermal häufiger auf als bei Männern. Die Druckentlastung im Karpaltunnel gehört mit rund 300.000 Eingriffen pro Jahr zu den meistdurchgeführten Operationen der Handchirurgie in Deutschland.

Kurzfassung

  • Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) beschreibt eine Schädigung des Mittelhandnervs durch erhöhten Druck im Karpaltunnel.
  • Die Krankheit äußert sich zunächst durch Kribbeln in der Hand und führt im fortgeschrittenen Stadium bis zur Versteifung der Finger.
  • In den meisten Fällen ist eine Veranlagung die Ursache des KTS und wird durch zusätzliche Belastung der Hand ausgelöst.
  • Als effektive Methode kann eine Operation die Beschwerden beseitigen.

Definition

Der Handgelenkstunnel (Karpaltunnel) ist eine anatomische Engstelle, die der Mittelhandnerv (Nervus medianus) zusammen mit den Beugesehnen der Finger durchläuft.

  • Bei einem Karpaltunnelsyndrom sind die Gefäße zusammengedrückt, die den Mittelhandnerv mit Blut versorgen. In der Folge liefern sie nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe.
  • Zudem ist der Mittelhandnerv eingeklemmt. Seine Funktion zur Empfindungsfähigkeit sowie Steuerung des Daumens, des Zeige- und Mittelfingers ist dadurch eingeschränkt.

Symptome

Das Karpaltunnelsyndrom beginnt gewöhnlich mit einem Kribbeln in Handballen, Daumen und Zeigefinger. Dieses landläufig „Einschlafen“ genannte Symptom verschwindet im Anfangsstadium rasch wieder durch Schütteln, Reiben und Bewegen der Hände.

Bei fortschreitender Entwicklung der Krankheit kommen weitere Beschwerden hinzu:

  • Elektrisierende Schmerzen entlang des Mittelhandnervs bis in die Fingerspitzen
  • Nächtliches Taubheitsgefühl
  • Spontanschmerzen ohne körperliche Belastung
  • Motorische und sensorische Ausfallerscheinungen
  • Verschlechterter Tastsinn
  • Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit des Daumens, Zeige- und Mittelfingers bis hin zur Versteifung
  • Muskelschwund am Daumen

Wichtig: Ein Besuch beim Arzt empfiehlt sich bereits bei harmlosen, aber wiederkehrenden Symptomen. Die Chancen für einen Therapieerfolg steigen, je früher die Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms beginnt.

Ursachen

Das Karpaltunnelsyndrom entwickelt sich vorwiegend bei einer genetisch bedingten Veranlagung. Der ohnehin begrenzte Platz im Karpaltunnel ist zusätzlich verengt. Dadurch steigt der Druck auf den Mittelhandnerv, die Sehnen und die Gefäße.

Auslöser der Krankheit sind häufig folgende Risikofaktoren:

BelastungsfolgenWassereinlagerungenChronische Erkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Wechseljahre
  • Schilddrüsenfehlfunktion
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • Niereninsuffizienz mit langjähriger Dialysebehandlung
  • Arthrose
  • Rheuma

Wichtig: Erste Beschwerden treten häufig nachts auf. Denn während des Schlafs winkeln viele Menschen die Handgelenke an. Das schränkt die Durchblutung ein. Aus dem gleichen Grund kribbeln die Hände etwa beim Radfahren, Telefonieren oder bei Handarbeiten.

Diagnose

Zur Diagnose des Karpaltunnelsyndroms dienen zunächst einfache Funktionstests des Mittelhandnervs. Das Ausmaß der Erkrankung sowie die Erforschung möglicher Ursachen analysieren weitergehende Untersuchungen.

In erster Linie kommen folgende Vorgehensweisen zum Einsatz:

MethodeDurchführungErgebnisanalyse

Hoffmann-Tinel-Test

Klopftest am Mittelnerv

Bei Karpaltunnelsyndrom: schmerzhafte Missempfindungen mit Ausstrahlung in den Daumen und Zeigefinger

Phalen-Test

Kräftige Beugung des Handgelenks in Richtung des Innenarms (länger als eine Minute)

Bei Karpaltunnelsyndrom: Schmerzen und Taubheit in der Hand

Flaschen-Test

Umfassen einer Flasche an ihrer dicksten Stelle

Einschätzung von Fähigkeit und Ausmaß der Anstrengung beim Abspreizen des Daumens

Elektrophysiologische Untersuchung

Messung der Nervenleitgeschwindigkeit des Mittelhandnervs mit Stromimpulsen

Zeit zur Weiterleitung eines Reizes gibt Aufschluss über das Ausmaß der Nervenschädigung

Röntgenuntersuchung

Durchleuchtung des Handgelenks mit Röntgenstrahlen

Erkennung von Arthrose oder Verletzungen

Ultraschalluntersuchung

Sichtbarmachung des Gewebes in der Hand mit Ultraschallwellen

Aufdeckung von Entzündungen (z. B. der Sehnenscheiden)

Magnetresonanztomografie (MRT)

Abbildung der Weichteile in der Hand mit starkem Magnetfeld und Radiowellen

Aufklärung bei Verdacht auf einen Tumor

Elektromyografie (EMG)

Einführung von Nadelelektroden in die Haut der Hand zur Messung von Aktivitäten der Nerven und Muskeln

Unterscheidung zwischen Nerven- und Muskelschädigungen

Behandlung

Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms richtet sich nach dem Ausmaß und Stadium der Krankheit.

  • Eine verringerte Belastung der Hand kann akute Schmerzen lindern.
  • Die Lagerung auf einer Schiene stellt das Handgelenk über Nacht ruhig.
  • Zur Schmerzlinderung kommen in Ausnahmefällen auch entzündungshemmende Medikamente wie Kortison zum Einsatz.
  • Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Operation erforderlich.

Operation

Ein chirurgischer Eingriff durchtrennt das Karpalband über dem Karpaltunnel. Auf diese Weise erweitert sich der Tunnel und der Mittelhandnerv erhält mehr Platz. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant durch eine offene oder endoskopische Operation. Eine örtliche Betäubung des Patienten reicht aus.

Fragen und Antworten

Welcher Arzt diagnostiziert und behandelt das Karpaltunnelsyndrom?

  • Zur Diagnose des Karpaltunnelsyndroms sind Neurologen die ersten Ansprechpartner. Sie testen die Funktion des Mittelhandnervs und analysieren Ursachen der Nervenschädigung sowie deren Begleiterscheinungen.
  • Die zumeist operative Behandlung des Karpaltunnelsyndroms übernehmen orthopädische Chirurgen. Handchirurgen mit einer Spezialisierung für diese Krankheit sind die erste Wahl.
  • Zur Nachbehandlung sind außerdem Hausärzte qualifiziert. Bei anhaltenden Problemen stellen sie wiederum den Kontakt zu Fachärzten her.

Was passiert bei verspäteter Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms?

Spätestens bei Symptomen, die mehr als acht Wochen anhalten, ist die Beratung eines Facharztes angesagt.

  • Bei verspäteter Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms schreitet die Nervenschädigung fort.
  • Die Chancen auf eine Heilung verringern sich und das Risiko für zusätzliche Entzündungen im Handgelenk steigt.
  • Gänzlich unbehandelt stirbt der Mittelhandnerv im schlimmsten Fall ab und die Hand bleibt dauerhaft gelähmt.

Wie hoch sind die Chancen eines Operationserfolgs?

Bei einer exakten Diagnose ist der Erfolg einer Operation des Karpaltunnelsyndroms hoch: Rund 90 Prozent der Patienten berichten von einer gravierenden Linderung der Schmerzen, etwa 75 Prozent von vollständiger Beschwerdefreiheit. Die Erfolgsaussichten des Eingriffs sinken jedoch mit dem Fortschreiten der Krankheit.

Generell dauert es nach der Operation rund zwei bis sechs Monate, bis die Empfindungsstörungen in der Hand verschwinden.

Wann wird das Karpaltunnelsyndrom als Berufskrankheit anerkannt?

2009 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Deutschland eine wissenschaftliche Begründung vom ärztlichen Sachverständigenbeirat zur Anerkennung des Karpaltunnelsyndroms als Berufskrankheit veröffentlicht. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel bei manuellen Tätigkeiten mit

  • Wiederkehrender Beugung und Streckung der Hände im Handgelenk
  • Dauerhaftem Kraftaufwand
  • Einwirkung von Hand-Arm-Schwingungen.

Das gilt etwa für Fließbandarbeiter oder Arbeiter mit handgehaltenen vibrierenden Maschinen wie Motorsägen oder Steinbohrern. Die Unfallversicherung übernimmt bei einem berufsbedingten Karpaltunnelsyndrom die Kosten für die medizinische Versorgung.

Quellen

  • https://www.dgnc.de/gesellschaft/fuer-patienten/karpaltunnelsyndrom/
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/166988/Karpaltunnel-Kubitaltunnel-und-seltene-Nervenkompressionssyndrome​​​​​​​
  • https://www.apotheken-umschau.de/Karpaltunnelsyndrom
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/83052/Karpaltunnelsyndrom-als-Berufskrankheit