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Ratgeber zum Thema Nesselsucht

Nesselsucht (Urtikaria): Symptome, Ursachen und Behandlungsformen im Überblick

Wenn sich auf der Haut – mitunter stark juckende und/oder schmerzende – Quaddeln bilden, kann Nesselsucht (Urtikaria) dahinterstecken. Deren Ursachen sind ebenso komplex wie die Behandlungsformen, da Nesselsucht in zahlreichen Formen und Unterarten auftritt. Mehr über das komplexe Krankheitsbild erfahren Sie hier.

Kurzfassung

  • Nesselsucht oder Urtikaria ist eine nicht ansteckende Hauterkrankung. Diese macht sich – oft in Schüben – durch oberflächliche oder tiefergehende Quaddeln auf der Haut bemerkbar.
  • Die Betroffenen verspüren ein Jucken und/oder Brennen, wie es nach dem Kontakt mit Brennnesseln erlebt wird.
  • Nesselsucht kann durch zahlreiche Ursachen, unter anderem Infektionen, Allergien, Wärme, Kälte oder Druck, ausgelöst werden. Die Ursache bestimmt die Art der Behandlung.

Definition

Die Bezeichnung Nesselsucht fasst eine Vielzahl voneinander unabhängiger Krankheiten mit folgenden Symptomen zusammen:

  • Plötzliche Hautreaktionen
  • In Form von Quaddeln: aufgewölbte, klar abgegrenzte Bereiche auf der Hautoberfläche, zumeist von Rötungen umgeben
  • Und/oder Angioödemen: Quaddeln, die in tiefere Hautschichten reichen
QuaddelnAngioödeme

Kennzeichen

  • Plötzliche, oberflächliche Schwellungen der Haut
  • Unterschiedliche Größen
  • Jeweils von einer Rötung (Erythem) umgeben
  • Flüchtiges, sich veränderndes Erscheinungsbild
  • Plötzliche, ausgeprägte Schwellungen, die bis in die Unterhaut (Subkutis) reichen
  • Häufig auch Beteiligung der Schleimhäute

Begleiterscheinungen

  • Juckreiz
  • Brennen
  • Schmerzen
  • Spannungsgefühl
  • Seltener: Juckreiz

Rückbildung

  • Zuvor oft zusammenfließende (konfluierende) Verläufe
  • Innerhalb von 1 bis 24 Stunden
  • Vergleichsweise langsamer
  • Dauert bis zu 72 Stunden länger als bei Quaddeln

Wichtig: Quaddeln und Angioödeme können sich unregelmäßig über die gesamte Haut verteilen und an beliebigen Körperstellen auftreten. Ihre Durchmesser umfassen mehrere Millimeter bis Zentimeter. Urtikaria ist nicht ansteckend.

Verdacht auf Urtikaria: wann zum Arzt?

Umgehend sollten Sie beim Arzt vorstellig werden, wenn Verdacht auf eine allergische Reaktion des Soforttyps besteht, da ein lebensgefährlicher, anaphylaktischer Schock mit Organversagen droht.

Außerdem gelten folgende Handlungsempfehlungen:

  • Gerötete, schmerzhafte, juckende und/oder brennende Hautveränderungen ungeklärter Ursache sollten generell von einem Arzt untersucht werden.
  • Hat ein Arzt spontane Urtikaria diagnostiziert und hält diese mehr als sechs Wochen an, handelt es sich um eine chronische Urtikaria. Diese erfordert die nähere Abklärung möglicher Infektionen.
  • Tritt Urtikaria mit Fieber auf, deutet dieses auf eine Infektion hin, die abgeklärt werden sollte.

Welcher Arzt ist bei Nesselsucht zuständig?

Die folgenden Fachärzte sind Ihre Ansprechpartner bei Nesselsucht:

Wie verläuft die Diagnose bei Nesselsucht?

Bei Patienten mit spontaner Urtikaria bestimmt der Arzt mittels Urtikaria-Aktivitäts-Score (UAS) die Erkrankungsaktivität.

Der UAS umfasst:

ScoreQuaddeln innerhalb von 24 StundenBegleitender Juckreiz

0

1

Leicht, unter 20 Quaddeln

Leicht, nicht störend

2

Mittel, 20 bis 50 Quaddeln

Mittel, störend, aber nicht die Alltagsaktivitäten beeinträchtigend

3

Stark, mehr als 50 Quaddeln, die teilweise zusammenfließende (konfluierende) Flecken bilden

Stark, massive Beeinträchtigung der täglichen Aktivitäten und des Schlafs

Da es unterschiedliche Urtikariaformen gibt, helfen zunächst weitere Fragestellungen im Rahmen der Diagnose, die jeweilige Unterart festzustellen:

  • Zeitpunkt der ersten Manifestation der Urtikaria
  • Häufigkeit, Dauer und tägliche Schwankungen der Quaddeln gemäß Urtikaria-Aktivitäts-Score sowie deren Form, Größe und Verteilung
  • Das Auftreten von Juckreiz und/oder Schmerzen
  • Das Auftreten von Angioödemen (tiefergehenden Quaddeln)
  • Zeitpunkt des Auftretens in Zusammenhang mit Beruf, Wochenende oder Reisen
  • Beobachteter Zusammenhang mit Ernährungsgewohnheiten, dem Menstruationszyklus, einer emotionalen oder physischen Belastung
  • Bekannte, aktuelle oder frühere Allergien oder Überempfindlichkeiten (Atopien)
  • Physische, psychische und psychiatrische Erkrankungen und Vorerkrankungen
  • Medikamenteneinnahme
  • Tägliche Aktivitäten, Beruf, Hobbys sowie Stress
  • Frühere Urtikaria-Therapien und das Ansprechen darauf

Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung, die eine Überprüfung des Dermografismus (der Hautzeichnung) beinhaltet. Darunter versteht man die Reaktion der Haut nach dem Bestreichen mit einem stumpfen Gegenstand wie einem Spatel.

  • Dabei bilden sich im Normalfall rote Streifen.
  • Entstehen weiße Streifen, deutet das auf eine erhöhte Neigung zu Atopie (Überempfindlichkeit) hin.
  • Bilden sich Quaddeln, deuten diese auf eine erhöhte Histamin-Ausschüttung hin. Dahinter kann Nesselsucht in der Unterform Urticaria factitia oder die seltene Krankheit Mastozytose stecken.

Weitere Untersuchungen hängen von der Unterart der Nesselsucht, von deren Häufigkeit, Stärke und Dauer ab.

Welche Formen, Unterformen und Auslöser von Nesselsucht gibt es?

Nesselsucht wird wie folgt klassifiziert:

FormenSpontane UrtikariaPhysikalische UrtikariaWeitere Urtikariaarten

Unterformen und Auslöser

  • Akute spontane Urtikaria: spontan entstehende Quaddeln und/oder Angioödeme, Dauer bis zu sechs Wochen
  • Chronische spontane Urtikaria: spontan auftretende Quaddeln und/oder Angioödeme, Dauer länger als sechs Wochen
  • Verzögerte Druckurtikaria: statischer Druck als Auslöser, Auftreten mit einer Verzögerung von 3 bis 12 Stunden
  • Wärmekontakt-Urtikaria: durch Kontakt mit Wärme ausgelöst
  • Kältekontakt-Urtikaria: durch Kontakt mit Kälte ausgelöst
  • Lichturtikaria: durch sichtbares oder UV-Licht ausgelöst
  • Urticaria factitia bzw. symptomatischer urtikarieller Dermografismus: Scherkräfte als auslösender Faktor
  • Vibratorische Urtikaria oder Angioödem: Vibrationen als auslösender Faktor
  • Kontakturtikaria: durch Kontakt mit urtikariaauslösenden Substanzen
  • Anstrengungsinduzierte Urtikaria: durch Anstrengung hervorgerufen
  • Anaphylaxie: akute, allergische Reaktion, Schock

Die spontane Urtikaria kann durch folgende Faktoren ausgelöst werden:

  • Akute bakterielle oder virale Infektionen
  • Allergien
  • Medikamente

Eine chronische Urtikaria kann folgende Ursachen haben:

  • Chronische Infektionen und Entzündungsherde
  • Autoimmune Erkrankungen (gegen den eigenen Körper gerichtete Reaktionen des Immunsystems)
  • Erkrankungen der Schilddrüse

Wichtig: Bei einer chronischen Urtikaria sind zur Abklärung der Ursache Blutuntersuchungen, eventuell auch Biopsien (Gewebeproben) sowie weiterführende Untersuchungen erforderlich.

Wie wird Urtikaria behandelt?

Die Behandlung von Nesselsucht richtet sich nach deren Ursache und kann folgende Maßnahmen umfassen:

Physikalische Urtikaria:

  • Die Vermeidung bekannter, auslösender Reize, um Risikofaktoren möglichst auszuschalten
  • Die Linderung von Symptomen wie Juckreiz durch Cremes oder Gele

Spontane akute oder chronische Urtikaria:

  • Die Gabe von Antihistaminika, um den Botenstoff Histamin bei Allergien zu blockieren
  • Die Gabe von Kortison, wenn der Betroffene nicht auf Antihistaminika anspricht
  • Die Linderung des Juckreizes und der Schmerzen
  • Die Behandlung von Ursachen wie Infektionen oder Schilddrüsenerkrankungen

Fragen und Antworten

Können Kinder ebenfalls an Urtikaria erkranken?

Ja. Die Untersuchungen und Differenzialdiagnosen (vergleichende Diagnosen) verlaufen jedoch anders, um beispielsweise Kinderkrankheiten auszuschließen.

Wann spricht man von einer induzierbaren Nesselsucht?

Darunter versteht man Urtikaria, die durch spezifische Reize ausgelöst wird. Das ist bei physikalischer Nesselsucht der Fall. In 80 Prozent aller Fälle von Urtikaria kann ein Reiz als Auslöser ermittelt werden.

Wann spricht man von einer idiopathischen Urtikaria?

In 20 Prozent aller Fälle von Nesselsucht kann ihre Ursache nicht geklärt werden. Diese werden unter der Bezeichnung idiopathische Urtikaria zusammengefasst.

Quellen

  • https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/allergologie/urtikaria-ubersicht-4171
  • https://www.amboss.com/de/wissen/Allergische_Erkrankungen
  • https://www.ecarf.org/info-portal/erkrankungen/urtikaria/
  • http://urticariaday.org/downloads/Patientenleitlinie.pdf
  • http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie-Urtikaria_Teil1_AJ_052011_20_249_58.pdf
  • http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie-Urtikaria_Teil2_AJ_052011_20_259_76.pdf
  • https://www.apotheken-umschau.de/Suche?query=nesselsucht
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/60587/Urtikaria-gezielte-Anamnese-und-ursachenorientierte-Therapie
  • https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=188857&s=nesselsucht