Ihr Ratgeber zu übermäßigem Schwitzen

Ohne Schweiß wird es zu heiß: Zwei Millionen Schweißdrüsen sorgen dafür, dass der Körper bei Hitze, Stress oder Anstrengung über Verdunstungskälte gekühlt wird. Was aber, wenn es ganz unabhängig von solchen äußeren Faktoren zu vermehrter, oft auf einzelne Körperpartien beschränkte Sekretbildung kommt? Unkontrollierter Schweißfluss, die Hyperhidrose, kann die Lebensqualität einschränken. Nicht selten ist sie Begleiterscheinung weiterer Krankheiten. Hinter dem übermäßigen Schweiß steckt meist mehr als eine lästige Körperreaktion.

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Übermäßiges Schwitzen

Kurzfassung

  • Schweißbildung dient der Regulierung der Körpertemperatur. Übermäßige Schweißbildung ohne Außenreiz nennt man Hyperhidrose.
  • Hyperhidrose tritt lokal begrenzt („fokal“) oder am ganzen Körper auf und könnte ein Symptom für organische Erkrankungen sein, zum Beispiel Diabetes oder Schlafapnoe.
  • Die Hyperhidrose wird operativ, medikamentös oder durch Maßnahmen wie Ernährungsumstellung und Ionenaustausch behandelt.

Definition

Das „normale“ Schwitzen erfolgt, wenn externe Reize eine Erhöhung der Körpertemperatur auslösen. Bei der Hyperhidrose ist das anders. Dabei liegt eine Fehlfunktion der Thermoregulation vor.

  • Das Schwitzen erfolgt anfallsweise, willkürlich und unvorhersehbar.
  • Der Schweiß tritt unreguliert aus den Poren aus und bildet:
    1. Feuchtigkeitsfilme und kleinere Schweißflecken an den Achseln (leichte Hyperhidrose)
    2. Schweißperlen und Achselschweißflecken mit 10 bis 20 Zentimetern Durchmesser (mäßig starke Hyperhidrose)
    3. Rinnende Tropfen und Schweißflecken von mehr als 20 Zentimetern (starke Hyperhidrose)
  • Besonders betroffen sind spezielle Körperpartien wie Handflächen und Fußsohlen, Achseln und Kopf, der Schweißfluss kann sich jedoch auf den gesamten Körper erstrecken.

Ursachen

Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwei Formen der Hyperhidrose:

Primäre Hyperhidrose

Eine Hyperhidrose kann eine genetisch bedingte Eigenheit des Körpers sein. In diesem Fall spricht der Mediziner von der primären Hyperhidrose. Deren Ursachen sind bislang noch nicht grundlegend erforscht. Interessant ist, dass die typischen „Schwitzstellen“ denen bei emotionalem, durch das limbische System gesteuertem Schwitzen entsprechen. Diese Form der Hyperhidrose beginnt häufig bereits in der Pubertät oder früher.

Sekundäre Hyperhidrose

Die sekundäre Hyperhidrose kann durch unterschiedlichste Krankheiten ausgelöst oder begünstigt werden. Verantwortlich sind Störungen des Nervensystems. Die Schweißherde entsprechen meist denen beim thermoregulatorischen Schwitzen. Beispielhaft zu nennen sind:

  • Hormonelle Faktoren (z. B. Wechseljahre, Schwangerschaft)
  • Diabetes mellitus
  • Adipositas
  • Chronische Infektionen
  • Kreislaufstörungen
  • Neurologische und psychische Erkrankungen (z. B. Parkinson, Depressionen)
  • Vergiftungen oder Entzugserscheinungen

Hyperhidrose kann außerdem als Nebenwirkung von verschiedenen Medikamenten, unter anderem Antidepressiva, auftreten.

Risikofaktoren

Der Anteil der Hyperhidrose-Patienten an der Bevölkerung beträgt etwa 3 Prozent. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Hyperhidrose zu erkranken, besteht für Personen mit genetischer Disposition oder als Begleiterscheinung oben genannter Erkrankungen.

Symptome

Die Hyperhidrose als solche äußert sich ausschließlich über den erhöhten Schweißfluss. Es kommt zu keinen zusätzlichen physischen Begleiterscheinungen. Die Schweißdrüsen sind normal entwickelt und auch die Konsistenz des Schweißes zeigt keine krankhaften Abweichungen. Während das vermehrte Schwitzen an sich keine direkten körperlichen Risiken mit sich bringt, sind sekundäre Effekte immanent:

  • Unmittelbare Komforteinbußen durch durchnässte Kleidung oder Bettwäsche
  • Gesellschaftliche Ausgrenzung aufgrund des entstehenden Körpergeruchs

In der Folge:

  • Psychische Folgebelastungen, beispielsweise Depressionen, Isolation, Vermeidungsverhalten
  • Persönliche Nachteile beim sozialen Status, bei Karriere und Partnerschaft

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Diagnose

Zur Diagnose der Hyperhidrose stehen dem Arzt verschiedene Methoden zur Verfügung.

  • Beim Jod-Stärke-Test wird mittels einer mit dem Schweiß reagierenden Substanz auf die Ursachen der Störung geschlossen.
  • Die Menge des spontanen oder stimulierten Schweißes misst der Arzt im Rahmen einer Sudometrie. Dabei wird der Schweiß aufgefangen.
  • Ähnlich funktioniert die Gravimetrie: Ein genormtes Stück Filterpapier wird nach Abnahme des Schweißes gewogen.

Behandlung

Zur Behandlung der fokalen (auf Körperregionen begrenzten) Hyperhidrose gibt es verschiedene Ansätze:

Pharmazeutische Therapie

Medizinische Antitranspirantien:

Der Anteil des relevanten Wirkstoffs Aluminiumchlorid beträgt bis zu 25 Prozent. (Zum Vergleich: Freiverkäufliche Deos enthalten maximal 2 Prozent.)

  • Mögliche Nebenwirkung: Hautirritationen

Anticholinerge Medikamente hemmen den Neurotransmitter Acetylcholin.

  • Für Fokus im Achselbereich
  • Einige Neben- und Wechselwirkungen
  • Wirksamkeit nicht vollständig erforscht

Nicht operative Therapie

Leitungswasser-Iontophorese:

Mit Strom und Wasserbad wird ein Ionenaustausch der Haut angeregt.

  • Sehr wirksam, wenige Nebenwirkungen
  • Zeitintensive Behandlung
  • Nicht geeignet beispielsweise bei Herzschrittmachern und Schwangerschaft

Botulinumtoxin-Injektion:

Das Neurotoxin Botox hemmt die Schweißbildung für mehrere Monate.

  • Vergleichsweise kostenintensiv
  • Mögliche Komplikationen durch Lähmungserscheinungen

Operative Therapie

Sympathektomie:

Nervenzellkörper werden endoskopisch zerstört.

  • In der Regel zur Behandlung der Handflächen
  • Potenziell in der Folge: Bildung von Hyperhidrose an anderer Körperstelle

Entfernung der Schweißdrüsen

  • Vornehmlich an den Achseln
  • Erfolgsquote bei 90 Prozent
  • Invasiver Eingriff mit entsprechenden Risiken

Unterstützende Maßnahmen

Generell kann es nicht schaden, wenn Sie bei einer Hyperhidrose-Erkrankung ein wenig auf Ihren Nahrungs- und Genussmittelkonsum achtgeben. Scharfes Essen, Koffein, Nikotin und Alkohol regen die Aktivität der Schweißdrüsen zusätzlich an. Nehmen Sie bei Bedarf hier Einschränkungen vor. Reduzieren Sie gegebenenfalls Übergewicht und bevorzugen Sie atmungsaktive Bekleidung.

Prävention

Keine Scham bei zu viel Schweiß! Leider zögern an Hyperhidrose Erkrankte oft viel zu lange, bis sie sich für einen Arztbesuch entschließen. Übermäßiges Schwitzen sollte so früh wie möglich von einem Mediziner beurteilt werden. Auch Eltern sollten die Praxis aufsuchen, wenn beim kleinen Kind anomales Schwitzen über einen längeren Zeitraum auftritt.

Vorbeugende Maßnahmen gegen die angeborene Form der Hyperhidrose gibt es nicht. Bei der sekundären Variante gilt es, die auslösende Krankheit zu behandeln. Die frühzeitige Abklärung der Hyperhidrose kann wertvolle Hinweise auf noch unentdeckte organische Störungen liefern.

Wann muss ich zum Arzt?

Während milde Formen der Hyperhidrose nur eine geringe Belastung darstellen, sollte das vermehrte Schwitzen in folgenden Fällen vom Arzt genauer untersucht werden:

  • Schweißbildung am gesamten Körper, nicht auf isolierte Körperpartien begrenzt
  • Anhaltende Schweißbildung während des Schlafens („Nachtschweiß“)
  • Schwitzen auch bei Kälte oder im Ruhezustand
  • Leidensdruck durch Begleiterscheinungen des Schwitzens

Fragen und Antworten

Ab wann spricht man von Hyperhidrose?

Die täglich abgesonderte Schweißmenge unterscheidet sich von Person zu Person und variiert nach Alter sowie Rahmenbedingungen. Eine quantitative Abgrenzung, ab wann „zu viel“ geschwitzt wird, ist daher schwer möglich. Bessere Indikatoren sind die Umstände des Schwitzens.

  • Haben Sie permanent nasse Hände oder Schweißausbrüche ohne äußeren Anlass?
  • Leiden Sie unter vermehrtem nächtlichem Schweißfluss?
  • Schränkt Sie das Schwitzen in Ihrem Alltag und sozialem Umfeld ein?
  • Schwitzen Sie auch in kühlen Umgebungen?

Zu welchem Arzt gehe ich bei Hyperhidrose?

Zur Abklärung organischer Ursachen suchen Sie zunächst Ihren Hausarzt auf. Dieser wird Ihnen eine Überweisung zu einem Hautarzt ausstellen, der als Facharzt die Funktion der Schweißdrüsen beurteilen kann. Je nach Auslöser der Hyperhidrose kann die Konsultation weiterer Fachärzte erforderlich sein, etwa eines Psychologen oder Diabetologen.

Was zahlt die Kasse bei Hyperhidrose?

Geräte zur Leitungswasser-Iontophorese sind im Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen verzeichnet und können auf Rezept beantragt werden. Auch Medikamente wie verschreibungspflichtige Tabletten oder Botox gehören zu den Kassenleistungen. Anders sieht es bei operativen Eingriffen aus: Diese werden in der Regel nur in Ausnahmefällen von den gesetzlichen Kassen übernommen.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/63004/Hyperhidrose-Ursachen-und-Therapie-von-uebermaessigem-Schwitzen
  • https://www.endokrinologikum.com/fachbereiche/endokrinologie/hyperhidrose.html
  • https://www.tz.de/leben/gesundheit/hyperhidrose-staendig-nasse-haende-fuesse-feuchte-achseln-2973308.html
  • https://www.stark-gegen-schwitzen.de/hyperhidrose-diagnose/testverfahren/