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Ratgeber zu Isotretinoin

Wirkstoff gegen schwere Formen der Akne

Wenn nichts mehr geht, kann schwere Akne mit Isotretinoin behandelt werden. Der Arzneistoff gilt seit Jahrzehnten als effektive Waffe gegen tief unter die Haut reichende Entzündungen der Talgdrüsen und Haarfollikel, birgt aber das Risiko für gravierende Nebenwirkungen. Die Behandlung wird deshalb ärztlich begleitet. Bevor junge Frauen das Mittel anwenden, muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Entsprechende Präparate gibt es nur auf Rezept.

Kurzfassung

  • Isotretinoin gehört der Gruppe der Retinoide an, die dem Vitamin A (Retinol) ähneln.
  • Der Wirkstoff kommt am häufigsten bei schweren Formen der Akne vulgaris zum Einsatz, vor allem bei Akne conglobata, die im Gesicht, auf Brust und Rücken zu tief unter die Haut reichende Entzündungen der Talgdrüsen und Haarfollikel führt. Entzündete eitrige Pickel beziehungsweise „Mitesser” (Komedonen) sehen eher wie rote Knoten aus.
  • Isotretinoin wurde 1982 zugelassen und gilt bis heute als effiziente Waffe gegen schwere Akne, da sie gleich mehrere ursächliche Mechanismen ausschaltet.
  • Der Wirkstoff ist für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen.
  • Für Frauen mit Kinderwunsch gelten besondere Warn- und Einnahmehinweise, weil Gefahr für eine spontane Fehlgeburt besteht.
  • Schwangere dürfen Isotretinoin in keiner Form verwenden, da das Risiko für Missbildungen beim ungeborenen Kind extrem steigt. 

Steckbrief Isotretinoin

Isotretinoin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Retinoide, die dem Vitamin A (Retinol) ähneln. Retinoide wiederum werden bei verschiedenen Hauterkrankungen für die äußerliche (topische) und innere (systemische) Anwendung verschrieben, da sie die Neubildung der Hautzellen (Keratinozyten) anstoßen und dafür sorgen, dass mehr Kollagen und Elastin eingelagert wird. Das macht man sich in der Therapie von zum Beispiel Akne, Rosazea, Schuppenflechte (Psoriasis) oder der aktinischen Keratose zunutze, einer Hautkrebsvorstufe. 

Isotretinoin ist seit 1982 auf dem Markt und gilt bis heute als effiziente Waffe gegen schwere Formen der Akne vulgaris, da sie gleich mehrere Mechanismen bei der Entstehung jener knotigen, zystenartigen Gebilde ausschaltet, die nichts mit den mehr oder minder eitrigen normalen Pickeln der Pubetät zu tun haben.

Ganz allgemein sind die Auslöser für Akne hormonelle Veränderungen, die zu verstärkter Talgproduktion in den Haarfollikeln führen. Es entstehen um die Follikel entzündliche Verhärtungen der Haut („Mitesser” bzw. Komedonen). In schweren Fällen wird die Hautstruktur so geschädigt, dass dauerhafte Aknenarben bleiben.

Vor allem bei Akne conglobata, die im Gesicht, auf Brust und Rücken zu tief unter die Haut reichende Entzündungen der Talgdrüsen und Haarfollikel führt, wodurch Komedonen eher wie rote Knoten aussehen, wirkt Isotretinoin derart, dass es

  • die Talgbildung unterdrückt, wodurch die Hautporen weniger verstopfen
  • Entzündungen hemmt
  • das Zellwachstum in den obersten Hautschichten normalisiert
  • die Hornschicht der Haut schält und Mitesser auflöst
  • indirekt antibakteriell wirkt, weil es den Bakterien die Nahrung nimmt, nämlich den Talg
  • zur Erneuerung von Hautzellen beiträgt, wodurch sich das Hautbild deutlich verbessert und das Risiko für dauerhafte Narben reduziert

Haus-, Hautärzte und auch Gynäkologen dürfen Isotretinoin nur verschreiben, wenn nichts mehr geht: wenn andere Behandlungen – einschließlich Antibiotika – erfolglos waren. Der Grund: Es besteht das Risiko für massive Nebenwirkungen, insbesondere im Rahmen einer Behandlung mit Tabletten (orales Isotretinoin), die ja grundsätzlich überall im Körper wirken.

Zudem istIsotretinoin teratogen:Fehlbildungen hervorrufend”. Entsprechend gelten für Frauen mit Kinderwunsch besondere Warn- und Einnahmehinweise, weil Gefahr für eine spontane Fehlgeburt besteht. 

Schwangere dürfen kein orales Isotretinoin verwenden. Das Risiko für Missbildungen beim ungeborenen Kind steigt extrem, zum Beispiel für 

  • Gaumenspalten
  • Defekte im zentralen Nervensystem
  • Anomalien der Augen, Ohren, Schilddrüse, des Herzens, der großen Blutgefäße, des Gesichts

Ob auch topisches Isotretinoin fruchtschädigend wirkt, wurde in Studien bisher nicht abschließend geklärt. Dennoch ist Vorsicht angesagt, da jedes ungeborene Kind, das dem Arzneistoff ausgesetzt ist – egal in welcher Dosis und in welchem Zeitraum –, Missbildungen entwickeln kann. Entsprechend sollen Ärzte, die Retinoide für die Behandlung schwerer Akne verordnen, sich zum Thema fortgebildet haben und mit sämtlichen Risiken und notwendigen engmaschigen Überwachungsmaßnahmen vertraut sein.

Bevor Ihr Haut- oder Hausarzt Ihnen Isotretinoin verordnet, wird er Sie zum Gynäkologen überweisen. 

Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Für Frauen im gebärfähigen Alter gilt seit 2018 EU-weit das sogenannte Schwangerschaftsverhütungsprogramm. In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency, EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informieren die Zulassungsinhaber teratogener – Fehlbildungen hervorrufender – Arzneimittel die Ärzteschaft und Apotheker über wichtige (neue) Gegenanzeigen, verschärfte Warnhinweise und Maßnahmen während der Schwangerschaft. Das gilt auch für Isotretinoin-Tabletten.

Das Empfängnisverhütungsprogramm besteht aus vier Broschüren: zwei sind für Patientinnen und ihren Partner, zwei sind für Ärzte und Apotheker

Das Ziel: Schwangerschaften sollen bei Patientinnen unter Isotretinoin minimiert und maximale Sicherheitsstandards erfüllt werden. Denn keine Frauen im gebärfähigen Alter soll Isotretinoin-Tabletten einnehmen, sofern sie nicht alle Bedindungen des Programms erfüllen kann oder will. Es ist besondere Eigenverantwortung gefordert.

Das Programm beinhaltet unter anderem, dass alle Patientinnen unter Isotretinoin

  • hinsichtlich ihrer Gebärfähigkeit eingeschätzt werden 
  • zur Empfängnisverhütung gründlich beraten werden
  • mindestens vier Wochen vor, nach und während der gesamten Behandlung ununterbrochen zuverlässig verhüten – am besten mit zwei Methoden
  • sich vor Beginn und während der Behandlung Schwangerschaftstests bzw. Kontrolluntersuchungen unterziehen und fünf Wochen nach Behandlungsende einen abschließenden Schwangerschaftstest durchführen
  • je eine Patientenbroschüre zu Isotretinoin und zu Empfängnisverhütungsmethoden erhalten
  • einmal im Monat ein Beratungsgespräch erhalten
  • die Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Anwendung von Isotretinoin verstehen, sodass sie sich an die Anweisungen halten können
  • die Behandlung sofort abbrechen und ihren Arzt informieren, wenn sie ungeschützten Sex hatten

Direkt vor der Verordnung von Isotretinoin soll ein negativer Schwangerschaftstest vorliegen.

Vor Behandlungsbeginn

Bei allen Patienten werden vor Beginn der Behandlung vom Hausarzt die Blutfettwerte und Leberfunktion bestimmt. Kontrollen erfolgen nach einem Monat und während der gesamten Behandlung alle drei Monate.

Darüber hinaus verpflichten sich alle Patienten, dass sie

  • das Arzneimittel mit niemandem teilen, schon gar nicht mit Frauen
  • während des gesamten Behandlungszeitraums und fünf Wochen danach (so lang bleibt die Substanz im Körper) kein Blut spenden
  • nicht verwendete Tabletten in die Apotheke zurückbringen

Von der Behandlung ausgeschlossen

Nicht verordnet werden darf Isotretinoin, wenn potenzielle Patienten und Patientinnen 

  • schwanger sind oder stillen
  • im gebärfähigen Alter sind und nicht alle Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsrogramms erfüllen können oder wollen
  • stark erhöhte Blutfettwerte haben
  • eine funktionsgestörte Leber haben
  • Nahrungsergänzungsmittel mit überdosiertem Vitamin A einnehmen
  • Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline einnehmen

Falls Sie Diabetes haben oder adipös sind (BMI >33 kg/m2), wird Ihr Hausarzt den Nutzen und die Risiken der Therapie besonders sorgsam abwägen.

Behandlung

Isotretinoin kann ab dem 12. Lebensjahr verschrieben werden, in den jungen Jahren der Pubertät sollten Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden. Allerdings ist nicht zu unterschätzen, dass schwere Akne die Lebensqualität Heranwachsender deutlich einschränkt. Das gilt auch für die häufige Folge: unschöne Narben.

Isotretinoin steht als topische Therapie (gezielt an den betroffenen Hautstellen mit Creme oder Gel) oder oral in Form von Tabletten/Kapseln (systemisch) zur Verfügung. Die innere Anwendung folgt der äußerlichen, das heißt: Hat zunächst appliziertes Gel oder Creme nur einen geringen Behandlungserfolg – oder schlägt die Standardtherapie Antibiotikum plus Gel/Creme nicht an –, wird Isotretinoin als Tablette/Kapsel verordnet. Bei sehr schweren Verläufen geht´s direkt systemisch los.

Bei mittelschweren entzündlichen Akne-Formen ist für eine bessere Wirkung zudem ein topisch anzuwendendes Gel erhältlich, das zusätzlich zu Isotretinoin das Antibiotikum Erythromycin enthält.

Die Dosis wird auf den Schweregrad der Hautkrankheit und auf das Körpergewicht des Patienten abgestimmt, sie beträgt üblicherweise 0,5 bis 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Teenager sollten maximal 25 mg Wirkstoff täglich erhalten. Ein 80 kg schwerer Erwachsener nimmt dagegen 40 mg täglich auf (2×20 mg). Die Einnahme erfolgt zweimal täglich und darf nicht verändert werden. Nur der Arzt kann die Dosis anpassen. Die Einnahmedauer beträgt je nach Schwere der Erkrankung 16 bis 24 Wochen.

Nehmen Sie Isotretinoin wegen der besseren Verträglichkeit idealerweise mit den Mahlzeiten ein.

Patienten mit schwerer Akne können auch telemedizinisch von einem Dermatologen/einer Dermatologin begleitet werden.

Frauen im gebärfähigen Alter wird Isotretinoin für maximal 30 Tage verschrieben. Nach dem Tag der Verordnung ist das Rezept sechs Tage gültig.

Nebenwirkungen

Isotretinoin kann teilweise heftige Nebenwirkungen aulösen, das betrifft besonders die Einnahme von Tabletten, die überall im Körper wirken und in verschiedenen Organen und Organsystemen zu unerwünschten Effekte führen können. Bei lokaler Anwendung auf der Haut beschränken sich die Nebenwirkungen auf das behandelte Areal.

Das kann passieren:

  • Bei lokaler Anwendung: Hautschuppungen und -schälungen (gewünschter therapeutischer Effekt, verwenden Sie von Anfang an feuchtigkeitsspendende, harnstoff- bzw. ureahaltige Creme); trockene Haut vor allem an Lippen, Handflächen, Fingerspitzen und Fußsohlen; Entzündungen z. B. im Gesicht und Rachen; Rücken-, Muskel- und Gelenkschmerzen; Juckreiz und Rötungen der Haut
  • Bei systemischer Anwendung: wie bei lokaler Anwendung. Zusätzlich allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock; Veränderungen des Blutbildes und in der Folge blaue Flecken, Blutungen, Anämie; Haarausfall; Augenprobleme wie Bindehautentzündung (Konjunktivitis), trockene Augen, Sehstörungen; Borken- und Krustenbildung der Nasenschleimhaut; trockene Mund- und Rachenschleimhaut; erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte bis zum Diabetes; Störungen des Nervensystems mit anhaltenden Kopfschmerzen, Krämpfen, Müdigkeit; Magen-Darmbeschwerden; Leberentzündung

Isotretinoin macht die Haut dünner und somit verletzlicher. Aggressive Behandlungen von Haut und Haaren – zum Beispiel Waxing – sollten deshalb während der Isotretinoin-Einnahme und mindestens sechs Monate danach nicht stattfinden, um Pigmentstörungen und Narben zu vermeiden.

Fragen & Antworten

Macht Isotretinoin depressiv?

Diese Frage beschäftigt europäische Behörden seit Jahren. Richtig ist, dass Isotretinoin neuropsychologische Veränderungen hervorrufen kann, die sich bessern, sobald das Medikament wieder abgesetzt wird. Unklar ist jedoch: Was ist Henne, was ist Ei – liegt das wirklich am Arzneistoff oder in einer Veranlagung des Patienten. Hierzu gibt es zu wenig aussagekräftige Daten.

Viele Jugendliche leiden in der Pubertät ohnehin unter Stimmungsschwankungen, Unsicherheit, Ängsten. Die Hormone drehen auf, im Gehirn finden neurobiologische Umbauprozesse statt. Darüber hinaus kann bei bestehender Anlage allein eine Akne zu seelischen Belastungen bis hin zu einer Depression führen. Diese sind umso ausgeprägter, je dramatischer das Hautbild ist.

Daher sollte jeder Arzt, der Isotretinoin verschreibt, seine (jungen) Patienten vorher mit einem standardisierten Fragebogen auf Depressionen checken und die Therapie engmaschig begleiten.

Was muss ich beachten, bevor ich in die Sonne gehe?

Am besten, Sie setzen sich während der gesamten Behandlung keinem direkten Sonnenlicht aus. Wenn sich das nicht vermeiden lässt, ist bestmöglicher Schutz angesagt: hoher Lichtschutzfaktor auf allen Körperstellen, die der Sonne ausgesetzt sind; schützende Kleidung einschließlich Sonnenhut und Sonnenbrille. Und wann immer möglich: Halten Sie sich bitte im Schatten auf. 

Kann ich unter Isotretinoin Auto fahren?

Weil sich Sehstörungen wie Nachtblindeit plötzlich einstellen können, sollten Sie bei Dunkelheit nicht selbst Auto fahren. Einige Patienten berichten über Hornhauttrübungen, seien Sie deshalb auch beim Bedienen von Maschinen vorsichtig.

Quellen

  • https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Service/aktuelles/isotret/patienteninfo.pdf?__blob=publicationFile&v=3
  • https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Service/aktuelles/isotret/leitfaden.pdf?__blob=publicationFile&v=3
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Isotretinoin
  • https://www.zavamed.com/de/retinoide.html
  • https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/guv-19-lp/amvv-aenderungsverordnung.html
  • https://www.universimed.com/ch/article/dermatologie/wie-gross-ist-die-suizidgefahr-durch-isotretinoin-2163649#!

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Dieser TeleClinic-Ratgeber wurde nach höchstem wissenschaftlichen Standard von unseren Medizinredakteuren verfasst. Die Artikel sollen Ihnen lediglich Erstinformation zu diversen Themen bieten und können keine ärztliche Diagnose ersetzen. Gerne beraten Sie unsere Fachärzte weiterführend in einem Online-Arztgespräch.

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