Tramadol Ratgeber

Wirkungen, Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Infos rund um Tramadol

Tramadol wird in der Schmerztherapie bei mittleren bis starken Schmerzen eingesetzt. Das Präparat findet vor allem bei der Behandlung chronischer Schmerzen Verwendung und zählt zur Gruppe der Opioid-Analgetika. Darunter versteht man Schmerzmittel, die zur Gruppe der Opioide gehören. Erfahren Sie im Folgenden, wie Sie bei Tramadol beachten müssen.

Kurzfassung

  • Tramadol ist ein verschreibungspflichtiger Arzneistoff, der für die Behandlung mittelstarker bis starker Schmerzen zugelassen ist. Er zählt zur Wirkstoffklasse der Opioid-Analgetika.
  • Tramadol weist neben schmerzlindernden, antitussive (hustenstillende) Eigenschaften auf.
  • Da Tramadol zentral wirksam ist, wird es bei Schmerzen unterschiedlicher Herkunft eingesetzt, darunter auch neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen).

Was ist Tramadol?

Der Arzneistoff Tramadol ist ein schwach wirksames Opioid, das synthetisch hergestellt wird. Tramadol wird bei mäßigen bis starken Schmerzen eingesetzt und ist in Deutschland in zahlreichen Darreichungsformen sowie unter unterschiedlichen Medikamentennamen im Handel. Als verschreibungspflichtiges Schmerzmittel ist Tramadol online mit Rezept erhältlich.

Welche Wirkung hat Tramadol?

Tramadol wirkt:

  • Schmerzlindernd (analgetisch)
  • Antitussiv (hustenstillend)
  • Antidepressiv (stimmungsaufhellend)
  • Anxiolytisch (angstlösend)

Tramadol beeinflusst die Schmerzwahrnehmung:

  • Durch seine Ähnlichkeit mit körpereigenen Botenstoffen, die die Schmerzwahrnehmung dämpfen – wie diese Botenstoffe dockt auch Tramadol an den Opioid-Rezeptoren des Gehirns an.
  • Durch Hemmen der Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, wodurch es der Wirkung einiger Antidepressiva ähnelt.

Wichtig: Selbst starke Schmerzen werden nach der Einnahme von Tramadol als gering empfunden. Die Wirkung setzt rund 30 Minuten nach der Einnahme ein.

In welchen Darreichungsformen gibt es Tramadol?

Der Wirkstoff Tramadol kann wie folgt verabreicht werden:

  • Oral, durch Einnahme als Tablette, Kapsel, Tropen, aufgelöste Brausetablette
  • Injiziert, durch Spritzen in eine Vene, in Muskelgewebe oder unter die Haut

Tramadol ist auch als Retard-Medikament erhältlich. Als solches gibt es die Wirkstoffe verzögert frei und muss daher seltener eingenommen werden.

Wichtig: Beim Absetzen von Tramadol nach einem längeren Einnahmezeitraum kann es zur Freisetzung der körpereigenen Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin kommen. Daraus können für eine bis drei Wochen Unwohlsein und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit resultieren.

Welche Nebenwirkungen hat Tramadol?

Tramadol ist im Allgemeinen gut verträglich. Im Gegensatz zu anderen Opioiden führt Tramadol nicht zu Atemdepressionen (flacher Atmung) und besitzt nur eine geringe organtoxische Wirkung (die Schädigung innerer Organe durch Giftstoffe).

Folgende Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Tramadol auftreten:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindelgefühl und Benommenheit
  • Kopfschmerzen
  • Schläfrigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Schwitzen
  • Erschöpfung

Wichtig: Wie alle Arzneimittel aus der Gruppe der Opioide soll Tramadol in der niedrigsten notwendigen Dosierung und nur in dem erforderlichen Zeitraum eingenommen werden.

Welche Wechselwirkungen hat Tramadol?

Wechselwirkungen bestehen, wenn Sie gleichzeitig Tramadol und folgende Mittel einnehmen:

  • MAO-Hemmer
  • Zentral dämpfende Substanzen
  • Carbamazepin
  • Cumarin-Derivate (synthetische, aus Cumarin abgeleitete Verbindungen) wie Warifin
  • Kombinationen aus analgetischen Agonisten und Antagonisten (Schmerzmittel mit direkter und indirekter Wirkungsweise) wie Buprenorphin, Pentazocin und Nalbuphin
  • Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRis)
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRis)
  • Neuroleptika
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Arzneimittel, die die Krampfschwelle herabsetzen, wie Mirtazapin, Bupropion und Tetrahydrocannabinol
  • Sedativa

Wichtig: Die gleichzeitige Einnahme von Sedativa (das Zentralnervensystem dämpfende) und Tramadol kann zu Atemdepressionen, Koma oder Tod führen. Bei der Einnahme von Tramadol muss bereits zwei Wochen zuvor auf MAO-Hemmer verzichtet werden!

Welche Gegenanzeigen (Kontraindikationen) hat Tramadol?

Außer auf die bereits genannten MAO-Hemmer sind auf folgende Gegenanzeigen zu achten:

  • Überempfindlichkeit gegenüber Tramadol
  • Akute Vergiftungen durch Alkohol, Schmerz-, Schlaf-, Beruhigungs- oder Betäubungsmittel
  • Epilepsie
  • Bei Drogen-Ersatzprogrammen

Wichtig: In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Verabreichung von Tramadol – falls überhaupt – nur auf Einzelgaben beschränkt sein. Tramadol passiert die Plazenta und kann bei Neugeborenen zu Entzugserscheinungen führen.

Wichtige Fragen und Antworten

Beeinträchtigt Tramadol die Verkehrstüchtigkeit?

Tramadol kann die Fähigkeit zum Lenken von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Die Ursache dafür liegt in möglichen Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Schwindelgefühl.

Warum ist für Tramadol ein Rezept erforderlich?

Tramadol ist ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel. Aufgrund seiner morphinartigen Eigenschaften dockt es im Nervensystem bei den Opioid-Rezeptoren (Bindungsstellen für Opioide) an. Damit ist, neben der schmerzlindernden Wirkung, auch ein Abhängigkeitspotenzial verbunden. Dieses ist selten körperlicher, sondern vor allem psychischer Natur.

Fällt Tramadol als Opioid in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz?

Nein. Tramadol ist eines von drei Opioid-Analgetika (Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide), die nicht dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterliegen. Zudem stellt es das einzige injizierbare Opioid-Analgetikum dar, das nicht dem BtMG unterliegt.

Was bedeutet die Zuordnung von Tramadol zur Stufe II des WHO-Stufenschemas?

Das WHO-Stufenschema gliedert sich in drei Stufen. Es gibt einen Behandlungsalgorithmus für die Behandlung chronischer Schmerzen in der Schmerztherapie vor. Diese kombiniert in der II. und III. Stufe Analgetika (Schmerzmittel) aus den Gruppen Nicht-Opioide und Opioide. Das Opioid Tramadol fällt als mittelstarkes bis starkes opioides Schmerzmittel unter die zweite Stufe.

Zählt Tramadol zu den Morphinen?

Nein. Tramadol ist ein Opioid mit morphinähnlicher Wirkung. Die analgetische (schmerzlindernde) Wirksamkeit von Tramadol beträgt vergleichsweise ein Zehntel von Morphinen. Letztere zählen zu den Schmerzmitteln der Stufe III des WHO-Stufenschemas. Morphine fallen als Opiate unter das Betäubungsmittelgesetz und sind bei extrem starken Schmerzen zugelassen.

Quellen

  • https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Tramadol_1406
  • https://www.gelbe-liste.de/schmerztherapie/schmerztherapie-who-stufenplan
  • https://www.amboss.com/de/wissen/Opioide
  • https://www.amboss.com/de/wissen/Schmerztherapie
  • https://www.basg.gv.at/index.php?L=0&id=295&q=tramadol
  • https://www.gesundheit.de/medizin/wirkstoffe/schmerzmittel/tramadol
  • https://www.chemie.de/lexikon/Tramadol.html
  • https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=1&nid=103118&s=tramadol