Ihr Ratgeber zu Bänderrissen

Wie Bänderrisse entstehen, woran man diese erkennt und wie man sie am besten behandelt, erfahren Sie hier.

Eine der häufigsten Sportverletzungen sind Bänderrisse. Vor allem Start-Stopp-Sportarten wie Basketball oder Fußball ist das Risiko besonders hoch, da das Sprunggelenk stark belastet wird.  Aber auch bei alltäglichen Tätigkeiten kann es passieren, dass Sie z.B. umknicken und dabei die Bänder verletzen.

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Bänderrissen-Ratgeber

Kurzfassung

  • Bänder verbinden zwei Knochen miteinander.
  • Bei einem Bänderriss ist das Band teilweise oder vollständig durchtrennt.
  • Am häufigsten sind die Sprunggelenke, die Knie und der Daumen betroffen.
  • Symptome sind in erster Linie Schwellungen und Druck- und Belastungsschmerzen.
  • Die Behandlung ist entweder konservativ oder operativ möglich.

Bänder

Bänder (Ligamente) stellen die Verbindung zwischen zwei Knochen dar und sind damit elementar für den Aufbau und Halt des Skeletts. Da sie Sicherheit und Stabilität für die Gelenke bieten sollen, sind diese kaum elastisch.

Man unterscheiden drei verschiede Arten von Bändern

  • Verstärkungsbänder stabilisieren zusammen mit der Gelenkkapsel das Gelenk und geben ihm Halt.
  • Führungsbänder sind an der Bewegungsführung des Gelenks beteiligt.
  • Hemmungsbänder schränken Bewegungen ein, damit ein Gelenk nicht überstreckt werden kann.

Bänderriss

Man spricht von einem Bänderriss – auch als Bänderruptur bezeichnet – wenn ein Band teilweise oder vollständig durchtrennt ist. In besonders ungünstigen Fällen kann es auch zu einem knöchernen Abriss kommen, bei dem vor allem die Verbindung zwischen Band und Knochen beschädigt wird.

Der Außenbandriss am Sprunggelenk, der Bänderriss am Daumengelenk (Skidaumen) und der Kreuzbandriss (Knie) sind dabei die häufigsten Fälle, es sind jedoch auch Bänderrisse in anderen Gelenken möglich.

Ursachen

Ein Bänderriss kann entstehen, wenn eine unnatürliche Belastung auf das betroffene Gelenk und dessen Bänder ausgeübt wird. Ursachen für diese Belastung können sein:

  • Gewaltsame Einwirkung auf das Gelenk (Trauma)
  • Unnatürliche Bewegungen wie Verdrehen oder Umknicken

Ein besonders hohes Risiko besteht bei Start-, Stopp- und Drehbewegungen im Sport.

Symptome

Je nach Schweregrad der Verletzung sind auch die Symptome etwas unterschiedlich.

Bei einem Anriss oder einer Überdehnung der Bänder nehmen die Schmerzen an der betroffenen Stelle nach der Verletzung nach und nach zu, während bei einem kompletten Bänderriss die Schmerzen direkt nach der Verletzung stark sind und innerhalb kurzer Zeit nachlassen.

Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Druck- und Belastungsschmerz
  • Schwellung innerhalb von wenigen Minuten
  • Bluterguss (Hämatom) (jedoch nicht immer von außen sichtbar)
  • Instabilitätsgefühl
  • Entzündung
  • Rötung

In dem Moment in dem das Band reißt, ist oftmals ein lautes knallendes Geräusch zu hören was von den Betroffenen oft als Knacksen beschrieben wird.

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Diagnose

Bei der Diagnose wird generell in drei verschiedene Grade unterteilt:

1. Grad: Bänderdehnung bzw. -zerrung

2. Grad: teilweiser (oder unvollständiger) Bänderriss

3. Grad: vollständiger Bänderriss

Allgemein sollte die endgültige Diagnose nur durch den Arzt (Orthopäde) erfolgen.

Um einen Bänderriss festzustellen beginnt der Arzt mit einer einfachen Befragung über die genauen Symptome und den Unfallhergang. Zusammen mit Begutachtung und Abtasten des Gelenks und dabei auftretenden Schmerzen lassen sich Rückschlüsse auf Art und Umfang der Verletzung ziehen.

Stabilitäts- und Funktionalitätsprüfungen sind weitere Möglichkeiten zur Untersuchung der Bänder, da bei einem Bänderriss die Stabilität und Funktionalität der betroffenen Gelenke massiv eingeschränkt sind.

Je nach Gelenk gibt es unterschiedliche Tests, die der Arzt durchführen kann:

  • Beim Außenbandriss am Sprunggelenk: Wenn der hintere Teil des Fußes sich nach innen kippen lässt und das Sprungbein sich gegenüber dem Schienbein über das normale Maß hinaus verschieben lässt, sind dies Hinweise auf einen Riss des Außenbandes.
  • Beim Skidaumen (Bänderriss am Daumengelenk): Ein Papierstreifen wird zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, dabei sollte der Daumen gestreckt sein. Ist dies nicht möglich, weist es auf einen Bänderriss am Daumen hin. (Papierstreifenhalte-Test).
  • Bei einem Kreuzbandriss: Für den Schubladentest wird das Knie im rechten Winkel angewinkelt, der Oberschenkel wird festgehalten und das Schienbein wie Schublade nach vorne gezogen. Die einem vorderen Kreuzbandriss lässt sich das Schienbein nach vorne ziehen, bei einem hinteren Kreuzbandriss nach hinten drücken.

Diese Tests sind keine handfeste Diagnosemöglichkeit sondern eher Hinweise, da die Patienten zum Beispiel aufgrund von Schmerzen die Muskeln anspannen und so die Beweglichkeit des Gelenks einschränken, obwohl das Band gerissen ist.

Um eine handfeste Diagnose zu erhalten, wird oft auf Bildgebende Verfahren zurückgegriffen:

  • Röntgenbilder zeigen zwar keine Bänder, die Position der Knochen und mögliche Fehlstellung können aber Hinweise auf Bänderrisse geben. Zusätzlich dienen sie der Absicherung um Brüche oder knöchernen Abrisse auszuschließen.
  • Das MRT (Magnetresonaztomographie) dagegen bildet Bänder in Schichten ab und zeigt Bänderrisse sehr genau.

Behandlung

Die Erstbehandlung, die im besten Fall direkt nach dem Unfall erfolgen sollte, erfolgt nach der PECH-Regel:

Pause: Entlasten des betroffenen Gelenks
Eis: Kühlen mit einem Eisbeutel um Schmerzen zu lindern und eine Schwellung zu verhindern.
C/Kompression: Kompressionsverband um einer Schwellung vorzubeugen
Hochlagern: Betroffenes Gelenk hochlagern um mögliche Einblutungen und Schwellungen zu verhindern

Die Entscheidung über Art der Behandlung ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig:

  • Welches Gelenk und Band ist betroffen?
  • Ist das betroffene Band teilweise oder vollständig gerissen?
  • Sind außer dem Band noch andere Teile des Gelenks wie z.B. Knorpel oder Knochen betroffen?

In der Regel ist eine konservative Behandlung – also ohne OP, sondern mit Schienen und Belastungspause – ausreichend.

In schwereren Fällen ist eine Operation notwendig, bei der in den meisten Fällen das verletzte Band wieder zusammengenäht und gestrafft wird oder durch eine körpereigene Sehne, die an einer anderen Körperstelle entnommen wurde, ersetzt (sog. Bandplastik). Falls der Knochenansatz des Bandes abgerissen ist, wird dieser an seiner ursprünglichen Stelle wieder fixiert.

Bänder des Sprunggelenks werden meist konservativ behandelt, außer es sind größere Teile des Gelenks beschädigt

Bei einem “Skidaumen” wird in der Regel operiert, da sonst ein schmerzhafter Wackeldaumen entstehen kann. Nach Operation sind noch ca 6 Wochen Ruhe notwendig, damit sich das Gelenk ehrholen kann.

Wenn das vordere Kreuzband gerissen ist in den meisten Fällen eine Operation mit Sehnentransplatation notwendig. Danach dauert es bis zu 8 Monate bis das Knie wieder leistungsfähig ist und vollständig belastet werden kann. Bei einem Riss des hinteren Kreuzbandes ist oftmal nur eine konservative Behandlung notwendig bei der der Patient über 12 Wochen ein spezielle Knieschiene trägt.

Allgemein ist bei einem Bänderriss viel Geduld und Zeit nötig. Je nach Art des Bänderrisses und welches Band betroffen ist, dauert der Heilungsprozess vier bis zwölf Wochen. Ausnahmen sind jedoch möglich. Bei einem Kreuzbandriss kann die Genesung bis zu 8 Monaten dauern, in denen intensive Physiotherapie und Kräftigungs- und Koordinationsübungen notwendig sind um ausreichende Stabilität im Kniegelenk zu erreichen.

Prävention

Es gibt keinen ultimativen Schutz vor Bänderverletzungen, dennoch gibt es ein paar Möglichkeiten um das Risiko zu reduzieren.

Koordinationstraining ist dafür besonders gut geeignet, da die Muskulatur, die das Band unterstützt trainiert wird und die Reaktionsfähigkeit des Gehirns und der Muskulatur verbessert wird. Besonders hilfreich ist dies beim Abfangen eines Stoßes oder beim Verhindern eines Sturzes.

Vor allem bei sportlichen Aktivitäten wie zum Beispiel beim Wandern oder auch bei Ballsportarten ist passendes Schuhwerk besonders wichtig. Bei Laufschuhen sollten Sie höhere Absätze vermeiden, diese sind nur im Leistungssport sinnvoll, für den “Hobbyläufer” jedoch ungeeignet. Beim Wandern sind Schuhe mit einem höheren Schaft von Vorteil, da das Sprunggelenk stabilisiert wird und das Risiko umzuknicken dadurch gesenkt wird.

Quellen

  • https://www.ratgeber-muskeln-gelenke-knochen.de/sportverletzungen/arten/baenderriss/
  • https://www.medi.de/gesundheit/koerper/sehnen-und-baender/
  • https://www.onmeda.de/krankheiten/baenderriss.html