Ihr Ratgeber zum Darmverschluss

Beim Darmverschluss kann die Nahrung den Darm nicht mehr oder nur noch teilweise passieren. Es handelt sich immer um einen Notfall. Schnelles Handeln ist wichtig, da der Krankheitsverlauf unbehandelt lebensbedrohlich sein kann. Bis vor einigen Jahren wurde bei Verdacht auf einen Darmverschluss ein Zeitfenster von zwölf Stunden für eine Intervention vorgegeben. Heute erfolgt die Behandlung häufig erfolgreich konservativ.

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Ratgeber zum Darmverschluss (Ileus)

Kurzfassung

  • Beim Darmverschluss ist die Nahrungspassage im Darm unterbrochen und der Speisebrei staut sich auf. Beim vollständigen Darmverschluss muss das Hindernis möglichst schnell operativ beseitigt werden.
  • Bei Anzeichen gilt: Nichts mehr essen und trinken und zur Notaufnahme fahren! Je früher die Behandlung beginnt, desto besser.
  • Bei inkomplettem Darmverschluss hat die konservative Therapie eine Erfolgsrate von 80 Prozent.

Was ist ein Darmverschluss?

Der Darmverschluss und die Darmlähmung werden als Ileus bezeichnet. Beides führt zum Aufstau des Speisebreis und zur Unterbrechung der Nahrungspassage im Darm.

  • Der Darmverschluss ist ein mechanischer Ileus.
  • Die Darmlähmung ist ein paralytischer Ileus.
  • Ist der Verschluss unvollständig und der Nahrungsbrei gelangt weiterhin durch eine Restpassage, sprechen Mediziner von Subileus.
  • Von einem Strangulations-Ileus ist die Rede, falls gleichzeitig Blutgefäße abgeschnürt sind und die Blutversorgung der Darmwand unterbrochen ist.

Welche Ursachen hat der Darmverschluss?

Die Ursachen hängen davon ab, ob der Dünndarm oder Dickdarm betroffen ist.

  • Ein Hindernis im Darm kann diesen verstopfen, zum Beispiel durch eine Entzündung, einen Tumor oder Kotballen.
  • Eine Nahrungsunterbrechung im Dünndarm ist meist durch Voroperationen bedingt.
  • Kann die Nahrung den Dickdarm nicht mehr passieren, ist dies häufig mit einem Malignom (Geschwulst) verbunden. Es kommt zu einer Veränderung in der Darmwand, zum Beispiel ausgelöst durch eine Entzündung oder einen Tumor.
  • Eine Einschnürung von außen kann die Darmpassage verschließen, mögliche Ursachen dafür sind:
    • Verwachsungen (Briden) als Folgekomplikation einer Darmoperation
    • Vernarbungen nach einer Entzündung im Darm
    • Tumore
    • Darmdrehung
    • eine ausgeheilte Bauchfellentzündung
    • Darmschlingen, die zum Beispiel bei einem Leistenbruch eingeklemmt werden

Symptome

Wenn sich der Speisebrei im Darm aufstaut, können sich Gase und Flüssigkeiten mit erhöhtem Druck sammeln. Mögliche Folgen sind Störungen der Mikrozirkulation in der Darmwand. Die Symptome hängen meist vom Ort des Passagestopps ab.

Darmverschluss im Dünndarm

Wenn die Probleme im Dünndarm zu verorten sind, leiden Betroffene unter:

  • Akuter Übelkeit
  • Erbrechen
  • Aufgeblähtem Bauch
  • Krämpfe

Für den Darmverschluss sind plötzlich auftretende, kolikartige Bauchschmerzen typisch.

Darmverschluss im Dickdarm

Wenn sich der Darmverschluss im Dickdarm befindet:

  • Ist der Krankheitsverlauf meist initial symptomarm
  • Geht bei den Betroffenen eine längere Leidensgeschichte voraus
  • Sind typische Beschwerden ein geblähter Bauch und Krämpfe

Symptome wie kalter Schweiß, Blässe und ein beschleunigter Puls gelten als Kennzeichen für ein drohendes Kreislaufversagen.

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Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Für die Diagnose führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Der Bauchraum wird mit einem Stethoskop abgehört.

  • Bei klingenden oder metallischen Darmgeräuschen kann es sich um einen Darmverschluss handeln,
  • Bei fehlenden Geräuschen um eine Darmlähmung.

Allerdings fällt es mit einer rein körperlichen Untersuchung selbst erfahrenen Chirurgen schwer, eine sichere Diagnose zu stellen.

Für mehr Gewissheit werden für die Diagnosestellung Laborwerte hinzugezogen. Parameter wie das Procalcitonin, Infektwerte und Elektrolyte spielen eine Rolle. Der Arzt sollte zusätzlich eine Gerinnungsanalyse und Blutgasanalyse durchführen. Die Computertomografie gilt als bestes Hilfsmittel und hat mehr Aussagekraft als Röntgen und Sonografie.

Wie erfolgt die Behandlung beim Darmverschluss?

Bei Verdacht ist wichtig, dass Betroffene nichts mehr essen und trinken. Ärztliche Hilfe muss umgehend aufgesucht werden. Für die richtige Therapie muss der Arzt schnell die Ursache abklären und feststellen, ob es sich um einen Darmverschluss oder eine Darmlähmung handelt.

Vorgehen in der Notaufnahme

In der Notaufnahme wird mit einem Ausgleich des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts begonnen. Patienten mit Erbrechen erhalten in der Regel eine Magensonde. Ein Blasenkatheter hilft dem Arzt bei der Kontrolle der ausgeschiedenen Flüssigkeit im Verhältnis zur aufgenommenen Flüssigkeitsmenge. Eventuell verabreicht der Arzt Medikamente gegen die Schmerzen und Beschwerden wie Übelkeit. Nach der Erstversorgung muss der Arzt entscheiden, ob ein konservativer Therapieversuch möglich oder eine umgehende Operation notwendig ist.

Sofortige Operation oder konservative Behandlung

Indikationen für eine sofortige Operation sind:

  • Ein vollständiger Passagestopp
  • Strangulation (wenn Blutgefäße abgeschnürt sind)
  • Ischämie (Gewebe wird nicht mehr durchblutet)

Bis vor einigen Jahren wurde beim Verdacht auf einen mechanischen Ileus für die Intervention ein Zeitfenster von 12 Stunden vorgegeben. Die betroffene Person wurde möglichst schnell operiert und dabei das Hindernis beseitigt.

Heute kann die Behandlung insbesondere beim Passagestopp im Dünndarm erfolgreich konservativ erfolgen. Konservative Maßnahmen sind:

  • Magensonde
  • Flüssigkeitssubstitution
  • Schluckweise Tee
  • Nahrungskarenz (der Verzicht auf Nahrung für einen bestimmten Zeitraum)

Die konservative Therapie kann im Krankenhaus bei strenger Überwachung über mehrere Tage stattfinden.

Eine rein konservative Therapie hat bei einem inkompletten Darmverschluss eine Erfolgsrate von 80 Prozent.

Wie kann ich dem Darmverschluss vorbeugen?

Vorbeugende Maßnahmen sind nur bedingt möglich. Achten Sie auf regelmäßigen Stuhlgang. Wenn bei Ihnen eine Operation im Bauchbereich stattgefunden hat, sollten Sie im Anschluss vermehrt auf Anzeichen für einen Darmverschluss achtgeben. Suchen Sie bei Beschwerden umgehend einen Arzt auf.

Fragen und Antworten

Was sind die Folgen bei einer zu späten Behandlung?

Ohne Behandlung ist der vollständige Darmverschluss lebensgefährlich. Mögliche Folgen sind:

  • Absterben von Darmteilen
  • Durchbruch von Darminhalt durch die Darmwand
  • Schock durch den Flüssigkeitsverlust
  • Schwere Blutvergiftung (Sepsis)

Wer erkrankt an einem Darmverschluss?

Menschen in jedem Alter sind betroffen. Die Beschwerden dürfen nicht unterschätzt werden, bei Anzeichen muss zur Sicherheit umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Wie verläuft die Nachversorgung?

In den ersten Tagen nach einer OP erhält der Patient keine Nahrung, stattdessen findet die Flüssigkeits- und Nährstoffversorgung per Tropf statt. Fünf bis sieben Tage später beginnt die Gewöhnung an Nahrung über den Magen-Darm-Trakt. Der Patient muss sich an den Anweisungen des Arztes halten, eine Überlastung ist in jedem Fall zu vermeiden.

Werde ich bei Darmverschluss krankgeschrieben?

Der Darmverschluss macht einen Krankenhausaufenthalt notwendig. In der Folge werden Betroffene krankgeschrieben.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77186/Ileus-Ursachen-des-Passagestopps-im-Darm-erkennen
  • https://www.apotheken-umschau.de/Darmverschluss
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/121092/Funktionelle-Darmbeschwerden-bei-Erwachsenen