Ärztliche Beratung zu Tenuate erhalten

Unser Tenuate-Ratgeber liefert Ihnen hilfreiche Informationen rund um das Medikament. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit offene medizinische Fragen einfach & schnell in einem Online-Arztgespräch per Video zu klären, oder sich zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Unsere Ärzte stellen für dieses Medikament keine Rezepte aus.
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TeleClinic-Ärzte stellen wegen des Risikos für Missbrauch und psychische Abhängigkeit kein Rezept für Tenuate Retard® aus.

Ratgeber zu Tenuate Retard®

Appetitzügler zur kurzfristigen Unterstützung bei starkem Übergewicht

Tenuate Retard® ist ein Appetitzügler und in Deutschland zur unterstützenden Behandlung bei einem Body-Mass-Index ab 30 zugelassen. Der Wirkstoff Amfepramon verändert die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn und unterdrückt so Bedürfnisse wie Appetit, Durst, Schlaf. Amfepramon kann starke Nebenwirkungen auslösen und zu Missbrauch und Abhängigkeit führen. Deshalb fällt der Wirkstoff ab einer bestimmten Dosierung unter das Betäubungsmittelgesetz und wird auf einem BtM-Rezept verordnet. Die zugelassenen Medikamente sind niedriger dosiert, trotzdem verschreibungspflichtig.

Kurzfassung

  • Tenuate Retard® ist ein sogenanntes Antiadipositum mit dem Wirkstoff Amfepramon. 
  • Amfepramon hat appetithemmende Effekte, indem es im Zentralen Nervensystem die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin freisetzt. Gleichzeitig wirkt es psychisch stimulierend
  • Die appetitzügelnde Wirkung soll dem gedämpften Appetit in Stresssituationen entsprechen.
  • Die Wirksamkeit von Tenuate Retard® und vergleichbaren Präparaten ist umstritten und hält nur kurzfristig an.
  • Der bestimmungsgemäße Gebrauch beschränkt sich auf maximal zwölf Wochen.
  • Tenuate Retard® soll von suchtgefährdeten oder abhängigen Personen gar nicht und von adipösen Patienten nur unter strenger ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
  • In der S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ ist dieses „Lifestyle-Medikament” nicht erwähnt.

Was ist Tenuate Retard®?

Tenuate Retard® gehört zur Gruppe der sogenannten Antiadiposita und enthält den Arzneistoff Amfepramon. Die Substanz beeinflusst die körpereigene Regulation von Hunger und Sättigung im Gehirn und führt dort zu Effekten, die denen des Stresshormons Adrenalin ähneln

Amfepramonhaltige Arzneimittel reduzieren das Hungergefühl, die damit erklärt werden, dass es im Zentralen Nervensystem die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin freisetzen. Gleichzeitig wirken sie psychisch stimulierend und können somit zu den Psychostimulantien gezählt werden. 

Wegen des damit verbundenen Risikos für Missbrauch und Abhängigkeit fällt der Wirkstoff ab einer bestimmten Dosierung unter das Betäubungsmittelgesetz und wird auf einem BtM-Rezept verordnet. Die zugelassenen Medikamente sind aber niedriger dosiert.

Der Wirkstoff wird wegen seiner erheblichen Nebenwirkungen und wegen des Potenzials für Missbrauch und psychische Abhängigkeit in Deutschland nur noch selten verordnet.

Kurzfristiger Begleiter ab BMI 30

Tenuate Retard® kann bei stark übergewichtigen Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30 verordnet werden, bei denen eine Ernährungsumstellung, Bewegungs- und Verhaltenstherapie nicht ausreicht.

Der bestimmungsgemäße Gebrauch ist auf wenige Wochen begrenzt, für eine längerfristige Therapie der Adipositas ist das Mittel nicht geeignet.

In der S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) zur „Prävention und Therapie der Adipositas“ wird dieses „Lifestyle-Medikament” daher nicht erwähnt.

Anwendung, Dauer, Dosierung

Tenuate Retard® ist in Packungsgrößen zu je 30 oder 60 Tabletten erhältlich. Jede Tablette enthält 63,69 Milligramm Amfepramon.

Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren nehmen eine Tablette unzerkaut mit viel Flüssigkeit vormittags beziehungsweise eine Stunde vor dem Mittagessen – und das über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen und nicht länger als drei Monate.

Die Medikation findet begleitend zu einem individuell angepassten Ernährungskonzept, einem Sportprogramm und gegebenenfalls der Betreuung durch einen Psychotherapeuten statt.

Nie ohne ärztliche Betreuung

Amfepramonhaltige Medikamente wie Tenuate Retard® werden immer unter ärztlicher Aufsicht eingenommen. Vorher werden organische und psychische Erkrankungen ausgeschlossen. 

Stellt sich nach einem Monat kein Erfolg ein, wird die Einnahme von Tenuate abgebrochen.

Nicht verordnet wird das Arzneimittel bei

  • Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • psychischen Erkrankungen
  • früheren oder noch bestehenden Suchterkrankungen (Alkohol, Medikamente, Drogen)

Kinder unter 12 Jahren, Schwangere und Stillende dürfen Tenuate Retard® nicht einnehmen.

Nebenwirkungen

Die Wirkung des Arzneistoffs auf das zentrale Nervensystem geht mit unerwünschten Wirkungen einher: 

  • Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
  • Bluthochdruck
  • Lungenhochdruck
  • quälende Erregungszustände
  • gesteigerte Reizbarkeit
  • Konzentrations- und Schlafstörungen
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darmbeschwerden
  • Nachlassen der Libido, Impotenz
  • Depressionen, Psychosen, Neurosen

Die Liste der bekannten Nebenwirkungen ist deutlich länger. Bei längerer Einnahme kann Amfepramon psychisch abhängig machen.

Aktuell führt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) seit Februar 2021 eine Sicherheitsbewertung durch, denn trotz anders lautender Empfehlungen wird Tenuate Retard® länger als drei Monate angewendet, während der Schwangerschaft eingenommen und die empfohlene Höchstdosis überschritten.

Fragen & Antworten

Kann man Tenuate ohne Rezept online bestellen, beispielsweise im Ausland?

Amfepramonhaltige Präparate sind inzwischen in vielen Ländern komplett verboten. Innerhalb der EU sind sie nur noch in Dänemark, Deutschland und Rumänien zugelassen. Werden sie dennoch im Internet angeboten, sind weder die Zusammensetzung noch die Unbedenklichkeit garantiert. In den Tabletten kann also jede Menge „Dreck” stecken.

Sind Appetitzügler wirklich so gefährlich?

Ja, der Eingriff in den gesamten Stoffwechsel einschließlich in den des Gehirns kann ohne ärztliche Aufsicht und Kontrolle schwere Nebenwirkungen haben.

Was kann man stattdessen tun, um Gewicht zu verlieren?

Neben einer Ernährungsumstellung mit deutlich eingeschränkter Kalorienzufuhr sind tägliche Bewegung, Sport, genügend Schlaf und Entspannung, gegebenfalls eine Verhaltenstherapie nötig, um einen langfristigen Abnehmerfolg zu erzielen.

Für adipöse Patienten sind auf politischer Ebene inzwischen intensive Bemühungen im Gange, um sie leitliniengerecht zu behandeln und im Umgang mit der Erkrankung zu unterstützen. Die detaillierten Anforderungen an das “Disease Management Programm Adipositas” werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bis zum 31. Juli 2023 beschlossen.

Quellen

  • https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/050-001.html
  • https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/a-f/amfepramon.html
  • https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-10-2016/mit-arzneimitteln-zum-wunschgewicht
  • https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2001/
  • https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/appetithemmer-fuer-ein-abnehmen-ohne-hunger-13403
  • https://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Beipackzettel/TENUATE-Retard-Tabletten-2033469.html
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Dieser TeleClinic-Ratgeber wurde nach höchstem wissenschaftlichen Standard von unseren Medizinredakteuren verfasst. Die Artikel sollen Ihnen lediglich Erstinformation zu diversen Themen bieten und können keine ärztliche Diagnose ersetzen. Gerne beraten Sie unsere Fachärzte weiterführend in einem Online-Arztgespräch.

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