Ihr Ratgeber zum Afterriss

Ein Afterriss ist nicht nur extrem schmerzhaft beim täglichen Toilettengang. Eine Verletzung der äußerst intimen Körperregion ist vielen Betroffenen so unangenehm, dass sie aus Scham einen Arztbesuch vermeiden. Dabei ist die Analfissur keine Bagatelle. Hier erfahren Sie, was Sie über den Afterriss wissen müssen und warum er unbedingt unter ärztliche Obhut gehört.

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Ratgeber zum Afterriss

Kurzfassung

  • Ein Afterriss ist eine mechanisch oder entzündlich hervorgerufene Verletzung des Anal- und Enddarmbereichs.
  • Diese kann durch unterschiedliche Faktoren entstehen. In den meisten Fällen besteht Zusammenhang mit einer Verstopfung.
  • Es entsteht erheblicher Leidensdruck durch Schmerzen und psychologische Faktoren.
  • Der Afterriss muss medizinisch behandelt werden, um Folgeerkrankungen und verzögerter Heilung vorzubeugen.
  • Es sind medikamentöse und operative Therapien möglich.

Definition

Von einem Afterriss beziehungsweise einer Analfissur spricht der Mediziner bei einer Verletzung im inneren Enddarm.

  • Meist entsteht eine solche Verletzung auf der dem Steißbein zugewandten Seite des Darms.
  • Je nach Schwere der Wunde ist die Darmschleimhaut oberflächlich oder bis zum Gewebe darunter eingerissen.
  • Auch eine mechanische Reizung durch einen Schnitt oder Kratzer ist möglich.
  • Die Verletzung hat einen länglichen Verlauf von ein bis zwei Zentimetern.

Symptome

Die Schleimhaut zwischen Enddarm und After ist extrem sensitiv und damit auch schmerzempfindlich. Das liegt an zahlreichen Nervenbahnen, die an dieser Stelle enden. Ein Afterriss macht sich durch die folgenden Symptome bemerkbar:

  • Stechende Schmerzen beim Stuhlgang
  • Anhaltende Schmerzen, auch zeitverzögert zum Stuhlgang
  • Brennen und Jucken im Analbereich
  • Gegebenenfalls aufliegendes, hellrotes Blut im Stuhl
  • Schleimabsonderungen im Stuhl und Analbereich

Wichtig: Schmerzen und Blutungen müssen nicht zwingend verknüpft sein. Die Symptome können auch einzeln auftreten.

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Diagnose

Um seine Diagnose zu stellen, wird der Arzt zunächst andere Ursachen für die Schmerzen beim Stuhlgang ausschließen. Das geschieht über ein detailliertes Patientengespräch, bei dem Symptome, Ernährungsgewohnheiten und Krankengeschichte abgefragt werden.

Im Anschluss erfolgt eine Untersuchung:

Abtasten des Enddarms

Bei Schmerzempfindlichkeit gegebenenfalls unter lokaler Betäubung

Manuelles Ertasten von Geschwüren und Verkrampfungen

Proktoskopie (Enddarmspiegelung)

Optische Untersuchung des Enddarms mittels medizinischem Sichtgerät

Sichtbarmachung von Veränderungen im Enddarm

Biopsie

Entnahme von Gewebe

Durch Laboruntersuchungen Erkenntnisgewinn über verborgene Faktoren

Führen all diese Maßnahmen nicht zu einer eindeutigen Abklärung, stehen weitere Diagnoseformen zur Wahl:

  • Computer- oder Magnetresonanz-Tomografie
  • Lasertherapie
  • Darmspiegelung

Ursachen

Der häufigste Auslöser ist eine massive Verstopfung. Verhärteter Stuhl kann beim Versuch der Entleerung die Haut des Darms verletzen.

Ebenso ist es umgekehrt möglich, dass ein Afterriss erst zur Entstehung von Verstopfung führt. Das passiert, wenn der Patient es vor Schmerzen vermeidet, sich zu erleichtern. Verstopfung und Fissur können sich so wechselseitig hochschaukeln.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Entzündliche Darmerkrankungen, zum Beispiel Morbus Crohn
  • Falsches Entleerungsverhalten (zu starkes Pressen)
  • Elastizitätsverlust der Darmschleimhaut, etwa durch Fisteln oder Abszesse
  • Fremdkörper im Analbereich
  • Analverkehr

Risikofaktoren

Ein Afterriss kann jeden Menschen jederzeit treffen. Es gibt allerdings eine statistische Häufung, nach der Analfissuren besonders häufig bei Menschenzwischen 30 und 40 Jahren auftreten. Männer sind häufiger betroffen.

Krankheiten, die die Entstehung einer Analfissuren zusätzlich begünstigen können, sind

Verlauf

Die Schmerzen durch die Analfissur führen zu einem fatalen Vermeidungsverhalten. Betroffene scheuen den Toilettengang. Das hat zur Folge, dass der Stuhl im Enddarm noch härter wird. Gleichzeitig kann es zu einer Verkrampfung des Schließmuskels kommen, was weitere Beschwerden fördert.

Als Folgeerscheinung des Afterrisses kann es durch das Eindringen von Darmbakterien in die Wunde zu Infektionen kommen. Auch verminderte Durchblutung der Schleimhaut führt zu einem verzögerten Heilungsprozess.

Unterschieden werden zwei Verlaufsformen des Afterrisses: der akute und der chronische.

Akuter Afterriss

Zeitnah und richtig behandelt, heilt eine akute Analfissur binnen weniger Wochen aus. Die Therapie erfolgt medikamentös.

Chronischer Afterriss

Chronisch wird der Afterriss bei einer Dauer von mehr als sechs Wochen. Zur ursprünglichen Verletzung können sich Entzündungen störende Gewebeveränderungen („Vorpostenfalte“) ausbilden.

Behandlung

Zur Kur eines Afterrisses können unterschiedliche medizinische Mittel angewandt werden:

  • Entzündungshemmende Medikamente in Form von Analzäpfchen, Cremes und speziellen Tampons (Wirkstoffe: Glyceryl-Trinitrat, Nitroglycerin, Kalziumantagonisten)
  • Schmerzmittel
  • Örtliche Betäubung mit Botulinumtoxin (Botox) zur Entlastung des Schließmuskels

In besonders schweren Fällen kann eine Analfissur auch operativ behandelt werden. Es gibt zwei Methoden:

  • Fissurektomie: Dabei wird die Fissur mitsamt umgebendem Gewebe entfernt. Der Heilungsprozess erstreckt sich über mehrere Wochen.
  • Sphinkterotomie: Dabei wird der Schließmuskel partiell aufgetrennt und somit der Druck auf die Fissur entlastet.

Wichtig: Bei den operativen Methoden besteht vor allem bei Senioren das Risiko von Inkontinenz.

Prävention

Einem durch Verstopfung bedingten Afterriss können Sie durch ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr vorbeugen. Seien Sie außerdem bei gewissen Sexualpraktiken sehr vorsichtig.

Wichtig ist darüber hinaus eine gute Analhygiene. Warme Sitzbäder verschaffen ebenfalls Linderung.

Wann zum Arzt mit einer Analfissur?

Da der Afterriss immer das Risiko einer Entzündung birgt und ein Symptom verschiedener Krankheiten darstellen kann, sollten Sie den Besuch des Arztes keinesfalls aufschieben.

Fragen und Antworten

Welcher Arzt behandelt einen Afterriss?

Der kompetente Ansprechpartner für eine Analfissur ist der Proktologe. Ihr Hausarzt stellt Ihnen eine Überweisung zum Fachkollegen aus.

Was ist ein Analdehner zur Behandlung von Afterrissen?

Es handelt sich um einen kleinen Plastikkegel, mit dem der Patient gegebenenfalls seinen verkrampften Schließmuskel regelmäßig vorsichtig dehnt. Dadurch wird die Durchblutung reaktiviert und der Stuhlgang wieder erleichtert.

Quellen

  • https://www.lifeline.de/krankheiten/analfissur-id38754.html
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/40128/Behandlung-der-chronischen-Analfissur
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/13850/Botulinum-Toxin-bei-Analfissur
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/115703/Akute-Analfissur
  • https://www.apotheken-umschau.de/analfissur
  • https://www.onmeda.de/krankheiten/analfissur.html
  • https://deximed.de/home/b/magen-darm-trakt/patienteninformationen/enddarm/analfissur/
  • https://www.darmsprechstunde.de/diagnosen/analfissur/