Ihr Ratgeber zu Keuchhusten

Keuchhusten tritt infolge einer bakteriellen Infektion der oberen Atemwege auf. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wird Keuchhusten oft nicht als solcher erkannt. Das erhöht das Risiko einer Übertragung auf Säuglinge und Kleinkinder. Je jünger die Kinder sind, desto gefährlicher ist die Erkrankung.

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Keuchhusten

Das Wichtigste in Kürze

  • Keuchhusten ist keine harmlose Kinderkrankheit, die Infektion kann einen schweren Verlauf nehmen.
  • Sowohl eine Impfung als auch eine durchgemachte Erkrankung schützen nur etwas sechs bis zehn Jahre vor einer erneuten Infektion. Keuchhusten kann mehrmals im Leben auftreten.
  • Eine Behandlung mit Antibiotika kann den quälenden Husten lindern und Ansteckungen vermeiden, wenn sie früh genug beginnt.
  • Der beste Schutz vor eine Ansteckung ist die regelmäßige Impfung.

Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten (Pertussis) ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Die langwierige Krankheit zeigt sich durch starke Hustenanfälle, an deren Ende die Betroffenen pfeifend oder keuchend einatmen. Das Keuchen entsteht durch eine Verspannung des Kehlkopfes, der den Luftweg stark verengt.

Der quälende Husten tritt in stakkatoartigen Attacken bis zu 50-mal täglich auf, extrem stark sind die Anfälle in der Nacht. Das krampfartige, unbeherrschbare Husten kann zu Erbrechen führen. Zudem würgen Erkrankte oft zähen Schleim aus.

Welche Ursache hat Keuchhusten?

Auslöser für die Erkrankung sind drei verschiedene Bakterienstämme. Hauptverursacher ist Bordetella pertussis, seltener verursachen die verwandten Keime Bordetella parapertussis oder Bordetella holmesii die Beschwerden. Bei Letzteren ähneln die Symptome stark denen einer Infektion mit Bordetella pertussis, aber die Krankheit verläuft leichter und kürzer.

Wer ist besonders gefährdet?

Im Prinzip besteht für jeden Menschen ein Keuchhusten-Risiko, wenn keine ausreichende Immunität vorliegt. Nach einer Infektion mit dem Erreger sind Betroffene in der Regel für dreieinhalb bis zwölf Jahre vor einer neuen Ansteckung geschützt. Nach einer dreimaligen Grundimmunisierung besteht für fünf Jahre Schutz.

Keuchhusten ist eine Tröpfcheninfektion. Die Übertragung erfolgtbeim Sprechen, Husten oder Niesen, der Erreger überwindet dabei Strecken von etwa einem Meter unbeschadet.

Die regelmäßige Impfung gegen Keuchhusten schützt zu 85 Prozent vor einer Ansteckung.

Symptome von Keuchhusten

Keuchhusten ist eine langwierige Erkrankung, die in verschiedenen Phasen verläuft. Insgesamt können zwischen dem Ausbruch und der vollständigen Erholung Wochen oder Monate liegen. Je nach Alter der Betroffenen zeigt sich Keuchhusten durch sehr unterschiedliche Beschwerden.

Keuchhusten beginnt mit dem sogenannten Stadium catarrhale, das Symptome einer Erkältung zeigt. Typisch sind leichter Husten, Schnupfen sowie kein oder nur leichtes Fieber. Diese Phase dauert ein bis zwei Wochen.

Keuchhusten bei Säuglingen

Bei Säuglingen ist Keuchhusten besonders gefährlich. Kinder in diesem Alter können sich noch nicht aufsetzen und das Husten so erleichtern. Eltern sollten nach einer vermeintlichen Erkältung auf folgende Symptome achten:

  • Atemaussetzer oder gar Atemstillstand
  • blau angelaufenes Gesicht

Bis zu zehn Prozent der Säuglinge und Kleinkinder zeigen nicht das typische anfallsartige Husten mit anschließendem keuchendem Einatmen. Säuglinge unter sechs Monaten sind vergleichsweise stark anfällig für schwerwiegende Komplikationen. Bei ihnen ist häufig eine Krankenhausbehandlung erforderlich und es kommt zu den meisten Todesfällen.

Erwachsene und Jugendliche sind die Hauptinfektionsquelle für Säuglinge, daher ist ein lückenloser Impfschutz bei den Bezugspersonen angeraten.

Keuchhusten bei Schulkindern

Schulkinder sind zu 85 Prozent gegen Keuchhusten geimpft. Tritt die Erkrankung bei ihnen auf, sehen Eltern nach dem Stadium catarrhale meist die klassischen Symptome:

  • anfallartiger, starker Husten
  • keuchendes oder pfeifendes Einatmen am Ende der Attacke
  • Erbrechen durch starken Husten
  • Schlaflosigkeit aufgrund nächtlicher Anfälle
  • Gewichtsabnahme durch mangelnden Appetit und Erbrechen

Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen

In dieser Altersgruppe verläuft der Keuchhusten oft asymptomatisch und wird nicht als solcher erkannt. Betroffene glauben häufig, an einer extrem hartnäckigen Erkältung zu leiden.

Keuchhusten ist mindestens drei Wochen lang ansteckend. In dieser Zeit stecken infizierte Personen im Schnitt 17 weitere an.

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Der Verlauf der Erkrankung

Insgesamt lässt sich Keuchhusten in vier Stadien aufteilen. Das sind Folgende:

StadienDauerSymptome

Stadium catarrhale

1 bis 2 Wochen

erkältungsähnlich mit Husten und Schnupfen; kein oder nur schwaches Fieber

Stadium convulsivum

4 bis 6 Wochen

bellender Husten im Stakkato, keuchendes Einatmen am Ende, Erbrechen, zäher Auswurf

Stadium decrementi

6 bis 10 Wochen

langsam abklingender Husten

Bei Jugendlichen und Erwachsenen lassen sich die klassischen Phasen oft nicht unterscheiden, die Beschwerden erinnern an eine nicht ausheilende Erkältung.

Wie erfolgt die Keuchhusten-Diagnose?

Treten während der akuten Hustenphase die klassischen Symptome für Keuchhusten auf, erfolgt die Erstdiagnose in der Regel durch den Arzt. Eine Laboruntersuchung dient zur Bestätigung. Da die Erkrankung insbesondere bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig in Form von lang andauerndem Husten ohne die typischen Beschwerden auftritt, empfehlen Mediziner die Abklärung im Labor. So ist eine sichere Diagnose möglich.

Die Behandlung bei Keuchhusten

Zur Behandlung der Erkrankung bestehen verschiedene Optionen:

  • Antibiotika (das Bakterienwachstum hemmende Mittel) lindern die Heftigkeit der Hustenanfälle und verkürzen die Dauer der Erkrankung.
  • Zudem verhindern diese Mittel die Ansteckung von weiteren Personen.
  • Das funktioniert allerdings nur, wenn die Therapie möglichst vor Beginn der Hustenphase (Stadium catarrhale) oder spätestens zwei Wochen nach deren Beginn einsetzt.

Hausmittel bei Keuchhusten

Wirksame Hausmittel bei Keuchhusten gibt es nicht. Folgende Maßnahmen sind empfehlenswert:

  • Ruhe und reizarme Umgebung
  • viel trinken
  • regelmäßige, kleine Mahlzeiten

Die Erkrankung ist auch unter dem Namen 100-Tage-Husten bekannt. Rechnen Sie bei Keuchhusten mit einer Arbeitsunfähigkeit für mehrere Wochen oder Monate.

Fragen und Antworten

Ab wann können Kinder gegen Keuchhusten geimpft werden?

Säuglinge erhalten die erste Impfung gegen Keuchhusten im Alter von zwei Monaten. Es erfolgen Wiederholungen im dritten und im vierten Monat. Den letzten Teil der Grundimmunisierung führen Kinderärzte zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat durch. Danach sind eine Auffrischung des Impfschutzes im Alter von fünf bis sechs Jahren und eine weitere zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr vorgesehen.

Wie lassen sich Erwachsene gegen Keuchhusten impfen?

Es steht derzeit kein Einzelimpfstoff gegen die Erkrankung zu Verfügung. Die Impfung ist mit einem Kombinationsimpfstoff im Rahmen der Tetanus-Diphtherie-Auffrischung möglich.

Wie ansteckend ist Keuchhusten?

Im engen familiären Kontakt verbreitet sich Keuchhusten zu nahezu 100 Prozent. Personen ohne Impfschutz oder Immunschutz durch eine vorangegangene Infektion erkranken in der Regel alle.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/61447/Pertussis-nicht-nur-eine-Kinderkrankheit
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/92179/Warum-Keuchhusten-trotz-hoher-Impfquote-wieder-haeufiger-wird
  • https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/keuchhusten-bei-erwachsenen-haeufig-als-erkaeltungshusten-verkannt/
  • https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/keuchhusten-pertussis/was-ist-keuchhusten-pertussis/