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Ratgeber zum Scheidenpilz

Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und vorbeugende Maßnahmen bei Scheidenpilz

In den Praxen von Frauenärzten gehören Pilzinfektionen zu den häufigsten Diagnosen. Viele Frauen haben einen Scheidenpilz und bemerken diesen erst, wenn sich der Pilz stark vermehrt und es zum starken Juckreiz kommt. Erfahren Sie jetzt mehr über Ursachen, Symptome und die richtige Behandlung.

Kurzfassung

  • Der Scheidenpilz gehört zu den häufigsten Erkrankungen des weiblichen Genitalbereichs.
  • Übertriebene Intimhygiene, die Antibabypille und eine Antibiotika-Behandlung zählen zu häufigen Ursachen.
  • Symptome sind ein starker Juckreiz, Ausfluss, Brennen, weißliche Beläge und eine Rötung oder Schwellung.

Was ist ein Scheidenpilz?

Bei der vaginalen Pilzinfektion handelt es sich um eine Infektion der Scheide und/oder des Scheideneingangs. In den meisten Fällen sind Hefepilze die Auslöser. Daher wird diese Infektion umgangssprachlich Scheidenpilz genannt. Medizinische Bezeichnungen sind Vaginalkandidose oder Vaginalmykose.

Verursacher: Candida albicans

Die Erkrankung ist unangenehm, jedoch in der Regel nicht gefährlich. Verursacher sind in rund 80 Prozent der Fälle der Hefepilz Candida albicans oder eine verwandte Pilzart des Genus Candida. Die Pilze gehören bei fast allen Menschen zur Haut- und Darmflora. Eine alternative Bezeichnung der Krankheit ist Soorkolpitis oder Vaginalsoor.

Wichtig: Laut Statistik haben 75 Prozent aller Frauen mindestens einmal im Leben einen Scheidenpilz, der Auslöser der Erkrankung ist nicht immer klar.

Die gesunde Scheidenflora: pH-Wert im sauren Bereich

Die Vaginalflora bezeichnet die natürliche Besiedlung der Scheide mit unterschiedlichen Arten von „guten“ Milchsäurebakterien. Die natürliche Scheidenflora ist also nicht keimfrei, sondern enthält geringe Menge verschiedener Bakterien und teilweise auch Hefepilze.

  • Diese Döderlein-Bakterien und Laktobazillen dienen der lokalen Infektabwehr.
  • Die Milchsäurebakterien sorgen für das saure und erregerfeindliche Scheidenmilieu.
  • Der saure pH-Wert der Scheide verhindert die Ausbreitung von Krankheitserregern.
  • Das Vaginalmilieu hat meist einen pH-Wert von 3,8 bis 4,5.

Wichtig: Für die Abwehr von Pilzinfektionen spielen Faktoren wie die genetische Prädisposition und der Hormonstatus eine wichtige Rolle. Das weibliche Sexualhormon steuert die Menge der Milchsäurebakterien. Bei der Verhütung mit der Pille, während der Periode und nach den Wechseljahren ist das Risiko einer Infektion erhöht.

Ursachen

Die Neutralisierung des vaginalen pH-Werts ermöglicht die Vermehrung der Hefepilze.

Als Ursache der pH-Wert-Veränderung kommen unter anderem Ursachen infrage:

  • Stress
  • Hormonschwankungen
  • Geschwächte Abwehrkräfte
  • Geschlechtsverkehr
  • Luftundurchlässige Kleidung
  • Falsche Intimhygiene mit Seife, Shampoo oder Bodylotion
  • Diabetes – der erhöhte Zuckerwert ist in der Scheide ein guter Nährboden für das Pilzwachstum
  • Antibiotika – während einer Antibiotikatherapie werden auch die „guten“ Milchsäurebakterien in der Scheide angegriffen

Oft sind Frauen betroffen, die sehr auf ihre Hygiene im Intimbereich achten. Das Problem: Insbesondere übertriebene Hygiene stellt ein Risiko für eine Infektion dar, sie zerstört die natürlichen Schutzmechanismen der Scheide.

Wichtig: Die Ansteckung mit einem Vaginalpilz im Schwimmbad oder in der Sauna ist nicht möglich. Das chlorhaltige Wasser kann allerdings den pH-Wert vorübergehend neutralisieren und die Säure ausschwemmen, sodass in der Folge eine Pilzinfektion möglich ist.

Scheidenpilz durch Verhütung mit der Pille?

Wenn Sie mit der Pille verhüten und öfter unter einem wiederkehrenden Scheidenpilz leiden, sollten Sie eine andere Pille oder eine andere Verhütungsmethode ausprobieren. Die zusätzlich zugeführten Hormone können nämlich die Scheidenflora negativ beeinflussen.

Symptome

Typische Merkmale der vaginalen Pilzinfektion sind ein starker Juckreiz und weißer Ausfluss.

  • Der Ausfluss ist beim Zerreiben zwischen den Fingern bröckelig. Meist ist dieser anfangs dünnflüssig und riecht säuerlich oder ist geruchsneutral, später eher flockig und hat eine „käsige“ Konsistenz.
  • Zudem hat die Vaginalschleimhaut oft weiße Beläge, die Scheide ist geschwollen und gerötet.
  • Es kann zur Wundheit kommen, was Brennenbeim Wasserlassen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zur Folge hat.

Bei jungen Frauen beginnt die Erkrankung meist in der Vagina und breitet sich von dort aus. Ältere Frauen leiden häufiger über einen Befall des äußeren Genitalbereichs.

Von einem chronischen Scheidenpilz wird gesprochen, wenn Sie häufiger als vier Mal im Jahr innerhalb von zwei Monaten erkranken. Dann bleibt der Ausfluss meist aus und das einzige Symptom ist der Juckreiz. Dieser ist nach dem Sex bemerkbar oder tritt vor der Periode ein.

Wie stellt der Frauenarzt die Diagnose?

Für eine mikroskopische Untersuchung wird Scheidensekret mit einem Wattestäbchen entnommen, dabei sind die Pilzerreger erkennbar. Wenn es sich um eine Mischinfektion mit Bakterien handelt, zeigen sich bei der Untersuchung auch Bakterien.

  • Zusätzlich überprüft der behandelnde Frauenarzt den pH-Wert mithilfe eines speziellen Streifens und kann eine akute Infektion in der Regel schnell diagnostizieren.
  • Gibt es einen Verdacht auf einen chronischen Scheidenpilz, kommt zusätzlich eine Probe ins Labor. Dort erfolgt eine weiterführende Analyse des Sekrets auf Viren und Bakterien, so lässt sich eine andere Art der Infektion ausschließen.

Nach der Feststellung des Erregers folgt die Auswahl der optimalen Therapieform.

Behandlung

Die Art der Therapie hängt vom Schweregrad ab und davon, ob es sich um eine chronische Infektion handelt.

  • Für die lokale Therapie gibt es Salben, Tabletten, pilzabtötende Scheidenzäpfchen und Antimykotika.
  • Mit Fluconazol kann eine einmalige systemische Therapie erfolgen. Die Inhaltsstoffe wirken im ganzen Körper.
  • Bei wiederkehrenden Infektionen findet meist eine systemische Behandlung mit oral einzunehmenden Medikamenten statt.

Sie sollten die Therapie so lange wie verordnet durchführen. In der Regel klingen die Beschwerden nach Behandlungsbeginn schnell ab, es können jedoch weiterhin Pilze vorhanden sein. Bei frühzeitigem Therapieabbruch ist daher ein Rückfall möglich.

Wichtig: Tritt die Infektion immer wieder auf, ist auch die Behandlung des Partners empfohlen. So lässt sich das Risiko einer Neuansteckung vermeiden.

Prävention

Seife, Intimspray, Shampoo und Duschgel gehören nicht in den Intimbereich. Die vaginale Schleimhaut sollte nicht direkt mit Seife, Bodylotion oder Ähnlichem in Kontakt kommen, damit die Scheidenflora nicht gestört wird. Der Grund: Die enthaltenen Stoffe können die natürliche Scheidenflora und das saure Milieu zerstören.

Tipps zur Prävention:

  • Für den äußeren Genitalbereich gibt es Waschlotionen mit einem pH-Wert von rund 3,5.
  • Die Vagina sollte in der Regel nicht gereinigt werden.
  • Nach dem Duschen den Genitalbereich gut abtrocknen.
  • Nach dem Stuhlgang wird von der Scheide aus Richtung After abgewischt.
  • Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist die Verwendung atmungsaktiver Wäsche. Kommt es durch luftundurchlässige Kleidung zum Feuchtigkeitsstau, können sich die Pilze besser vermehren.

Fragen und Antworten

Kann ich den Scheidenpilz selbst mit Naturjoghurt behandeln?

Die meisten Frauenärzte lehnen die Selbstbehandlung mit Naturjoghurt ab. Dieser kann die Symptome vorübergehend lindern, jedoch nicht den pH-Wert zurück in den sauren Bereich verschieben.

Worauf muss ich beim Scheidenpilz und der Empfängnisverhütung achten?

Zur Behandlung verwendete Scheidenzäpfchen, Salben und Cremes können Stoffe wie Fette und Öle enthalten, die das Material von Kondomen und Diaphragmen aus Latex angreifen. Daher gilt die Empfängnisverhütung mit Latex-Kondomen und -Diapghragnen während der Therapie als nicht sicher.

Ist eine Antipilzdiät sinnvoll?

Im Rahmen der Scheidenpilz-Prävention ist eine Ernährungsumstellung mit Verzicht auf zuckerhaltige Nahrungsmittel nicht empfohlen. Die Wirksamkeit solch einer sogenannten Antipilzdiät ist wissenschaftlich nicht belegt und auch nicht begründet.

Ist der Scheidenpilz für die Gesundheit gefährlich?

Bei nicht schwangeren Frauen gilt eine Infektion mit Pilzen nicht als gefährlich. Bei schwangeren Frauen besteht allerdings das Risiko, dass sich das Neugeborene infiziert. Frauen erhalten daher in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft häufig eine präventive Behandlung mit Antipilzmitteln.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/1479/Candida-Besiedlung-und-Befall-des-Gastrointestinaltrakts
  • https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/gynaekologische-und-urologische-erkrankungen/was-ist-eine-pilzinfektion-der-scheide-2017312
  • https://www.brigitte.de/gesund/gesundheit/pilzinfektion–scheidenpilz—ein-intimes-problem-10019360.html