Ihr Ratgeber zu Übergewicht

Mittlerweile ist jeder zweite Erwachsene hierzulande übergewichtig. Fettleibigkeit stellt ein ernst zu nehmendes medizinisches Problem dar und begünstigt das Auftreten verschiedener, teilweise lebensbedrohender Krankheiten. Aus diesem Grund raten Mediziner Betroffenen regelmäßig dazu, abzunehmen. Erfahren Sie hier, welche Methoden zur nachhaltigen Gewichtsreduktion zur Auswahl stehen und wie sich ihre Erfolgsaussichten präsentieren.

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Übergewicht

Kurzfassung

  • Übergewicht verbreitet sich in hoch industrialisierten Gesellschaften und Schwellenländern epidemieartig und stellt ein weitverbreitetes Volksleiden dar.
  • Mediziner unterscheiden verschiedene Schweregrade von Übergewicht anhand des BMI.
  • Eine konsequente und dauerhafte Änderung des Lebensstils bewährt sich zum Abbau von zu viel Körperfett.

Definition

Die Standards der WHO (World Health Organisation) für die Diagnose von Übergewicht gelten weltweit. Sie basieren auf dem BMI (Body-Mass-Index). Diese Kennzahl setzt die Körpergröße mit dem Gewicht in Relation.

Die Formel zur Berechnung des BMI teilt das Körpergewicht in Kilogramm durch die zuvor zum Quadrat genommene Körpergröße in Metern.

Entsprechend der WHO-Definition lässt sich die folgende Einteilung vornehmen:

  • Untergewicht: BMI unter 18,5
  • Normalgewicht: BMI zwischen 18,5 und 24,9
  • Übergewicht: BMI zwischen 25 und 29,9
  • Adipositas Grad I: BMI zwischen 30 und 34,9
  • Adipositas Grad II: BMI zwischen 35 und 39,9
  • Adipositas Grad III oder morbide Adipositas: BMI von 40 und mehr

Adipositas ist der medizinische Fachbegriff für Fettleibigkeit beziehungsweise Fettsucht.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein hoher BMI nicht notwendigerweise auf zu viel Körperfett zurückzuführen sein muss. So haben beispielsweise Kraftsportler und Boxer regelmäßig einen erhöhten BMI. Ihr Körper hat einen weit überdurchschnittlichen Anteil an Muskelmasse, die besonders schwer ist.

Die Ursachen von Übergewicht

Übergewicht entsteht, wenn der Körper über die Nahrung mehr Energie erhält, als er durch den Grundumsatz und den Verbrauch bei körperlichen Aktivitäten benötigt. Der Organismus lagert den Überschuss als Fettdepots ab.

Dementsprechend führt der übermäßige Verzehr von kalorienreichen Speisen in Verbindung mit einem Mangel an Bewegung zu einer Gewichtszunahme. Die Ergebnisse verschiedener Forschungen belegen, dass genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Übergewicht spielen.

Hinweis: Bei unveränderter Ernährung und sportlicher Betätigung nehmen Männer und Frauen ab dem 40. Lebensjahr in der Regel automatisch zu. Ihr Grundumsatz sinkt durch den natürlichen Alterungsprozess, insbesondere aufgrund von Umstellungen im Hormonhaushalt.

Darüber hinaus können einige Krankheiten Übergewicht verursachen. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem:

  • Depressionen
  • Morbus Cushing (Überproduktion des körpereigenen Hormons Kortisol)
  • Schilddrüsenunterfunktion

Bestimmte Medikamente lösen ebenfalls regelmäßig eine Gewichtszunahme aus.

Ihr Arzt klärt bei der Behandlung von Übergewicht diese möglichen Faktoren ab, bevor er Ihnen einen Therapievorschlag unterbreitet.

Gesundheitsrisiken durch Übergewicht

Übergewicht kann viele verschiedene, zum Teil lebensbedrohende oder -verkürzende Erkrankungen verursachen. So löst Fettleibigkeit in vielen Fällen eine arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) aus, die wiederum das Auftreten von koronaren Herzerkrankungen, vor allem Infarkte, sowie einer Arteriosklerose (Verkalkung der Arterien) begünstigt.

Diabetes Typ II tritt bei übergewichtigen Personen deutlich häufiger auf als bei normalgewichtigen. Dies gilt bereits für Männer und Frauen, die einen BMI von 25 haben.

Übergewicht vergrößert das Risiko, an verschiedenen Krebsarten zu erkranken. Dies trifft insbesondere auf die folgenden Tumorerkrankungen zu:

  • Speiseröhrenkrebs
  • Darmkrebs
  • Nierenkrebs
  • Brust- und Gebärmutterhalskrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs

Darüber hinaus erhöht Übergewicht die Wahrscheinlichkeit, verschiedene orthopädische Beschwerden zu entwickeln. Der gesamte Bewegungsapparat leidet unter einer zu starken Beanspruchung beziehungsweise einem vorzeitigen Verschleiß aufgrund der überdurchschnittlichen mechanischen Belastung. Insbesondere diese Erkrankungen stehen in direktem Zusammenhang mit Adipositas:

  • Arthrose in Knien und Hüften
  • Rückenleiden, wie zum Beispiel Bandscheibenvorfälle
  • Fußprobleme

Übergewicht, insbesondere in stark ausgeprägter Form, hat häufig negative Folgen für die Psyche der Betroffenen. An Adipositas Erkrankte neigen zum „Trostessen“: Durch den Verzehr von fett- und kohlenhydratreichen Speisen kommt es zur Ankurbelung der Serotonin-Produktion. Serotonin ist ein Neurotransmitter (Botenstoff im Gehirn), der stimmungsaufhellend wirkt. Nach einer Mahlzeit verspüren Übergewichtige ein zufriedenes und gelassenes Gefühl. Um eine dauerhafte Gewichtsreduktion zu erreichen, müssen Erkrankte diesen Teufelskreis aus Frustration und Essen als Reaktion durchbrechen.

Verschiedene Methoden zur Gewichtsreduktion

Neben der konventionellen, nicht invasiven Behandlung von Übergewicht existieren heute auch verschiedene operative Therapien. Dabei wird das Magenvolumen verkleinert, sodass der Betroffene nur noch sehr kleine Mengen an Nahrung zu sich nehmen kann.

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Gewichtsabnahme auf konventionellem Weg

Eine erfolgreiche Therapie von Übergewicht basiert auf der Reduzierung der täglichen Kalorienzufuhr, die durch ein erhöhtes Maß an körperlichen Aktivitäten ergänzt wird. Allerdings raten Ärzte von einseitigen Diäten ab. Diese weisen die folgenden Nachteile auf:

  • Nährstoffmangel bei längerer Dauer
  • Motivationsprobleme aufgrund eines starken und häufig auftretenden Hungergefühls
  • Kein Lerneffekt in Bezug auf die dauerhafte Umstellung der Ernährung

Dagegen bewährt sich eine kalorienreduzierte Mischkost, die viel Gemüse, gesunde Fette und eine ausreichende Menge an Eiweiß enthält.

Hinweis: Tritt Übergewicht zusammen mit einer Essstörung, wie zum Beispiel Binge Eating (Essattacken mit Kontrollverlust) auf, ist auch eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich.

Operationen für die Adipositas-Therapie

Der Oberbegriff für diese Behandlungen lautet bariatrische Chirurgie, ein Spezialgebiet der Viszeralchirurgie (Operationen des Bauchraums und der Bauchdecke). Zu den Operationsverfahren zählen:

  • Magenbypass
  • Magenband
  • Schlauchmagen

Fragen und Antworten

Sind Männer und Frauen im gleichen Ausmaß von Übergewicht betroffen?

Nein, Männer sind deutlich häufiger übergewichtig als Frauen. Nach einer Studie, die das durchschnittliche Gewicht der deutschen Bevölkerung im Jahr 2017 untersuchte, haben 62 Prozent aller männlichen Erwachsenen einen zu hohen BMI, aber nur 43 Prozent der Frauen.

Gilt die Definition von Übergewicht gemäß WHO-Standard auch für Kinder?

Nein, für Mädchen und Jungen existieren andere Standards. Kinderärzte überprüfen das Gewicht regelmäßig im Rahmen der Gesundheitsuntersuchungen U1 bis U9 sowie J1.

Warum kommt es bei den gesundheitlichen Folgen des Übergewichts auch auf die Fettverteilung an?

Fett im Bauchraum gilt als besonders gefährlich, da es hormonaktiv wirkt. Die Fettverteilung lässt sich durch den Quotienten aus Taillen- und Hüftumfang messen und vergleichen. Noch einfacher zu handhaben ist die folgende Faustregel, die unabhängig von der Körpergröße gilt: Bei Frauen sollte der Bauchumfang den Wert von 88 Zentimetern, bei Männern von 102 Zentimetern nicht übersteigen.

Ab welchem BMI kommt ein bariatrischer Eingriff infrage?

In der Regel ist eine operative Magenverkleinerung erst ab einem BMI von 40 empfehlenswert.

Quellen

  • https://www.apotheken-umschau.de/Uebergewicht
  • https://www.tagesschau.de/statistik-uebergewicht-101.html#targetText=Mehr%20als%20die%20H%C3%A4lfte%20aller,der%20Erwachsenen%20in%20Deutschland%20%C3%BCbergewichtig.
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/9630/Essen-Serotonin-und-Psyche-Die-unbewusste-nutritive-Manipulation-von-Stimmungen-und-Gefuehlen
  • https://www.apotheken-umschau.de/bmi-rechner
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/2589/Therapie-der-Adipositas
  • https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/kindergesundheit/frueherkennungsuntersuchung-bei-kindern.html
  • https://www.apotheken-umschau.de/Adipositas-Fettsucht
  • https://www.apotheken-umschau.de/Abnehmen/Gewicht-Jedes-Jahr-ein-Kilo-mehr-108247.html
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/110451/Chirurgische-Therapie-der-Adipositas-Mortalitaet-innerhalb-von-sechs-Jahren-nicht-gesenkt
  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/179375/Bariatrische-Chirurgie-Magenbypass-bevorzugte-Operation