Ihr Ratgeber zu Scharlach

Scharlach gehört zu den klassischen Kinderkrankheiten und konnte in den letzten Jahrzehnten stark zurückgedrängt werden. Erwachsene sind in weit geringerem Ausmaß betroffen, doch eine Ansteckung ist möglich. Wie Sie die Infektionskrankheit erkennen und welche Therapiemöglichkeiten sich bei Scharlach bieten, erfahren Sie im Folgenden.

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Scharlach-Ratgeber

Kurzfassung

  • Scharlach ist eine von Streptokokken versuchte Infektionskrankheit.
  • Besonders häufig sind Kinder im Alter zwischen vier und sieben Jahren betroffen.
  • Seit der Entwicklung von Antibiotika konnten Scharlach-Epidemien in Europa weitgehend zurückgedrängt werden.

Definition

Scharlach ist eine von Streptokokken (Bakterien) hervorgerufene, hochansteckende Krankheit. Der englische Name Scarlet Fever verweist auf das mit der Krankheit verbundene typische hohe Fieber und die rote „Himbeerzunge“.

Wichtig: Unterschieden wird zwischen der harmlosen Version Febris Scarlatina und der gefährlichen Scarlatina maligna, die sogar tödlich verlaufen kann.

Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Scharlachfälle zu. In Großbritannien wurden Mediziner 2014 aufgeschreckt, als die Erkrankungsrate plötzlich von 3,1 pro 100.000 Einwohner auf 33,2 pro 100.000 Einwohner schnellte. Anschließend sank sie jedoch wieder auf das normale Niveau.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 50.000 Scharlach-Erkrankungen diagnostiziert. Eine Studie der Barmer GEK ermittelte, dass rund 6,27 % aller Kinder unter fünf Jahren jährlich an Scharlach erkranken.

Wie kommt es zu einer Scharlach-Infektion?

Das Bakterium Streptococcus pyogenes gilt als Haupterreger von Scharlach. Es wird gewöhnlich über eine Tröpfcheninfektion übertragen, beispielsweise durch Anhusten, Niesen und das Anfassen verunreinigter Gegenstände.

Wichtig: Damit es zu einer Scharlach-Infektion kommt, muss das Bakterium einen Virus enthalten, der eines der drei Scharlach-Toxine (SPE-A, -B und –C) enthält. Ansonsten führt die Infektion mit Streptococcus pyogenes „nur“ zu einer eitrigen Mandelentzündung.

Wer ist besonders häufig von Scharlach betroffen?

Scharlach gilt als typische Kinderkrankheit, von der meist Kinder zwischen vier und neun Jahren betroffen sind. Da sich der Erreger in Kindergärten, Kitas und Grundschulen besonders schnell über geteiltes Spielzeug und enge Körperkontakte beim Spielen verbreitet, kommt es zu regelrechten Epidemien.

Wichtig: Wird ein Scharlachausbruch in einer gemeinschaftlichen Einrichtung festgestellt, ist er meldepflichtig.

Symptome

Die Inkubationszeit beträgt nach der Ansteckung etwa 2 bis 7 Tage. Dann macht sich der Scharlach durch folgende Symptome bemerkbar:

  • Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Hohes Fieber
  • Schüttelfrost
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Gerötete Wangen

Zu diesem Zeitpunkt sind die Symptome jedoch noch nicht eindeutig. Erst später treten die typischen Scharlach-Symptome auf:

  • Geröteter Rachen
  • Fleckige Mandeln und Mundschleimhaut
  • Weißer Belag auf der Zunge, der nach 3 bis 4 Tagen abgestoßen wird
  • Himbeerrote Zunge
  • Rote Flecken in der Leistengegend und an den Oberschenkeln, die sich allmählich über den ganzen Körper ausbreiten

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Wann zum Arzt?

Idealerweise gehen Sie bereits beim Auftreten früher Symptome wie Schluckbeschwerden und Halsschmerzen mit Ihrem Kind zum Kinderarzt. Dieser wird die Ursache klären und entsprechende Medikamente verordnen.

Spätestens beim Auftreten der typischen Scharlach-Symptome wie der Himbeerzunge und dem Ausschlag am Unterleib muss der Arzt aufgesucht werden. In wenigen Fällen kann Scharlach Komplikationen wie Nierenerkrankungen oder eine Herzinnenhautentzündung nach sich ziehen. Mittelohrentzündungen können sogar zur dauerhaften Schwerhörigkeit führen.

Diagnose

Der Arzt wird einen Abstrich aus dem Rachen nehmen und unter dem Mikroskop untersuchen. So können die Streptokokken eindeutig nachgewiesen werden.

Behandlung durch den Arzt

Die ungefährliche Form von Scharlach wird theoretisch auch unbehandelt abklingen. Allerdings halten die schmerzhaften Beschwerden wesentlich länger an und der Patient bleibt bis zu drei Wochen ansteckend.

Damit Kinder schnell wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen und mit ihren Freunden spielen können, sollte unbedingt eine ärztliche Behandlung mit Medikamenten erfolgen.

Zum Einsatz kommen in der Regel Antibiotika, die Kindern in Form von Saft und Erwachsenen in Form von Tabletten verordnet werden. Dazu gehören:

  • Penicillin
  • Amoxicillin
  • Ampicillin
  • Cephalosporin
  • Erythromycin oder Clarithomycin bei einer Penicillin-Allergie

Erwachsene nehmen das Antibiotikum über zehn Tage ein. Für Kinder wird eine verkürzte Einnahme von fünf Tagen empfohlen.

Wichtig: Das Antibiotikum darf nicht vorzeitig abgesetzt werden. Dies kann dazu führen, dass ein Teil der Bakterien im Körper verbleibt und sich erneut ausbreitet.

Weiterbehandlung zu Hause

Nach dem Besuch beim Arzt ist zunächst Ruhe im Bett oder auf der Couch angesagt.

  • Erwachsene Patienten lassen sich mit Scharlach krankschreiben.
  • Kinder bleiben einige Tage der Schule oder der Kita fern.

Die folgenden Tipps erleichtern die Tage der Genesung:

  • Viel trinken (Wasser oder ungesüßte Tees, keine zuckrigen Softdrinks!)
  • Gurgeln mit Salbeitee gegen Halsschmerzen
  • Lutschen von Eiswürfeln
  • Breiige Kost und Suppen bei Schluckbeschwerden
  • Joghurt zur besseren Aufnahme der Antibiotika im Darm
  • Wadenwickel gegen hohes Fieber

Wichtig: Nach Einnahme des Antibiotikums ist der Patient noch etwa 24 Stunden lang ansteckend. In dieser Zeit sollten Kinder noch keinen Besuch von Freunden erhalten und von gesunden Geschwistern getrennt bleiben. Nach den ersten 24 Stunden tritt meist schon eine deutliche Verbesserung des Zustands ein.

Fragen und Antworten

Gibt es eine Impfung gegen Scharlach?

Nein, leider gibt es keine Schutzimpfung gegen Scharlach. Dies liegt daran, dass es innerhalb der Gruppe der A-Streptokokken so viele verschiedene Varianten gibt.

Wie kann ich mein Kind vor Scharlach schützen?

Da Streptokokken eigentlich überall vorkommen, gibt es keinen Rundum-Schutz für Kinder oder Erwachsene.

  • Kindern sollten schon früh Hygiene-Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife beigebracht werden.
  • Geniest wird in die Ellenbeuge, beim Husten wird die Hand vor den Mund gehalten.
  • Halten sich andere Kinder nicht daran, sollte das eigene Kind ermahnt werden, von hustenden und niesenden Kindern Abstand zu halten.
  • Daneben hilft natürlich ein allgemein starkes Immunsystem, den Ausbruch von Infektionskrankheiten zu vermeiden.

Ist Scharlach während der Schwangerschaft gefährlich?

Sollte eine Frau während der Schwangerschaft an Scharlach erkranken, besteht kein Grund zur Panik: Anders als Röteln kann Scharlach keine bleibenden Schäden am ungeborenen Kind verursachen. Der Arzt verordnet Antibiotika, die die Plazentaschranke nicht passieren und somit keine Auswirkung auf das Kind haben.

Bin ich nach der Heilung lebenslang immun gegen Scharlach?

Leider nein. Nach überstandener Scharlacherkrankung sind Betroffene immun gegen den bestimmten Streptokokken-Typ, der die Erkrankung auslöste. Eine erneute Infektion mit einem anderen Streptokokken-Typ ist jedoch weiterhin möglich.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/163837/Scharlach-Verhuetung-und-Bekaempfung
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/83708/Scharlach-Epidemie-Viktorianische-Erkrankung-beunruhigt-englische-Gesundheitsbehoerden
  • https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/scharlach/