Ihr Ratgeber zu niedrigem Blutdruck

Obwohl das Thema niedriger Blutdruck, im Vergleich zu Bluthochdruck, in der Gesellschaft selten angesprochen wird, sind überraschend viele davon betroffen. Bis zu 9% der Bevölkerung leiden unter Hypotonie. Glücklicherweise ist niedriger Blutdruck in den meisten Fällen jedoch ungefährlich.

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Hypotonie Ratgeber

Kurzfassung

  • Man spricht von niedrigem Blutdruck, wenn dieser die Werte 110/60 mmHg unterschreitet
  • Die üblichen Symptome sind Schwindel, Müdigkeit und Kopfschmerzen
  • In den meisten Fällen stellt ein niedriger Blutdruck keine Gefahr dar
  • Mit Hausmitteln ist Hypotonie oftmals gut behandelbar
  • Es gibt die Möglichkeit niedrigen Blutdruck medikamentös zu behandeln

Was ist Hypotonie?

Hypotonie ist der medizinische Fachbegriff für niedrigen, arteriellen Blutdruck.

Am häufigsten sind junge, schlanke Frauen in der Pubertät, Schwangere und ältere, hagere Menschen betroffen.

Als Blutdruck wird im Allgemeinen der Druck in den großen Arterien, also den Gefäßen, die vom Herzen wegführen, bezeichnet. Er ist abhängig von Elastizität und Widerstand der Gefäßwände.

Bei niedrigem Blutdruck handelt es sich generell nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom, dass bei verschiedenen Krankheiten oder einfach so auftreten kann.

Ab wann spricht man von niedrigem Blutdruck?

Der Normalbereich liegt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Bereich um 120/80 mmHg.

Von niedrigem Blutdruck spricht man, wenn er unter 110/60 mmHg bei Männern bzw. 100/60 mmHg bei Frauen sinkt.

Was verursacht einen niedrigen Blutdruck?

Normalerweise ist der Körper in der Lage den Blutdruck selbst zu regulieren. Vereinfacht gesagt wird der Blutdruck über kleine Druckmesskörperchen in den Halsschlagadern detektiert und diese Information dann an das Stammhirn weitergeleitet. Dieses befiehlt dann bei Bluthochdruck eine Gefäßerweiterung und bei niedrigem Blutdruck eine Gefäßverengung. Es gibt jedoch einige Fälle, bei denen die Regulierung nicht richtig funktioniert.

Man unterscheidet zwischen primärer, sekundärer und orthostatische Hypotonie.

Primäre Hypotonie ist die häufigste Form des niedrigen Blutdrucks und tritt ohne erkennbaren Grund auf. Meist ist der Blutunterdruck erblich bedingt und betrifft beispielsweise häufig junge, schlanke Frauen.

Sekundäre Hypotonie ist der niedrige Blutdruck als Folge/Symptom einer Grunderkrankung oder der Nebenwirkung eines Medikaments wie beispielsweise:

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Unterfunktion der  Nebennierenrinde
  • Unterfunktion der Hirnanhangdrüse
  • Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzbeutelentzündung
  • Salzmangel
  • Venenschwäche
  • Flüssigkeitsmangel durch Durchfall, Erbrechen oder starkes Schwitzen

Orthostatische Hypotonie entsteht bei einem Lagewechsel z.B. beim schnellen Aufstehen aus dem Liegen. Dabei versackt das Blut in die Beine, was eine Volumenverschiebung zufolge hat, auf die der Körper nicht schnell genug reagieren kann. Auslöser für eine orthostatische Hypotonie können Störungen des autonomen Nervensystems, Nervenzellschädigungen im Gehirn, Krampfadern, etc.sein.

Niedriger Blutdruck in der Schwangerschaft:
Vor allem in den ersten Monaten der Schwangerschaft ist ein niedriger Blutdruck ganz normal. Grund dafür ist, dass das ungeborene Baby auf der großen Hohlvene (Vena Cava) der Mutter liegt und dadurch den Rückfluss des Blutes zum Herzen beeinträchtigt. Dadurch wird auch die Durchblutung des Gehirn und anderer Körperregionen weniger, was zu einem niedrigen Blutdruck führt.

Symptome von Hypotonie

Bei einem niedrigen Blutdruck treten nicht immer Symptome auf, es sind jedoch eine Bandbreite an Beschwerden möglich.

  • Durch einen niedrigen Blutdruck kann es zu einer Mangelversorgung im Hirn kommen. Folgen können Schwindel, Sehstörungen wie “Sternchen sehen” oder “schwarz vor Augen werden”, Ohrensausen und im schlimmsten Fall Ohnmacht sein. Das passiert besonders, wenn Betroffene sich plötzlich schnell bewegen oder ihre Position verändern. Besonders gefährlich kann das beim Autofahren sein oder wenn Sturzgefahr besteht.
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Benommenheit sind typisch für Personen mit einem niedrigen Blutdruck, da die Durchblutung schlechter ist.
  • Stechende, pulsierende Kopfschmerzen können bei Hypotonie vorkommen, da die Durchblutung im Kopf gedrosselt ist.
  • Atemnot, Engegefühl in der Brust oder Stechen in der Herzgegend können Anzeichen für niedrigen Blutdruck sein, da sich die Gefäße dann engstellen und sich auf die Versorgung der lebenswichtigen Organe wie das Herz oder das Gehirn zu fokussieren.
  • Auch Herzrasen ist bei einem Blutunterdruck möglich, da das Herz versucht durch eine höhere Frequenz der verminderten Durchblutung entgegenzuwirken.

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Untersuchung und Diagnose

Um einen niedrigen Blutdruck festzustellen muss der Blutdruck mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten und Tagen gemessen werden. Zusätzlich gibt es  verschiedene Kreislauftests bei denen einen Hypotonie getestet werden kann:

  • Schallong-Test: Der Patient liegt 10 min lang und muss dann schnell aufstehen. Der Blutdruck wird mehrmals vor und nach dem Aufstehen gemessen und verglichen. Getestet wird hierbei auf orthostatische Hypotonie.
  • Kipptisch-Versuch: Der Patient liegt angegurtet auf einem Kipptisch. Der Blutdruck wird 10 min lang im liegen, dann in 60 Grad aufrechter Kippung gemessen und mit den vorherigen Werten verglichen.

Bei Verdacht auf eine Grunderkrankung, die niedrigen Blutdruck auslöst, kann der Arzt weitere Untersuchungen wie zum Beispiel Ultraschall- und Blutuntersuchungen anstellen.

Hausmittel und Tipps gegen niedrigem Blutdruck

In den meisten Fällen sind einfache Hausmittel und Tricks ausreichend um die Beschwerden erheblich zu lindern.

  • Wechselduschen, also schnelles Wechseln zwischen warmem und kaltem Wasser beim Duschen, bewirken, dass sich die Blutgefäße abwechselnd zusammenziehen und weiten. Dadurch werden die Gefäßwände trainiert und der Kreislauf angeregt.
  • Bewegung und körperliche Aktivität, am besten an der frischen Luft, bringen den Kreislauf in Schwung und lindern Schwindel und Müdigkeit.
  • Speisesalz erhöht das Blutvolumen und damit auch den Blutdruck, indem es Wasser im Körper bindet. Daher ist es bei niedrigem Blutdruck wichtig, ausreichend gesalzene Speisen zu sich zu nehmen.
  • Viel Trinken ist bei niedrigem Blutdruck besonders wichtig, da dadurch das Blutvolumen und damit auch der Blutdruck erhöht wird. Eine Tasse Kaffee, grüner oder schwarzer Tee stimulieren den Kreislauf besonders.
  • Langsames Aufstehen aus dem Bett, eventuell mit kleiner Pause und ausführlichem Stecken.
  • Kompressions-/Stützstrümpfe regen die Blutzirkulation in den Beinen an.

Behandlung von niedrigem Blutdruck

Sollten die Maßnahmen und Hausmittel nicht genügen um die Beschwerden des niedrigen Blutdrucks zu lindern, können Sie mit ihrem Arzt über eine mögliche medikamentöse Behandlung sprechen.

Eine Behandlung von niedrigem Blutdruck mit Medikamenten wird, nur wenn es unbedingt nötig ist, empfohlen, da diese oftmals starke und eventuell gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen oder eine Minderdurchblutung von Gliedmaßen und Organen haben können.

Medikamente, die oft zur Behandlung von Hypotonie genutzt werden, sind zum einen sogenannte Sympathomimetika. Diese verengen die Blutgefäße und erhöhen die Herzfrequenz. Ein anderer Wirkstoff, der oft genutzt wird, ist Dihydroergotamin, durch den die Wandspannung der Venen erhöht wird und damit verhindert wird, dass das Blut beim Aufstehen in die Beine versackt.

Ab wann zum Arzt?

Wenn Sie oft an Schwindel oder anderen Hypotonie-Symptomen leiden, sollten Sie sich an Ihren Hausarzt wenden um möglich Auslöser zu überprüfen, da sonst die Gefahr besteht, dass Krankheiten wie eine Herzinsuffizienz übersehen wird. In der Regel ist ein niedriger Blutdruck aber ungefährlich. In besonders schweren Fällen kann es zu Schwindelattacken und Ohnmacht kommen.

Während einer Schwangerschaft kann ein zu niedriger Blutdruck zu Problemen führen, wenn beispielsweise die Plazenta nicht ausreichend durchblutet und damit die Versorgung des Kindes gefährdet wird. Daher sollte ein Blutunterdruck während der Schwangerschaft vom Frauenarzt besonders beobachtet und kontrolliert werden.

Quellen

  • https://www.netdoktor.de/krankheiten/niedriger-blutdruck/
  • https://www.ratgeber-herzinsuffizienz.de/herzinsuffizienz/ursachen-risikofaktoren/niedriger-blutdruck/
  • https://www.apotheken-umschau.de/Niedriger-Blutdruck