Ihr Ratgeber zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das Herz und die Blutgefäße sind in ihrem Zusammenspiel aufeinander abgestimmt. Ist die Gesundheit des Herzens beeinträchtigt, zieht dies die Blutgefäße in Mitleidenschaft. Häufiger ist es jedoch umgekehrt: Ablagerungen in den Gefäßen bringen das Herz an seine Grenzen – bis zum Infarkt.

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Ratgeber zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Kurzfassung

  • Herz und Blutgefäße ergänzen und unterstützen sich in ihren Funktionen. Erkrankungen bedingen sich gegenseitig. Risikofaktoren werden maßgeblich durch das eigene Verhalten beeinflusst.
  • Untypische Symptome wie Erschöpfung, Atemnot oder Übelkeit sollten ernst genommen werden.
  • Vorsorgeuntersuchungen sind ab 35 Jahren alle zwei Jahre Bestandteil der Leistungen der GKV.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Todesursache

Fehlfunktionen von Herz und Blutgefäßen stehen auf der Liste der Todesursachen weltweit ganz oben. Eine umfassende Definition des Begriffes gestaltet sich jedoch schwierig. Denn die möglichen Erkrankungen sind zahlreich und haben unterschiedliche Ursachen. Hinzu kommen weitere Risikofaktoren, die eine Erkrankung von Herz und Blutgefäßen begünstigen. Dazu gehören Alter wie auch Geschlecht.

Alter und Verhalten

Altersbedingte Veränderungen der Blutgefäße entstehen in vielen Fällen aufgrund des eigenen Verhaltens:

  • Mangel an Bewegung
  • Fett- oder kalorienreiche Ernährung und Übergewicht
  • Nikotinkonsum
  • Alkoholgenuss

Meist ist es ein Zusammenspiel: Ein wenig von allem zeigt über Jahre große Wirkung. Umgekehrt kann eine rechtzeitige Umstellung der Lebensgewohnheiten einen erheblichen Beitrag zur Herzgesundheit leisten.

Höheres Risiko für Frauen nach den Wechseljahren

Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu leiden, die nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wird, liegt für Frauen in jungen Jahren zunächst niedriger. Nach der Menopause, wenn die Hormonproduktion sich verändert, liegt es indes höher als bei Männern. Hinzu kommen bei Frauen untypische Symptome wie anhaltende oder wiederkehrende Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch oder Erbrechen, die oft nicht einem Herzleiden zugeordnet werden.

Genetische Vorbelastung

Risikofaktoren stecken auch im menschlichen Erbgut. Denn hier ist eine Neigung zu Bluthochdruck, Diabetes oder Arteriosklerose bereits angelegt – bei bis zu 40 % der Erkrankten. Dies muss kein Schicksal sein, sollte aber mit dem Hausarzt schon in jungen Jahren besprochen werden.

Stress als Risikofaktor

Anhaltende Belastung begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn Stress, sei es durch hohe berufliche Anforderungen oder die private Situation, sorgt dafür, dass der Körper seinen Kampf-oder-Flucht-Modus einschaltet. Das „Stresshormon“ Adrenalin flutet die Gefäße. Ein physisches Abreagieren ist jedoch nicht möglich. Der beschleunigte Herzschlag und der immer wieder erhöhte Adrenalinspiegel verursachen langfristig Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen und ziehen die Gefäße in Mitleidenschaft.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: oft zunächst ohne Symptome

Die fortschreitende Verengung der Arterien aufgrund eines Zusammenwirkens unterschiedlicher Einflüsse macht sich bei leichter bis mittelschwerer Ausprägung vorläufig nicht bemerkbar. Dies betrifft die bedeutenden Schlagadern, die Aorten, ebenso wie das Geflecht von Gefäßen, die das Herz umgeben, die sogenannten Herzkranzgefäße. Auch andere Risiken, etwa das häufige Aussetzen der Atmung im Schlaf, die Apnoe, und der dadurch reduzierte Sauerstoffgehalt im Blut werden von Betroffenen zunächst nicht wahrgenommen oder unterschätzt. Durch den schleichenden Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt ein Schlaganfall oder Herzinfarkt für viele Betroffene überraschend.

Das steckt hinter dem Oberbegriff der Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ernst zu nehmende Herz-Kreislauf-Erkrankungen kündigen sich meist nicht an und können unterschiedliche Ursachen bzw. einen individuellen Verlauf aufweisen. Selbst leichte Symptome sollten, sofern sie anhalten, Anlass für eine Konsultation des Facharztes geben. Er entscheidet, wann bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen Krankschreibung und Behandlung notwendig sind. Die häufigsten Krankheitsbilder sind folgende:

Erkrankung Erläuterung Symptome Behandlung

Koronare Herzkrankheit (KHK)

Mangelnde Durchblutung des Herzmuskels aufgrund verengter Herzkranzgefäße

Angina pectoris, dt. „Brustenge“, meist unter Belastung:

  • Engegefühl
  • Atemnot
  • Schmerzen im Oberbauch oder in Nacken, Schultern und Kiefer
  • Umstellung der Lebensweise
  • Medikamententherapie bspw. durch Betablocker, Statine oder Nitrate
  • Erweiterung der Blutgefäße durch Ballonerweiterung, Stents oder Bypässe

Bluthochdruck

Blutdruck von mehr als 140/90 mmHg im Ruhezustand

  • Umstellung der Lebensgewohnheiten
  • Reduktion von Kochsalz in der Ernährung
  • Bluthochdruck-Medikamente

Herzinsuffizienz

Ungenügende Pumpleistung des Herzens

  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Atemnot und Husten
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Medikamententherapie
  • Minimalinvasive oder operative Eingriffe

Herzklappenerkrankung

Verengte oder undichte Herzklappen, sodass das Blut nicht ausreichend ausgepumpt wird oder wieder in die Herzkammer(n) zurückfließt

  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Atemnot
  • Reizhusten
  • Appetitlosigkeit
  • Bewusstlosigkeit
  • Operative Korrektur bei schweren Herzklappenfehlern

Herzrhythmusstörungen

Störung der Impulsgebung, die den Herzmuskel antreibt.

  • Herzrasen
  • Zu langsamer Herzschlag
  • Medikamententherapie
  • Einsetzen von Herzschrittmacher oder Defibrillator

Herzmuskelentzündung

Entzündung der Zellen des Herzmuskels, etwa aufgrund von Virusinfektionen

  • Druckgefühl in der Brust
  • Atemnot
  • Herzrhythmusstörungen
  • Hautverfärbungen durch Sauerstoffmangel im Blut
  • Vergrößerung von Leber und Milz
  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Körperliche Schonung
  • Antibiotikatherapie bei bakteriell verursachter Herzmuskelentzündung

Kardiomyopathie

  • Verdickung des Herzmuskels
  • Ausweitung der Herzhöhlen
  • Müdigkeit
  • Schwächegefühl
  • Bläuliche Verfärbung der Haut
  • Wassereinlagerungen
  • Blutrückstau
  • Medikamententherapie durch
    • Harntreibende Mittel
    • Gerinnungshemmer
    • Präparate gegen Herzrhythmusstörungen
  • Herzschrittmacher

Periphere arterielle Verschlusskrankheit, „Schaufensterkrankheit“

Verengung von Arm- und Beinarterien und Störung der Blutversorgung

  • Kältegefühl
  • Schlechte Wundheilung
  • Schmerzen
  • Eingeschränkte Gehfähigkeit
  • Bewegungstherapie
  • Medikamentenbehandlung bspw. durch Gerinnungshemmer
  • Operative Erweiterung der Gefäße

Endokarditis

Entzündung von Herzklappen und/oder Herzinnenwand durch

  • Bakterieninfektion
  • Rheumatisches Fieber nach Streptokokkeninfektion
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Herzrasen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Perikarditis oder Herzbeutelentzündung

Ansammlung von Flüssigkeit im Herzbeutel und dadurch geminderte Pumpleistung des Herzens

  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Flacher Puls
  • Paradoxer Puls: beim Einatmen Absinken des Blutdrucks um mehr als 10 mmHg
  • Stauung und deutliche Sichtbarkeit der Halsvenen
  • Medikamentöse Behandlung
  • Absaugen der Flüssigkeit

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Diagnose mit verschiedenen Hilfsmitteln

Für eine möglichst korrekte Diagnose stehen Medizinern verschiedene Belastungstests und bildgebende Verfahren zur Verfügung:

  • Körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchung insbesondere des Fett- und Zuckerspiegels
  • Ruhe- und Belastungs-EKG
  • Herzultraschall in Ruhe und unter Belastung
  • Myokardszintigrafie (Sichtbarmachen der Herzmuskeltätigkeit durch Injektion eines radioaktiven Isotops)
  • Koronarangiografie (Sichtbarmachen der Herzkranzgefäße durch Injektion eines Kontrastmittels)
  • Magnetresonanztomografie
  • Herzkatheter-Untersuchung

Fragen & Antworten

Wie kann ich Vorsorge für die Herzgesundheit treffen?

Die Lebensweise lässt sich leicht beeinflussen. Eine gesunde Ernährung mit viel Gewicht auf frischem Obst und Gemüse, wenig tierischen Fetten, weitgehender Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin und reichlich Bewegung können dazu beitragen, Herz und Kreislauf bis ins Alter gesund zu halten.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Gesetzlich Versicherte können ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre einen Gesundheits-Check-up in Anspruch nehmen, bei dem unter anderem die Blutwerte und die Herzleistung untersucht werden.

Sind Herzinfarkt und Schlaganfall Krankheiten?

Wenn das Herz aufgrund mangelnder Durchblutung den Dienst versagt oder ein Gefäßverschluss einen Schlaganfall bewirkt, sind dies lediglich die letzten Konsequenzen von Erkrankungen, die bereits vorher und oft über längere Zeit bestanden haben.

Quellen

  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/105717/Herz-Kreislauf-Erkrankungen-erklaeren-hohes-Sterberisiko-in-aermeren-Laendern
  • https://www.bnk.de/herz-kreislauf-erkrankungen.html
  • https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/herz-kreislauf/herz-kreislauf-erkrankungen.html
  • https://www.apotheken-umschau.de/Koronare-Herzkrankheit